108 Megapixel für 299 Euro? Was klingt wie das Wochenschnäppchen beim Supermarkt um die Ecke, ist Realmes gewichtiges Verkaufsargument für das Realme 8 Pro. GIGA-Experte Alexander hat das China-Handy ausführlich getestet.

Realme 8 Pro im Test: Fazit

GIGA-Wertung: 7.4 / 10

Was für eine Überraschung. Mit dem 8 Pro ist Realme ein kleiner Kameraknüller gelungen. Allen voran ist es der leistungsstarken und vielseitigen Hauptkamera zu verdanken, dass sich das Smartphone vor allem in der Bildproduktion aus der selbstgewählten Mittelklasse in Richtung Premium orientiert. 108 Megapixel für 299 Euro – das sind eine Menge Bildpunkte pro Euro. Kein Wunder, dass der chinesische Hersteller offensiv damit wirbt.

Klar sollte man hier nicht durchweg Flaggschiff-Qualität erwarten, denn schon bei der Hardware hält Samsung seine neuesten Kamera-Sensoren für die eigene S-Reihe zurück. Aber selbst mit dem älteren HM2-Sensor liefert der chinesische Underdog beeindruckende Ergebnisse, die wenig Raum zum Meckern lassen. Ob sich damit letztlich wirklich die Unendlichkeit einfangen lässt? Vermutlich eher nicht. Aber das Realme 8 Pro kommt möglicherweise ziemlich nah dran.

Vorteile:

  • Helles AMOLED-Display
  • Gute 108-MP-Hauptkamera
  • Aufgeräumtes Betriebssystem
  • Schnellladen mit 50 Watt
  • Dreifacher Kartenslot für micro-SD und zwei SIM-Karten

Nachteile:

  • Fehlende IP-Zertifizierung
  • Kein kabelloses Laden
  • Display nur mit 60 Hertz
Realme 8 Pro

Realme 8 Pro

Realme, was?

Bevor wir auf das Handy selbst zu sprechen kommen, ein kleiner Exkurs. Falls euch “Realme“ ad hoc nichts sagt oder ihr euch fragt, warum ich “Redmi“ konsequent falsch schreibe, hier eine kurze Einordnung. Die Marke “Redmi“ gehört zu Xiaomi und wird seit einigen Jahren als eigenständiges Sublabel für kostengünstige Smartphones vermarktet, während Xiaomi selbst immer mehr Richtung High-End-Produkte abzielt, ähnlich wie anfangs Huawei und Honor.

Realme: Diesen Markennamen sollte man sich schon mal merken (Bild: GIGA)

Realme hat mit beiden nichts zu tun. Der ebenfalls in China ansässige Hersteller ist erst seit 2018 aktiv und gehört wie zum Beispiel OPPO oder OnePlus zu BBK Electronics, einem Konglomerat für Unterhaltungselektronik. Realme konzentrierte sich anfangs auf den wachsenden Markt in Schwellenländern, wie Indien, wo es bereits einen Marktanteil von fast 20 Prozent für sich beanspruchen kann. Hierzulande ist die Marke noch weitgehend unbekannt, da sie erst 2020 offiziell in Deutschland an den Start ging. Ohne zu viel spekulieren zu wollen: Sollte Realme das Qualitätsniveau seiner auf die Mittelklasse ausgerichteten Smartphones bei gleichbleibender Preispolitik langfristig halten, könnte der Name “Realme“ hier vielleicht bald genauso selbstverständlich nachgefragt werden wie Samsung, Apple oder Huawei.

Realme 8 Pro im Test: Kamera

Bei einem Mittelklasse-Smartphone kommt es immer auf den Kompromiss an. Worauf bin ich bei einem Preis um die 300 Euro bereit zu verzichten, welche Funktionen dürfen auf gar keinen Fall fehlen? Der Fokus bei der Entwicklung des Realme 8 Pro lag eindeutig auf der Kamera, genauer gesagt auf der Hauptkamera mit ihren 108 Megapixeln (MP). Trotzdem punktet das Smartphone auch in anderen Bereichen.

Realme 8 Pro: Sind Fotos mit bis zu 108 Megapixeln wirklich sinnvoll? (Bild: GIGA)

Konzentrieren wir uns aber zunächst auf den Star: die Kamera. Vier Sensoren verbaut Realme im 8 Pro: eine Hauptkamera mit 108 Megapixel, eine Ultraweitwinkelkamera mit acht Megapixel sowie eine Makro- und eine Schwarzweißkamera mit jeweils zwei Megapixel. Letztere dient lediglich der Unterstützung, indem sie zusätzliche Tiefeninformationen sammelt.

Die Makrokamera mit ihren zwei Megapixel empfinde ich – wie bei eigentlich allen Smartphones – als nette, aber unnötige Spielerei. Klar, es ist kurzzeitig unterhaltsam, mit der Kamera möglichst nah ran zu gehen. Aber die geringe Auflösung und die knapp vier Zentimeter Mindestabstand zum Objekt reichen nicht aus, um mich von der Notwendigkeit einer Makrokamera zu überzeugen. Da ergibt der Ultraweitwinkelsensor mit seinem 119-Grad-Sichtfeld mehr Sinn. Die Ergebnisse können sich durchaus sehen lassen, vor allem, wenn sie unter guten Lichtverhältnissen mit optimaler Ausleuchtung entstanden sind. Die acht Megapixel tun ihr Bestes, ein gewisses Bildrauschen bleibt aber immer übrig. Gleiches gilt für die fischaugenartige Krümmung an den Bildrändern.

Realme 8 Pro: SD-karten-Slot (Bild: GIGA)

Das Hauptaugenmerk liegt beim Realme 8 Pro nunmal auf der Hauptkamera. 108 Megapixel sind selbst in der Oberklasse eine Seltenheit und nicht nur deshalb stellt sich zurecht die Frage: Wie sinnvoll ist das überhaupt? Das 8 Pro schießt seine Fotos zwar nominell mit der vollen Auflösung, nutzt aber das sogenannte Pixel Binning, um mehrere Bildpunkte zu einem zu vereinen. So werden aus neun Pixeln letztlich einer im fertigen Bild, das nunmehr eine Auflösung von zwölf Megapixel aufweist. Das reduziert die Speichergröße einzelner Aufnahmen bei gleichzeitiger Steigerung der Bildqualität, indem etwa mehrere Belichtungsstufen bei der Verarbeitung berücksichtigt werden.

Alternativ erlaubt das Realme 8 Pro Fotoaufnahmen mit den vollen 108 Megapixeln (effektive Auflösung: 12.000 x 9.000 Pixel). Einen wirklichen Qualitätssprung konnte ich im Test allerdings nicht erkennen. Darüber hinaus belegt ein einzelnes 108-MP-Foto bis zu 30 MB.

Realme 8 Pro im Test: Kameraqualität und besondere Funktionen

Unter idealen Bedingungen schießt die Hauptkamera des Realme 8 Pro Fotos, die das Smartphone nah an die Oberklasse heranrücken lassen. Bei guter Lichtverteilung beeindrucken die Fotos mit hohem Detailreichtum, starkem Kontrast und aufgefächertem Dynamikumfang. Die Farben wirken lebendig und kräftig, gelegentlich leuchten sie zu intensiv, wenn der Algorithmus nachhilft – aber ohne dabei ins künstlich Überzeichnete abzurutschen.

Mit dem Realme 8 Pro gelingen vor allem bei Tageslicht gute Fotos, die aber manchmal etwas zu farbkräftig wirken können (Bild: GIGA)

Selbst Innenaufnahmen bei künstlichem Licht meistert das Realme 8 Pro weitgehend problemlos. Die smartphone-typischen Probleme wie Bildrauschen, Detailverlust und Unschärfe reduziert der Isocell-HM2-Sensor von Samsung auf ein Minimum. Grundsätzlich ist es ratsam, auf die Unterstützung der Kamera-KI zu setzen. Der Algorithmus schärft Aufnahmen in der Postproduktion nach und kitzelt Details raus, die ansonsten unter Umständen verloren gegangen wären.

Eine weitere Besonderheit der 108 Megapixel ist der 3-fache Digitalzoom, der laut Realme einem optischen Zoom ebenbürtig ist. Technisch erreicht das Gerät diese Qualität, indem es schnell hintereinander acht Fotos schießt und auch hier wieder mithilfe des Algorithmus diese übereinander legt. Der Ergebnis ist ein Foto, das sich kaum von einem echten Teleobjektiv-Foto unterscheiden lässt.

Realme 8 Pro: Nicht offiziell staub- und wassergeschützt (Bild: GIGA)

Für den speziellen Anwendungsfall interessant sind zusätzliche Aufnahmemodi wie Tilt-Shift, Time-Lapse und der Super-Nightscape-Mode. Porträts lassen sich KI-gestützt künstlerisch verfremden. Dynamisches Bokeh verleitet Porträts durch Bewegungsunschärfe des Hintergrunds mehr Dringlichkeit. Neon-Porträt überzeichnet Hintergrundlichter für ein traumartiges Foto und KI-Farbporträt isoliert die Person im Vordergrund farblich, während der Rest auf Schwarzweiß reduziert wird. Allesamt coole Gimmicks, die aber eben nur punktuell zum Einsatz kommen.

Realme 8 Pro im Test: Display und Performance

Das beste Kamerasystem nützt nichts, wenn der technische Unterbau fehlt. Beim Realme 8 Pro bewegen wir uns hier wieder eindeutiger in der Mittelklasse. Trotzdem gibt es auch hier nichts zu beanstanden: Der Snapdragon 720G von Qualcomm rattert mit seinen acht Kernen mit bis zu 2,3 GHz, flankiert von einer Adreno-618-GPU und acht Gigabyte RAM. Alltägliches erledigt die Hardware ruckel- und störungsfrei. Spiele wie Call of Duty Mobile oder Asphalt 9 laufen auch in hoher Detailstufe flüssig und ohne allzu große Wärmeentwicklung.

Realme 8 Pro: AMOLED-Display mit FHD+-Auflösung und 60 Hertz Bildwiederholfrequenz (Bild: GIGA)

Generell bewegen sich Inhalte maximal mit bis zu 60 Hertz über den Bildschirm. Schade, denn einige Mitbewerber aus dem Preissegment schaffen bereits Bildwiederholfrequenzen von 90 oder 120 Hz. Dass das Display dennoch überzeugt, liegt vor allem an der AMOLED-Technologie. Über 6,4 Zoll erstreckt sich die FHD+-Auflösung mit 2.400 x 1.080 Pixeln bei einer Pixeldichte von 409 ppi. Helligkeit und Kontrastwerte liegen im guten Bereich, auch ohne offizielle HDR-Unterstützung. Apropos Display: Realme hat den Fingerabdrucksensor unter dem Displayglas integriert. Er reagiert präzise und zuverlässig, wird aber häufig von der Gesichtserkennung überholt. Angesichts der Größe des Smartphones hätte der Fingerscanner gerne etwas weiter oben sitzen dürfen. Für einen sicheren Halt sitzt er leider zu nahe am Kinn.

Realme 8 Pro: Fingerabdruckscanner unter dem Display (Bild: GIGA)

Hierzulande ist das Realme 8 Pro übrigens lediglich in einer Konfiguration zu haben: mit 8 GB RAM und 128 GB Flashspeicher UFS 2.1. Dank dreifachem Kartenslot lässt sich der interne Speicher erweitern und das sogar parallel zu zwei SIM-Karten. Den Mobilkfunkstandard 5G beherrscht das 8 Pro indes nicht.

Realme 8 Pro im Test: Akku und Ladeleistung

Kompromisse sind bei einem 300-Euro-Smartphone normal und so fallen auch beim Realme 8 Pro einige Komfortfunktionen raus. Kabelloses Laden des 4.500 mAh Akkus ist keine Option. Immerhin liegt dem Telefon ein Ladegerät mit einer Nennleistung von 65 Watt bei. Gespeist wird der Akku aber nur mit 50 Watt – warum auch immer. Dennoch ist die Batterie in kürzester Zeit wieder geladen. Die SuperDart genannte Schnellladefunktion bringt den Akku in unter 20 Minuten auf 50 Prozent. Weitere 30 Minuten reichen, um den Akku einmal vollständig aufzuladen – das ist eine beachtliche Leistung.

Realme 8 Pro: Mono-Lautsprecher, USB-C-Anschluss und Klinkenbuchse (Bild: GIGA)

Weniger beachtlich – in der Preisregion aber nicht ungewöhnlich – ist die fehlende IP-Zertifizierung. Das Realme 8 Pro mit seiner Kunststoffrückseite ist offiziell weder gegen Staub noch gegen eindringendes Wasser geschützt – und auch wenn das Gerät gut verarbeitet und robust konstruiert wirkt, hätte ich bei moderatem Regen bereits Bedenken. Der auf dem Rücken prangende Schriftzug „DARE TO LEAP“ ist wohl Geschmackssache, das scheint ein neuer Designtrend zu sein. Sinngemäß bedeutet er „einen Sprung wagen“.

Akustische Wiedergabe findet beim 8 Pro ausschließlich über den Mono-Lautsprecher unterhalb des Kinns statt. Besseren Hörgenuss liefert der Klinkeneingang direkt daneben, über den sich handelsübliche Kopfhörer mit 3,5-mm-Klinke anschließen lassen – die dem Lieferumfang übrigens nicht beiliegen.

Wertungen und Technische Daten

GIGA-Testwertung im Detail: Realme 8 Pro

Kategorie Wertung (max. 10)
Verarbeitung, Haptik und Design 7
Display 8
Kameras 8
Software 8
Performance 7
Telefonie und Audio 7
Speicher 7
Akku und Alltag 7
Gesamt 7.4

Spezifikationen: Realme 8 Pro

Betriebssystem Android 11 (realme UI 2.0)
Display Super AMOLED 6,4 Zoll/2.400 x 1.080 Pixel/409 ppi/60 Hz
Prozessor Snapdragon 720G (2,3 Ghz)
RAM 8 GB
Interner Speicher 128 GB (+ MicroSD)
Kamera 108 MP Weitwinkel/Ultra-Weitwinkel/Makro/Schwarzweiss
Akku  4.500 mAh

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