Es steckt das drin, was draufsteht. Und es ist viel mehr als ein Standalone-Add-On, aber dennoch kein Vollpreis-Spiel. Auf jeden Fall ist der sympathische Spinnenmann zurück. Wie jetzt genau, verrät der Current-Gen-Test.

 

Spider-Man: Miles Morales

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Spider-Man: Miles Morales

Inhaltsverzeichnis

Schaut selbst in Spider-Man: Miles Morales hinein!

Marvel’s Spider-Man: Miles Morales - Gameplay Demo | PS5

Was ist Spider-Man: Miles Morales?

Um den Elefanten im Raum anzusprechen: Spider-Man: Miles Morales ist ein eigenständiges Action-Adventure mit offener Spielwelt. Weder zum Verständnis, noch zum technischen Abspielen benötigt ihr den zwei Jahre alten Vorgänger im Geiste namens Spider-Man. Zwar baut das spielerische Grundgerüst auf dem von 2018 auf, jedoch besitzt der weiterhin PlayStation-exklusive Ableger eine eigene Story, einen neuen Superhelden mit neuen Fähigkeiten und einen veränderten Schauplatz.

Gleichzeitig ist das Spiel von Insomniac Games aber kein vollumfänglicher zweiter Teil. Denn die Spielzeit beträgt nur ungefähr zehn Stunden, der Vorgänger lag bei 20 bis 25. Wenn euer „Open World“-Sammelwahn aber besonders groß ist, verlängert sich die Spielzeit um etwa fünf Stunden.

Und wer ist Miles Morales?

Wer den Vorgänger gespielt hat, kennt Miles Morales aus diesem – jedoch nicht als Superheld. Und hinter Spider-Man steckt doch eigentlich auch immer Peter Parker, oder? Das bleibt auch so, aber Miles kommt dazu. Ein bisschen so wie bei Batman und Robin. Zumindest am Anfang.

Kurz danach seid ihr aber als Miles die Urlaubsvertretung von Peter Parker und sorgt im Alleingang in New York für Recht und Ordnung. Übrigens: Der Charakter Miles Gonzalo Morales hat einen puerto-ricanischen Hintergrund und entsprang 2011 der Feder von Brian Michael Bendis in einem alternativen Marvel-Universum. Erfreulich: Innerhalb kürzester Zeit ist Miles für euch ein genauso spannender Spider-Man wie das Original. Peter Parker vermisst ihr nicht.

Test-Fazit mit Stärken und Schwächen

Das sind die Stärken von Spider-Man: Miles Morales

  • Jegliche Fortbewegung geht geschmeidig von der Hand
  • Verschneites New York erzeugt Atmosphäre
  • Nach wie vor optisch sehr beeindruckend
  • Unheimlich viele Spidey-Moves, -Anzüge, und -Gadgets
  • PS4-Version beinhaltet kostenloses PS5-Upgrade

Das sind die Schwächen von Spider-Man: Miles Morales 

  • Klischeehafte Story
  • Repetitives Missionsdesign
  • Stellenweise vor Icons überladene Map
  • Ständige Anrufe/Funksprüche/Beschallung vor, während und nach Missionen
Marvel's Spider-Man: Miles Morales - [PlayStation 4]

Marvel's Spider-Man: Miles Morales - [PlayStation 4]

Eigenständige Story mit Klischees

Bevor ihr euch für einen der vier Schwierigkeitsgrade entscheidet, könnt ihr euch eine Zusammenfassung der Ereignisse aus dem Vorgänger anschauen.

Seinen Polizisten-Vater verliert Miles bei einem Bombenanschlag auf das Rathaus. Danach sind Peter Parker und dessen Tante May für Miles da. Letztere kennt sogar Peters Geheimnis und, wie es der Zufall so will, fängt sich Miles einen Spinnenbiss ein, der ihm übermenschliche Fähigkeiten verleiht. In Bezug auf die Handlung und das „Opfer“ Miles wirkt der Biss aber einfach nur erzwungen und obligatorisch.

Schnell ist klar, dass am nahenden Unheil New York Citys mehrere Parteien beteiligt sind. Und zwar klischeehaft. Da wäre der zwielichtige Energie-Tech-Konzern Roxxon mit seinem Oberhaupt Simon Krieger, der eine neue Energieform names „Nuform“ hat entwickeln lassen, die man nicht nur zum eigentlichen Zweck einsetzen kann. Als erbitterter Gegner erweist sich die Gruppierung „The Underground“ mit einer weiblichen Anführerin. Zwischen diesen Fronten agiert ihr als Miles, dessen Mutter am Rande Stadtrat werden will. Ganz schön was los also.

Weite Wege machen Spaß

Wie im Vorgänger zeigt euch die Map eure nächste Hauptmission in Manhattan an – auf dieser Insel New Yorks spielt sich alles ab. Zum nächsten Einsatz schwingt ihr euch elegant an euren Spinnenfäden von Wolkenkratzer zu Wolkenkrater. Das beherrscht ihr sehr schnell sehr gut und könnt auch ganze Häuserfassaden hinaufrennen oder auf Wunsch in der Luft unterschiedliche Tricks einbauen. Auch wenn das Umherschwingen niemals langweilig wird, aufgrund der genauen Steuerung und der dabei stetig aufblühenden Befriedigung, könnt ihr später eine Schnellreise-Funktion via U-Bahn nutzen.

Gerade zu Beginn geht es in den Missionen Schlag auf Schlag: vom Ritt auf Bösewicht Rhino durch ein Einkaufszentrum über eine Verfolgungsjagd mit einem Hubschrauber bis hin zum Infiltrieren einer gegnerischen Basis.

Zwei Vorgehensweisen gegen Bösewichter

Aufgrund der überdurchschnittlich hohen Gegnerdichte haben laute und leise Vorgehensweisen jeweils ihre Tücken. Tretet ihr gegen 15 Gegner gleichzeitig im Kampf an, ist das je nach Schwierigkeitsgrad aufgrund der schieren Masse und der unterschiedlichen Gegnertypen wirklich herausfordernd. Dank eurer zahlreichen Fähigkeiten könnt ihr mit euren Spinnenfäden Gegner entwaffnen, ausweichen oder in die Luft schleudern. Das dient der Spielspaß-Potenzierung. Dagegen ist die Kamera in den Kämpfen oftmals das Gegenteil von hilfreich. In der Hektik des Gefechts verliert diese und damit auch ihr häufiger den Überblick.

Wer taktischer und vorsichtiger vorgehen möchte, bewegt sich ungesehen an Wand, Decke, auf Stahlträgern oder Lampen. Von oben könnt ihr die Gegner per Takedown heimlich still und leise der Reihe nach ausschalten. Einfach in ein Spinnennetz gewickelt und unter die Decke gehangen. Fertig. Funktioniert super und fühlt sich überlegen an, dauert aber im Vergleich zur „Hau-drauf-Methode“ bedeutend länger. Eine Mission hat so eine Stunde am Stück gedauert.

Auf Dauer eintöniger Missionsablauf

Auch wenn sich das alles nach viel Abwechslung anhört: Auf Dauer und im Kern wiederholt sich die Missionsstruktur. Immer wieder geht es krabbelnd durch Lüftungsschächte zum nächsten mit Gegnern befüllten Raum. Immer wieder müsst ihr Generatoren anschalten oder abschalten. Immer wieder spielt ihr Aufgaben, die ihr schon zigmal woanders gespielt habt. Ein Beispiel? In einer Mission übernimmt eine Verbündete das Hacken einer Sicherheitstür. In der Zwischenzeit müsst ihr einen Gegner nach dem anderen ausschalten. Das ist zugleich der größte Kritikpunkt am Spiel: die repetitiven Missionsabläufe, sobald Gegner im Spiel sind. Und die sind in nahezu jeder Mission mit von der Partie.

Was komplett neu ist, ist eure Venom-Power. Diese lädt sich im Kampf auf und ihr könnt dann mächtige, weil bio-elektrische Faustschläge abgeben. Deren Einsatz bietet sich in den immer wieder eingestreuten Bosskämpfen an.

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Wer dagegen unentdeckt vorgehen möchte, für den ist die im Vergleich zum Vorgänger vereinfachte Fähigkeit Unsichtbarkeit interessant. Auf Knopfdruck seid ihr urplötzlich in jeder Situation für nahezu jeden Gegnertyp unsichtbar. Das bleibt ihr selbst dann, wenn ihr entdeckt wurdet. Beide Fähigkeiten und auch eure normalen Kampfmanöver könnt ihr im Fähigkeitenbaum mit in Missionen erworbenen Skill-Punkten verbessern und neue Moves dazulernen. Daneben könnt ihr auch von Peter Parker in New York verteilte Hologramm-Training-Sessions absolvieren und eure Kampf- oder Netzschwung-Künste verbessern.

Praktische Spidey-App

Nebenmissionen und Verbrecher-Aktivitäten zeigt euch die neu hinzugekommene Smartphone-App an. Meistert ihr diese Herausforderungen, erhaltet ihr Tech-Punkte und Aktivitätspunkte, mit denen ihr euch neue Anzüge oder verbesserbare Gadgets freischalten könnt. Die Anzüge sehen schick aus und bieten euch durch Modifikationen Vorteile im Kampf, wenn sie euch zum Beispiel mehr Schaden aushalten lassen. Und die im Vergleich zum Vorgänger neuen Gadgets erleichtern euch gegen Bösewichter ebenfalls das Leben. Ihr könnt einfach mal zwei „Spider-Man“-Hologramme auf die Gegner hetzen und diese besiegen lassen.

Die immer wieder auch mal vorkommenden und spielerischen Wechsel zum Normalo-Miles sind eine gelungene Abwechslung zum Superhelden-Dasein. Mal seid ihr auf einem kleinen Straßenfest unterwegs, mal verbringt ihr mit eurer Familie den Weihnachtsabend.

Fazit

Im Vorfeld habe ich mir häufig die Frage gestellt, was Spider-Man: Miles Morales genau ist. Nach dem Spielen kann ich sagen: im Gesamten zunächst einmal ein kurzweiliges, unterhaltsames Open-World-Superhelden-Action-Adventure.

Es macht einfach schon unheimlich viel Bock, sich in schwindelerregender Höhe von Hochhaus zu Hochhaus zu schwingen. Oder den Ausblick von der Antenne des Empire State Buildings über das nun verschneite New York auf sich wirken zu lassen. Das detaillierte grafische und atmosphärische Grundgerüst des Vorgängers hat zwei Jahre später an nichts eingebüßt. Es beeindruckt nach wie vor, nun eben auch mit Schneelandschaften.

Die Neuerungen wie die Venom-Power, die überarbeitete Stealth-Mechanik und die neuen Gadgets und Anzüge sowie die Nebenmissionen-App sind sinnvoll, hilfreich und unterhaltsam.

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Jedoch haben mich die stellenweise unübersichtliche Kamera und die repetitiven Missionsabläufe sehr gestört. Ich war je nach Mission in wenigen Momenten sogar froh, dass das Spiel ein schnelleres Ende als sein Vorgänger findet. Denn trotz der kürzeren Spieldauer hatte der Vorgänger einfach mehr Aha- und Oha-Momente. Dennoch: Für alte, neue oder sogar gar keine „Spider-Man“-Fans ist dieses Spiel mehr als interessant, weil es unglaublich viel zu tun gibt – in einer Stadt, die niemals schläft.

Wertung

8.3/10
“Spider-Man: Miles Morales ist ein kurzes, unterhaltsames Superhelden-Spiel in offener Spielwelt mit repetitivem Missionsabläufen, aber sinnvollen Detailverbesserungen im Vergleich zum Vorgänger.”