USB-C: Eine Apple-Erfindung? [Meinung]

Ben Miller 30

Den neuen USB-Standard Type-C sollen wir maßgeblich Apple zu verdanken haben, sagt zumindest Tech-Journalist John Gruber.

USB-C: Eine Apple-Erfindung? [Meinung]

John Gruber, seines Zeichens Tech-Journalist und Apple-Blogger Numero Uno mit sehr guten Kontakten zu Apple, lies in der aktuellen Episode des Podcasts The Talk Show eine sehr interessante Randnotiz von der Leine.

So soll Apple die treibende Kraft hinter dem neuen USB-Standard gewesen sein, habe USB-C praktisch erfunden, maßgeblich mitentwickelt und den Antrag bzw. das Konzept dann dem USB-Konsortium übergeben.

Wenn man sich alle bisherigen USB-Typen ansieht und dann zum Vergleich den neuen USB Typ-C, scheint dies durchaus plausibel. Doch hat Apple USB-C wirklich erfunden?

Apple ist kein Mitglied des USB-Konsortiums, der Vereinigung von Unternehmen hinter dem USB-Standard. Im Grunde kann sich aber jedes Unternehmen bei der Weiterentwicklung dieses Industriestandards einbringen. Schließlich soll es ein universeller Standard für alle sein.

Jedoch wird Apple erstmals bei einem neuen USB-Standard und ausgerechnet beim überaus eleganten USB Typ-C, als Mitentwickler gelistet.

Nun, kein mitentwickelndes Unternehmen und Konsortiums-Mitglied behauptet von sich selbst, einen bestimmten Stecker-Typen erfunden zu haben. Das macht man nicht. Man spielt sich bei einem so wichtigen Gemeinschaftsprojekt der Industrie nicht auf und rückt sich selbst auch nicht in den Vordergrund. Außerhalb des Konsortiums sind die Unternehmen zwar Konkurrenten, innerhalb jedoch arbeitet man zusammen.

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Haben wir Apple USB-C zu verdanken? Wahrscheinlich, aus folgenden Gründen:

Erstes war USB bisher ein Graus. Der Standard ist zwar weit verbreitet, weil nun mal sehr wichtige Unternehmen Mitglieder des Konsortiums sind und USB mit ihrem Einfluss durchsetzen konnten.

USB ist bzw. war bis zuletzt aber alles andere als ein eleganter Standard. Unzählige unterschiedliche Stecker für unzählige unterschiedliche Einsatzgebiete und unzählige verschiedene USB-Spezifikationen auch innerhalb einer Typen-Familie, machten USB bis zur Version 3.0 zu einem wirren und verwirrenden Standard.

Ein Blick auf die Wikipedia-Seite über den Universal Serial Bus genügt, um an der Zurechnungsfähigkeit der Konsortium-Mitglieder zweifeln zu lassen. USB 2 Standard A, USB 2 Standard B, USB 3 Standard A, USB 3 Standard B, USB 3 Powered B, USB 2 Mini A, USB 2 Mini B, USB 2 Micro A, USB 2 Micro B, USB 3 Micro A, USB 3 Micro B etc.

Diesem sprichwörtlichen Kabelsalat stehen Apples Stecker-Standards gegenüber.

Firewire war USB weit überlegen, konnte sich aber leider nicht durchsetzen, weil Apple alleine, besonders vor 10-15 Jahren, gegen das übermächtige USB-Konsortium nicht ankommen konnte.

Thunderbolt, entwickelt von Intel und Apple, dürfte mittelfristig vielleicht das gleiche Schicksal wie FireWire ereilen. Es zweifelt aber keiner an der Performanz und dem eleganten Konzept von Thunderbolt.

Lightning muss man wohl nicht weiter erklären. Mal abgesehen davon, dass Apples Lightning proprietär ist, ist Lightning wohl einer der elegantesten Multifunktions-Stecker, die derzeit auf dem Markt sind.

Wer Apple kennt, weiß, dass Apples Ingenieure nichts mehr hassen als sich durch andere in ihrer Entwicklungsarbeit behindern zu lassen. Apple hasst es abhängig von anderen Unternehmen zu sein. Trotzdem müssen Apples Produkte natürlich mit Standards konform sein. Ein MacBook muss über USB verfügen. Es muss sich mit Monitoren von anderen Herstellern verstehen. Man muss Peripherie von anderen Unternehmen an den Mac anstecken können.

Anscheinend war Apple aber so frustriert mit USB, dass man die Sache selbst in die Hand nahm und nach einer besseren Lösung suchte.

Ich persönlich beschäftige mich jetzt schon seit über einem Jahrzehnt jeden Tag mit Apples Firmenpolitik und für mich klingt das so typisch nach Apple, wie es nur sein kann.

Bevor Apple sich mit einem 17 Jahren alten USB-Stecker-Konzept auseinandersetzt und seine Macs um diesen im Grunde veralteten Stecker-Standard herum konzipiert, wird auf den Tisch geklopft und kurzerhand ein besseres USB-Design entwickelt, allein schon um sich nicht durch so etwas wie einer überdimensionierten USB-Buchse behindern zu lassen.

Laut den offiziellen Spezifikationen des neuen USB-Standards, ist Apple nicht alleine für USB-C verantwortlich, hat aber das drittgrößte Team gestellt, hinter Konsortiumsmitglied Intel. Bei so einem wichtigen Standard, der, wie der Name schon sagt, universell sein soll, spielen viel Faktoren eine Rolle, deren Bearbeitung (Power-Management, Controller, etc.) viele Spezialisten von vielen Unternehmen übernehmen. Wenn Apple etwas kann, dann ist es das Design, und damit ist nicht nur das Aussehen eines Gegenstandes gemeint, sondern auch dessen Funktion.

Natürlich will keines der Mitglieder, dass ein einzelnes Unternehmen, und schon gar nicht Apple, welches zudem noch nicht einmal Mitglied ist, allein die Lorbeeren für einen Standard kassiert, der besser ist als all das, was das gesamte Konsortium in den letzten 17 Jahren auf die Beine gestellt hat.

Zweitens will Apple dünnere, leichtere und bessere Geräte bauen, wie jedes andere Unternehmen eigentlich auch. Das funktioniert aber nicht, wenn Industriestandards, die man unterstützen muss oder zumindest sollte, veraltet und/oder schlecht konzipiert sind und Apple beim Erreichen seiner Ziele behindern. In diesen Belangen ist Apple rücksichtslos.

Das große Problem des USB-Konsortiums war bis jetzt, dass es sich in den 17 Jahren nie getraut hat, einen klaren Schnitt zu setzen. Jedes neue Stecker-Design musste mit allen vorhergehenden Generationen kompatibel sein, was schlussendlich in den abstrusen Stecker-Designs von USB 3.0 resultierte.

Während Apples Konkurrenz sogar noch 28 Jahre alte VGA-Buchsen in ihre Ultrabooks verbaut, scheut Apple bekanntlich nicht davor zurück, Technologien, die ihren Zenit überschritten haben, aus seinen Produkten zu entfernen und dafür auf neue Pferde zu setzen.

So hat es Apple damals mit den Floppy-Disk-Laufwerken gemacht. Ebenso mit den DVD-Laufwerken (man erinnere sich an das Gejammer 2008, als Apple das erste MacBook Air vorgestellt hat, welches ohne Superdrive daherkam). Auch das eigene Firewire ließ Apple fallen, zugunsten von Thunderbolt. Adobe Flash ist ein weiteres Beispiel.

„Death is very likely the single best invention of life. It is life’s change agent. It clears out the old to make way for the new.“ – dieses Zitat von Steve Jobs aus 2005 lässt sich auch auf Technologie anwenden. Man muss alte Technologien sterben lassen, damit sich neue, bessere Technologien durchsetzen können.

Drittens ist Apple das erfolgreichste Unternehmen der Welt. Auch steigt der Absatz von Macs kontinuierlich, während jener von PCs seit Jahren sinkt. Apple muss offensichtlich vieles richtig machen. Das weiß natürlich auch die Konkurrenz, die sich mehr oder weniger stark am Branchenprimus orientiert. Wenn also Apple mit einem neuen und besseren USB-Konzept um die Ecke kommt und es der Konkurrenz zur Verfügung stellt, warum würde die Konkurrenz dann nicht auf den Zug aufspringen wollen? Wenn ich HP wäre, würde ich jeden Strohhalm dankend annehmen, besonders wenn er von Apple kommt.

Am Ende vom Tag ist aber nicht wichtig, wer USB-C erfunden hat, sondern nur, dass die Big Player der Industrie den neuen Standard auch konsequent pushen.

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