„Doomscrolling“ – fast jeder macht es, doch den Begriff selbst kennen nur die wenigsten. Es handelt sich um ein Verhalten, das der Psyche unbewusst schadet. Erfahrt hier, was „Doomscrolling“ bedeutet und wie es sich vermeiden lässt.

 
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Der Begriff setzt sich aus den englischen Wörtern „doom“ (auf Deutsch „Untergang“, „Verderben“, „verdammen“) und „scrollen“, also den „Bildschirminhalt (nach unten) verschieben“ zusammen. Seltener wird auch der Ausdruck „doomsurfing“ benutzt.

„Doomscrolling“: Was bedeutet das?

Dahinter steckt das Verhalten, soziale Netzwerke oder Nachrichten-Apps regelmäßig nach Meldungen „durchzuscrollen“, ganz gleich, wie schlecht und niederschmetternd die Nachrichten dort sind. In der jüngeren Vergangenheit betraf das vor allem Meldungen hinsichtlich der Corona-Pandemie, aktuell geht es vor allem um Inhalte zur Ukraine-Krise. Ganz gleich also, wie sehr man von den Nachrichtenmeldungen heruntergezogen wird, man legt das Smartphone nicht zur Seite, sondern taucht sogar noch weiter in die schlechten Nachrichten hinein.

Das Handy bietet dabei eine leichte Versuchung, schließlich sind soziale Medien und Nachrichtenportale voll mit negativen Nachrichten. Ausgeklügelte Algorithmen in der „Google News“-App, dem Facebook-Feed und anderen Stellen werten das eigene Leseverhalten aus und schreiben einem ein erhöhtes Interesse zu den Themen mit negativen Inhalten zu. Entsprechend bekommt man zukünftig noch mehr Meldungen aus diesem Bereich angezeigt. Je nach Bubble bei Twitter und anderen sozialen Netzwerken werden zudem vermehrt besorgte Inhalte von Nutzern, denen man folgt, gepostet. Da die Feeds in der Regel endlos sind, kann man hier mehr und mehr versinken und sich in die mentale „Verdammnis“ scrollen.

Für das „Doomscrolling“ sind aber nicht lediglich Algorithmen und Apps verantwortlich, sondern auch die menschliche Psyche an sich. So ist das menschliche Hirn leichter empfänglich für Negatives als für angenehme Nachrichten. Dahinter steckt ein Steinzeitmechanismus, wonach das Gehirn evolutionsbedingt schnell auf Negatives reagieren soll, um Bedrohungen zu vermeiden. Versinkt man aber zu sehr in schlechten Nachrichten, wirkt sich das negativ auf die Psyche aus. Eine schlechte Stimmung, Angstgefühle und Unsicherheit sind die Folgen.

Was tun gegen „Doomscrolling“?

Wie aber entkommt man dem „Doomscrolling“? Natürlich bringt es einem auch nicht viel, wenn man die Augen verschließt und versucht, jegliche Nachrichten in der Welt zu vermeiden. Man sollte aber sein Verhalten reflektieren und überlegen, ob das unendliche Scrollen und Scannen nach negativen Nachrichten einen wirklich weiterbringt oder ob man den Punkt der Informationsbeschaffung schon längst überschritten hat. Einige Tipps helfen, mit dem „verdammten Scrollen“ besser umzugehen:

  • Setzt euch feste Uhrzeiten und Zeitspannen von zum Beispiel von 10 Minuten am Tag, an denen ihr Nachrichten lest. Lasst die Nachrichten-Apps darüber hinaus aus. Deaktiviert auch die Push-Benachrichtigungen von Upday, Google News und Co. Früher haben die Menschen auch nur Nachrichten um 20:00 Uhr in der Tagesschau verfolgt und waren vermutlich nicht weniger informiert und vor allem nicht unglücklicher.
  • Überlegt, ob ihr wirklich eure Zeit in sozialen Netzwerken verbringen wollt. Checkt, ob die Nutzer und Quellen, denen ihr folgt, euch wirklich weiterbringen oder lediglich herunterziehen.
  • Sprecht mehr mit anderen Leuten im „echten“ Leben. Diskussionen in sozialen Netzwerken sind meist wenig zielführend, „echte“ Gespräche können hingegen befreiend wirken.
  • Lasst euren Tagesablauf und eure Stimmung nicht vom Smartphone bestimmen. Investiert die Zeit, die ihr sonst für das Verschlingen destruktiver Nachrichten verbringt, in was Unterhaltsames wie Sport. An anderer Stelle geben wir euch Tipps für das „Digitale Detoxing“, falls es euch schwerfällt, das Smartphone zur Seite zu legen.
  • Werft einen Blick auf die Seite „Good News“. Hier könnt ihr euch eure tägliche/stündliche Ration an News abholen, allerdings beschränkt sich das Portal auf Meldungen mit positivem Inhalt.

Falls ihr euch generell niedergeschlagen und traurig fühlt und schlechte Gedanken euch dauerhaft herunterziehen, scheut euch nicht, Hilfe in Anspruch zu nehmen, etwa bei der „Nummer gegen Kummer“ oder bei einer anderen Beratungsstelle.

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