Ende 2020 wurde es angekündigt, dann startete es zunächst in den USA, jetzt ist es auch bei uns verfügbar: Das Google-VPN. Allerdings darf es nicht jeder nutzen und es hat ein paar deutliche Schwächen gegenüber der Konkurrenz. GIGA sagt euch, wie ihr das Google VPN aktivieren könnt und wo die Vor- und Nachteile gegenüber anderen Anbietern liegen.

Nicht jeder kann das Google-VPN nutzen. Zum einen gibt es das Angebot nur für Android-Smartphones. Zum anderen nur für Nutzer des Cloud-Speicher-Angebots „Google One“. Doch das sind nicht die einzigen Gründe, die für alternative VPN-Anbieter sprechen.

Robert erklärt euch, warum man eigentlich kein VPN braucht:

Warum du (k)ein VPN brauchst – TECHfacts Abonniere uns
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Google-VPN: Was ist gut und was nicht?

  • Wer Google One nutzt, wird sich über das Angebot freuen. Es ist nämlich eine der „Dreingaben“ dieses Speicherdienstes, die man kostenlos dazu bekommt. Allerdings nicht jeder. Die „billigen“ Pakete von 100 oder 200 GB müssen auf das VPN verzichten. Erst wenn man mindestens 2 TB Speicherplatz gemietet hat, kann man das Google-VPN auch aktivieren.
  • Bei der Nutzung des Google-VPN wird eure reale IP verborgen. Ihr könnt also damit anonym surfen.
  • Apple-User müssen „draußen bleiben“. Obwohl es die Google-One-App fürs iPhone und iPad gibt, findet keine Integration des Google-VPN in die App statt. Vermutlich gibt es dafür technische Gründe, die in Apples Restriktionen für Netzwerkzugriffe zu finden sind.
  • Es gibt keine spezielle App für das Google-VPN. Stattdessen wird es in die Google-One-App integriert. Dementsprechend gering sind die Einstellungsmöglichkeiten.
  • An, Aus und Killswitch – das war's. Ihr könnt das VPN in der App an- und ausschalten beziehungsweise einen Schalter in die Schnelleinstellungen legen. Ansonsten lässt sich nur noch eine Sicherung aktivieren, die den Internetzugang sofort sperrt, sobald das VPN aus irgendwelchen Gründen deaktiviert wird.
  • Allerdings könnt ihr einzelnen Apps gestatten, das VPN zu umgehen. Das kann nötig sein, um etwa in einem Firmennetzwerk zu arbeiten oder auf Seiten zu kommen, die bestimmte IP-Bereiche voraussetzen.
  • Leider kann man den VPN-Standort nicht auswählen, er wird automatisch vergeben. Vermutlich werden immer Server in dem Land gewählt, in dem man sich gerade befindet. Das ist gut für die Geschwindigkeit, hilft aber nicht dabei, etwa Landessperren zu umgehen.

Im Vergleich mit kommerziellen VPN-Anbietern hat die Lösung von Google also deutliche Schwächen. Betrachtet man es jedoch vor dem Hintergrund einer Sicherheitslösung als kostenlose Dreingabe, ist es eigentlich völlig ausreichend. Allerdings braucht man dann mindestens das 2-TB-Paket von Google One, das pro Monat 9,99 € oder im Jahr 99,99 € kostet.

Wie wird das VPN von Google aktiviert?

  • Das Google-VPN ist Teil der App Google One. Bei der ersten Einrichtung findet ihr das VPN unter dem Reiter „Vorteile“, indem ihr dort auf „Details ansehen“ tippt.
  • Sobald man dort den Schalter „VPN aktivieren“ einschaltet, wird es gestartet.
  • Darunter befindet sich nun der Button „Einstellungen ansehen“, mit dem ihr in ein simples Einstellungsmenü kommt, das nur zwei Optionen hat: „Internetzugang sperren, wenn das VPN deaktiviert wird“ und „Apps erlauben, das VPN zu umgehen“.

Wenn das Google VPN genutzt wird, könnt ihr ein Symbol zum schnellen Aktivieren und Deaktivieren in die Schnelleinstellungen ziehen, die man sieht, wenn man den Finger vom oberen Bildschirmrand nach unten wischt. Während es aktiv ist, könnt ihr das Google-VPN auch jederzeit für 5 Minuten pausieren, indem ihr die VPN-Benachrichtigung öffnet.

Wie sicher ist Google-VPN?

Wenn man davon redet, wie sicher das Google-VPN ist, spricht man natürlich über zwei unterschiedliche Bereiche:

  1. Ist das VPN von Google sicher genug, dass ich auch im Ausland damit ohne Sorgen Bankgeschäfte durchführen, chatten oder sichere Mails versenden kann?
  2. Wie sicher ist der Datenschutz? Kann Google jetzt alles mitkriegen, was ich im Internet mache?

Zu Frage 1 ist zu sagen, dass Google zwar keine speziellen abgehärteten VPN-Protokolle bietet, aber bei der Eigenentwicklung verspricht, höchste Sicherheitsstandards einzuhalten. Zur Überprüfung ist der Client Open Source und Google hat das System auch von Sicherheitsdienstleistern auditieren lassen.

Bei der Frage 2 verspricht Google, dass es nur geringfügige Aufzeichnungen gibt, die für die Aufrechterhaltung der Protokolle nötig sind. Hingegen werden weder der Netzwerkverkehr, die aufgerufenen Seiten und Dienste, noch die damit verbundene reale IP protokolliert. Der entsprechende Bericht zur Datensicherheit bestätigt Googles Behauptungen.

Das hört sich gut an und nun steht der Nutzer vor demselben Problem, wie bei absolut jedem anderen VPN-Anbieter auch: Man glaubt die Behauptungen oder glaubt sie nicht.

Wie schnell ist das Google-VPN?

Natürlich ist ein VPN in der Regel langsamer die direkte Verbindung. Schließlich wird jede Abfrage über ein anderes Netzwerk umgeleitet. In unseren Tests hat sich allerdings ergeben, dass der Unterschied in den durchschnittlichen LTE-Netzen marginal ist und bestenfalls in schnellen WLANs auffällt.

Zum Vergleich ein paar Testwerte, die natürlich nicht repräsentativ sind, sondern nur eine ungefähre Vorstellung über die Geschwindigkeit des Google-VPN geben sollen. Die Verbindung lief dabei entweder über Vodafone, ein Telekom-WLAN oder deutsche Google-Server.

Verbindung Geschwindigkeit / Ping
Telekom-WLAN (250 Mbit) Pur: 210 Mbps / 16 ms
Google-VPN: 120 Mbps / 29 ms
Vodafone (LTE) Pur: 49 Mbps / 52 ms
Google-VPN: 43 Mbps / 66 ms

In einem schnellen WLAN ist der Geschwindigkeitsverlust deutlich sichtbar. Allerdings reicht ein Tempo von 120 Mbps auf dem Handy für alle Zwecke aus, bei denen man ein VPN einsetzen will. Unterwegs ist der Unterschied kaum noch zu merken und bestenfalls beim Upload beziehungsweise Ping macht sich das VPN wirklich bemerkbar.

Privates Fazit zum Google-VPN

Als Nutzer der Google-Cloud kann ich auch das Google-VPN aktivieren. Das werde ich aber im alltäglichen Gebrauch nicht tun, weil ich persönlich dieses Sicherheits-Level nicht benötige und etwa für Bankgeschäfte Apps nutze, die ohnehin eine Verschlüsselung von Ende-zu-Ende garantieren.

Weswegen ich es aber vor allem nicht nutzen werde, ist die „VPN-Exklusivität“: Ich kann nicht zwei VPN zur selben Zeit nutzen und da ich die Werbung auf meinem Handy blocke, indem ich „Blokada“ aktiviere, scheidet das Google-VPN als Alltagslösung aus. Und was immer auch Google seinem VPN in Zukunft noch an Zusatzfunktionen spendieren wird... das Blockieren von Google-Werbung wird sicher nie dazugehören.

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