Totgesagte leben länger – auf kaum ein Unternehmen trifft das alte Sprichwort besser zu als auf Huawei. Im Jahr 2021 von vielen bereits abgeschrieben, beginnt kurz darauf das atemberaubende Comeback der Chinesen. Zeit für einen Blick zurück in die Zukunft.

Manchmal spielt das Leben schon kuriose Streiche, das gilt für Personen wie Unternehmen. Der ehemalige US-Präsident Donald Trump besiegelte mit einem Fingerstreich beinahe das Schicksal des chinesischen Elektronikgiganten Huawei, legte dabei aber den Grundstein für den Aufstieg zum wertvollsten Elektronikkonzern der Welt. Was liegt da also näher, als am heutigen 15. Mai 2042 einen Rückblick auf die ereignisreiche Geschichte von Huawei zu werfen, mit all ihren Höhen und Tiefen?

Themenwoche Zukunft auf GIGA

Ja, das ist ein Beitrag über das Jahr 2042. Nein, ihr habt keine Zeitreise gemacht. Dieser Beitrag gehört zur Themenwoche „Die Zukunft im Jahr 2042“ auf GIGA, in der wir unser Millennium um 21 Jahre weiterdrehen und euch zeigen, wie die Tech- und Gaming-Welt im Jahr 2042 aussehen könnte.

Sämtliche Beiträge dieser Themenwoche findet ihr in unserem Special zum Jahr 2042.

2019: US-Präsident Donald Trump setzt Huawei am 15. Mai auf die so genannte „schwarze Liste“. Fortan ist es für Huawei nicht mehr möglich, mit US-amerikanischen Unternehmen Handel zu betreiben.

2021: In nur zwei Jahren hat Huawei einen beispiellosen Absturz erlebt. Die Smartphones der Chinesen, vor den Sanktionen noch echte Kassenschlager, liegen nun wie Blei in den Regalen – ohne Schlüsselkomponenten von US-Firmen und Google-Apps können die Geräte mit denen der Wettbewerber nicht mithalten. Huaweis Marktanteil in Europa beträgt nicht einmal mehr 2 Prozent und auch der Rückhalt im Heimatmarkt bröckelt. Zweifel werden laut, ob Huawei noch eine Zukunft als Smartphone-Hersteller hat.

2022: Nachdem die kommunistische Partei Chinas mit harter Hand gegen den Wildwuchs im einheimischen Tech-Sektor vorgegangen war, wird am 15. Mai ein außerordentlicher Volkskongress einberufen. Dort stellt Präsident Xi Jinping seine „Roter-Drachen“-Offensive vor. Fünf handverlesene Technikkonzerne sollen zu „nationalen Champions“ auf- und ausgebaut werden und die Volksrepublik zum Technologieführer machen. Sie erhalten ein zinsloses Darlehen von umgerechnet 500 Milliarden Euro und weitreichende Sonderrechte. Huawei gehört zum Fünfer-Club und ist für Software und Hardware verantwortlich.

Was sich sonst noch getan haben könnte im Jahr 2042, zeigen wir euch in der Spezial-Ausgabe unserer GIGA Headlines:

Die EU zieht den Stecker, das IKEA-Phone kommt und 35 Jahre iPhone – GIGA Headlines 2042 Abonniere uns
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Konkurrent für Android und iOS: Huaweis neues Betriebssystem

2024: Auf Geheiß Pekings müssen alle chinesischen Smartphone-Hersteller auf das neue „FuxiOS“ wechseln, das von Huawei entwickelt wird. Der Nachfolger von HarmonyOS wird mit einem Schlag zum meistgenutzten mobilen Betriebssystem der Welt. In weniger als 24 Monaten kann FuxiOS, dessen Name eine Hommage an den ersten chinesischen Urkaiser ist, die App-Lücke zu Android und iOS schließen. Zähneknirschend bringt selbst Google seine Apps auf FuxiOS, um die eigenen Werbeeinnahmen nicht zu gefährden.

2026: Nach zähen Verhandlungen schließen die USA und China ein neues Freihandelsabkommen. US-Präsident Ron DeSantis nimmt Huawei von der „schwarzen Liste“.

2027: FuxiOS 2.0 wird vorgestellt. Neben Smartphones und Tablets läuft das Betriebssystem nun auch auf einer Reihe von Haushaltsgeräten – vom Backofen bis zur Zahnbürste. FuxiOS 2.0 soll die „Welt miteinander verbinden“, wie Huawei-Manager Richard Yu stolz verkündet.

2028: Im Alter von 84 Jahren zieht sich Huawei-Gründer Ren Zhengfei endgültig aus dem Konzern zurück. Zu seinem Abschied ehrt ihn Staatspräsident Xi Zhengfei als „großen Chinesen“, der sich um Partei und Vaterland verdient gemacht habe. Neuer Huawei-CEO wird Meng Wanzhou, die Tochter von Ren Zhengfei, die bisher für die Finanzen des Konzerns zuständig war.

Smarte Kontaktlinsen: Lösen sie in Zukunft die Smartphones ab? Bild: GettyImages / artursfoto

Smarte Kontaktlinsen: Huawei toppt Apple

2029: Huawei kommt Apple zuvor und präsentiert intelligente Kontaktlinsen: Die „Huawei Lenses“, so der Name, projizieren ein Bild direkt ins Auge. Die Kontaktlinsen bieten eine Akkulaufzeit von 2 Tagen und laufen auf einer angepassten Variante von FuxiOS.

2030: Gegen den erbitterten Widerstand der Gewerkschaften übernimmt Huawei den deutschen Traditionskonzern Siemens. Der Kaufpreis liegt bei 120 Milliarden Euro. Damit will sich Huawei im Bereich der Haushaltsgeräte und Medizintechnik besser aufstellen und vom Know-How der Deutschen profitieren. Künftig werden die Produkte unter dem Label „Siemens powered by Huawei“ vertrieben und laufen auf FuxiOS.

2032: Nach jahrelanger Forschungsarbeit und noch vor TSMC und Intel stellt Huaweis Prozessorschmiede HiSilicon den ersten 1-Nanometer-Prozessor vor. Der Chip, der lediglich ein Drittel der Größe einer Briefmarke besitzt, beinhaltet über 500 Milliarden Transistoren und eine neue, dreidimensionale NPU für KI-Aufgaben. Zum zehnten Geburtstag der „Roter Drachen“-Offensive hat Huawei sein Ziel erreicht und die Volksrepublik zum Technologieführer in der Halbleitertechnik gemacht. Zu Ehren des legendären Firmengründers wird der Chip „Zhengfei-1“ genannt.

2033: Unter dem Hashtag #HuaSpy machen Huawei-Nutzer in den sozialen Medien ihrem Ärger Luft. Durch einen Softwarebug im neuen FuxiOS 6 landen Daten von Millionen Menschen im Netz, darunter auch sensible Aufnahmen der neuen Huawei Lenses 2. Huawei-Chefin Meng Wanzhou muss vor dem US-Kongress und dem Datenschutzausschuss der Europäischen Föderation Rede und Antwort stehen.

Tesla Cybertruck
Mit E-Autos wie dem Cybertruck stieg Tesla zum wertvollsten Unternehmen der Welt auf – bis es von Huawei abgelöst wurde. (Bild: Tesla)

Die neue Nummer 1: Huawei löst Tesla ab

2034: Huawei geht an die Börse. Trotz des Datenschutzskandals des Vorjahres entsteht ein echter Run auf die Aktie. Innerhalb weniger Stunden verzehnfacht sich der Ausgabewert auf nun 2.340 Euro. Huawei verdrängt damit Tesla von der Spitze der wertvollsten Unternehmen der Welt.

2036: FuxiOS 7.0 wird vorgestellt. Wichtigste Neuerung ist „Huawei Protect“ – ein intelligenter Datenschutz-Assistent, der auf einer Weiterentwicklung der dreidimensionalen NPU aus dem Zhengfei-1-Chip basiert. Jeder eingehende und ausgehende Datenverkehr wird überwacht und mit Verhaltensmustern des Nutzers abgeglichen. Huawei will damit verlorengegangenes Vertrauen zurückgewinnen. Kritiker werfen Huawei vor, den gläsernen Nutzer zu wollen.

2038: Huawei nimmt das erste kommerzielle 7G-Netz der Welt in Betrieb. Die 150 Millionen Einwohner in der chinesischen Provinz Guangdong sind die ersten, die nun Daten mit einer Geschwindigkeit von bis zu 5 TBit/s herunterladen können. Huaweis jahrzehntelange Erfahrung als Netzwerkausrüster kommt hier zum tragen. Besonders die neuen Huawei Lenses 3 profitieren vom High-Speed-Netz und ermöglichen das Eintauchen in eine realitätsgetreue virtuelle Welt, wie man sie bisher nur aus bekannten Science-Fiction-Klassikern wie Star Trek gekannt hat.

2040: Facebook-Mutter Meta und Huawei verkünden eine folgenschwere Kooperation. Der US-Konzern zieht sich mit seinem Metaverse aus der Volksrepublik zurück und überlässt Huawei den lukrativen Virtual-Reality-Markt. Im Gegenzug erhält Facebook außerhalb von China den Zugriff auf die Huawei-Lenses-Technik.

2042: Mit weltweit 700.000 Mitarbeitern und einem Umsatz von 3,6 Billionen Euro jährlich ist Huawei das wertvollste Unternehmen der Welt. In China gibt es immer mehr Stimmen, die eine Zerschlagung fordern. Die Machthaber in Peking halten sich noch bedeckt. Zu viele Bürger halten Huawei-Aktien, jedes Vorgehen gegen den Konzern würde den Börsenwert drücken und damit den Zorn des Volkes heraufbeschwören. Zunächst soll daher das Kartellamt unter Leitung der neuen Behördenchefin Hao Zhang seine Untersuchungen beenden. Die Ergebnisse sollen, so Zhang in einer ersten Stellungnahme, im kommenden Frühjahr veröffentlicht werden. Vermutlich irgendwann Mitte Mai.