Jeder stirbt allein, nur nicht in Man of Medan – da sind wir zu zweit

Marina Hänsel 5

Zusammen gruseln? Das war schon immer spaßig. Damals etwa, als wir mit Freunden dieses eine Horrorspiel gemeinsam gespielt haben, oder heute – wenn wir uns zusammen den aktuellen Horrorfilm auf Netflix anschauen. Warum also sind fast alle Schocker Singleplayer? Ich weiß es nicht, aber Man of Medan hat trotzdem eine Lösung gefunden, die ich vor ein paar Tagen ausprobieren durfte.

Jeder stirbt allein, nur nicht in Man of Medan – da sind wir zu zweit

Was, das neue Horrorspiel der Until Dawn-Macher ist ein Multiplayer?! Nein, nein – also, irgendwie schon. Aber nein. Du kannst Man of Medan komplett allein durchspielen. Dazu wird dir jedoch auch die Möglichkeit gegeben, gemeinsam mit einem Freund (oder vier) durch das Spiel zu krabbeln. Wie das funktioniert? Ich habe es angespielt, um dir genau das verraten zu können.

Zu zweit allein kann auch schön sein

Supermassive Games haben nicht nur Teen-Slasher Until Dawn auf die Beine gestellt, sondern auch eine der besten VR-Horror-Achterbahnen in unsere Wohnzimmer geworfen – Until Dawn: Rush of Blood. Was sie damit gezeigt haben, ist vor allen Dingen eines: Horror kann und darf durchaus Spaß machen, so verboten es auch klingen mag. Ich habe Until Dawn selbst nie als besonders horrendes Werk voller Grauen und Blut und Angst (meinerseits) wahrgenommen; mehr als unterhaltsamer 90er-Slasher, der uns keineswegs die Freude am Sterben-lassen nehmen will.

Was Supermassiv auch bewiesen hat, ist das Verlangen danach, originelle Ideen in den Horrorschmus der letzten Jahre zu werfen. Und jetzt stelle ich dir eine Frage: Wenn du Until Dawn mit deinem besten Freund oder deiner besten Freundin gemeinsam spielen könntest, würdest du es wollen? Falls ja, dann herzlich willkommen zum Shared-Story-Modus von Man of Medan, der dich mit einer Lieblingsperson deiner Wahl durch das gesamte Spiel schickt. Gemeinsam springt ihr zwischen den Charakteren des Spiels hin und her, werdet Freunde, Feinde oder gar Liebende, die sich mit dem (noch lebendigen) Rest der Gruppe gegen das Grauen auf einem heimgesuchten Weltkriegsfrachter erwehren müssen.

Die Prämisse des Spiels ist der von Until Dawn recht ähnlich: Da ist eine Gruppe von jungen Erwachsenen, alle gespielt von mehr oder weniger bekannten Schauspielern – da sind grauenerregende Monster, ein schauriges Setting auf einem Geisterschiff aus dem Zweiten Weltkrieg, und schließlich: Da sind Quick-Time-Events sowie Entscheidungen, die hinter jeder Ecke nur darauf warten, von dir verpatzt zu werden. Falls das passiert, scheint die Geschichte zwar im Großen und Ganzen gleichbleibend voranzuschreiten, dafür können aber alle Charaktere das Zeitliche segnen. Oder keiner – die Wahl liegt ganz bei dir und deinem Können.

Oder genauer gesagt: Solltest du dich nicht im Singleplayer verkriechen, ist es an dir und deinem Partner, das Spiel irgendwie zu überleben. Falls ihr das überhaupt wollt. Hier der schön-schaurige (und recht nasse) Trailer:

The Dark Pictures Anthology – Man of Medan: Don’t Play Alone Trailer.

„Du hast nicht wirklich gerade das Quick-Time-Event verpatzt und uns beide umgebracht, oder?“

 – Uh … vielleicht doch? Man of Medans Shared Story-Modus birgt nicht nur großes Streitpotential unter Freunden, es sorgte auch schon in meiner kurzen Anspielzeit für mehrere seltsam-faszinierende Situationen. Wie bereits erwähnt, wechseln beide Spieler auch im Online-Koop-Modus die Charaktere. Vor jeder Szene wird dir demnach mitgeteilt, wen Spieler B – nennen wir ihn Bob – übernimmt; ebenso, wie du plötzlich einen anderen Charaktere der Gruppe steuern darfst.

Bob und du müssen nicht unbedingt das Setting teilen. Meinetwegen ist er gerade auf Tauchtour mit seinem Geliebten (keine Metapher), während du Shawn Ashmores Charakter lenkst und mit einem NPCs auf dem Boot flirtest. Was Bob erlebt, wirst du weder sehen noch hören – es gibt keinen Voice-Chat im Spiel, wenngleich du natürlich den PS4-internen Voice-Chat oder TeamSpeak auf dem PC nutzen kannst. Was du und Bob nicht tun solltet. Denn jetzt stell dir eines vor: Die Szene wechselt ebenso wie die Charaktere. Die beiden Protagonisten (von denen Bob eben noch einen gespielt hatte) sind aufgetaucht und zurück auf dem Boot.

Dann überwältigen euch plötzlich Piraten.

Bobs Charakter wird geknebelt im Unterdeck festgehalten, während du vom Piratenkapitän an Deck ausgefragt wirfst. Das Spiel will wissen, ob du dich wehren willst – du sagst ja und spuckst dem ekligen Kerl ins Gesicht. Am oberen rechten Rand erscheint derweil die Nachricht „Bob trifft gerade eine Entscheidung“. Deine Hand zuckt nach der Waffe, du greifst sie dir und triffst alle Quick-Time-Events, sodass du den Kapitän tatsächlich überwältigen kannst – Puh! Und wieder, „Bob trifft eine Entscheidung.“ Was verdammt zur Hölle tut er da?

Zum Glück musst du nicht allzu lang rätseln, denn auch Bob hat alle (oder fast alle) Quick-Time-Events getroffen und konnte sich befreien. Mit einem anderen Mitglied der Piratenbande im Schlepptau steuert er seinen Charakter an Deck, zu dir – und ihr steht euch gegenüber. Der Piratenkapitän droht, euch alle umzubringen und dann fragt dich das Spiel zuckersüß, „Willst du nachgeben und die Waffe senken oder die Piraten weiterhin bedrohen?“ Ohne Frage darf Bob dieselbe Entscheidung treffen, doch oh oh – was wird er tun? Wird er dich im Stich lassen? Wird er sich ergeben? Werdet ihr alle sterben, wenn ihr nicht dieselbe Entscheidung trefft? Vielleicht. Und das, meine Lieben, ist das Tolle am Shared Story-Modus.

Wie das Ganze aussieht? Sieh dir selbst an, wie du und Bob gleichzeitig durch das Spiel schleichen können:

Man of Medan: So sieht der Multiplayer-Modus im Horrorspiel aus.

Ist das noch gruselig?

Ich habe oben ein wenig gelogen. Ich weiß, warum die meisten Horrorspiele nur einen Singleplayer-Modus beinhalten und ich bin sicher, du weißt es auch: Allein gruselt es sich schlimmer als zu zweit. Bob würde dich ja immerhin auch beschützen, wenn das The Ring-Mädchen plötzlich wirklich aus dem Fernseher zu dir krabbeln würde, richtig? Das Gute an Man of Medan ist jedoch, dass es – zumindest soweit ich es anspielen durfte – nicht wirklich darauf setzt, dir einen Herzinfarkt zu bescheren.

Es ist gruselig, brutal und spannend – aber es will weder in die Fußstapfen von Amnesia: The Dark Descent treten noch setzt es auf allzu subtilen Horror, der einzig voll konzentriert genossen werden kann. Ich kann dir nicht sagen, ob der Shared Story-Modus dem Hauptteil des Spiels wirklich das wie-auch-immer-geartete Grauen nehmen würde, da ich nur den Prolog antesten durfte. Etwas anderes kann ich dir (und Bob) dafür versichern: Auf diese Art zusammen zu spielen, wird spannend sein und euch beide in unmögliche Situationen bringen; und allein dafür sollte es sich durchaus lohnen.

Wann erscheint Man of Medan nochmal? Seeeehr bald:

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HORROR: Die besten Gruselspiele, die 2019 und 2020 aus ihrem Grabe kriechen.

Neben dem Zwei-Spieler-Modus und dem Singleplayer bietet Man of Medan noch einen Movie-Night-Modus, bei dem bis zu vier Bobs (dich eingeschlossen) einen der vier Charakter fest durch das Spiel hinweg übernehmen. Ihr spielt nicht gleichzeitig, wie im Shared-Story-Modus, sondern wechselt den Controller brav nacheinander ab. Je nachdem, wie viele Bobs du hast, mag für dich also entweder der Singleplayer, der Zwei-Spieler-Modus oder gar der Movie Night-Couch-Koop in Frage kommen. Die Entscheidung liegt auch hier – wie eigentlich immer im Spiel – bei dir.

The Dark Pictures: Man of Medan erscheint am 30. August 2019 für PC, PS4 und Xbox One. Zudem handelt es sich um den ersten Teil einer Horror-Anthologie; die nächsten Spiele streifen zwar durch das selbe Universum und sollen nicht weniger gruselig werden, bieten aber völlig andere Geschichten mit anderen Charakteren.

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