Ach Microsoft, ich war immer froh, dass du mit diesem ganzen Exklusivspiel-K(r)ampf nicht so viel zu tun hattest. Jetzt steigst du doch wieder in den Ring und obwohl die Chancen dieses Mal gut stehen, finde ich es trotzdem falsch.

 

Xbox Series X

Facts 

„Xbox Console Exklusive“ flimmert es öfter als gewohnt über den Bildschirm während Microsofts E3-Präsentation, ein dumpfer, aber eindringlicher Soundeffekt macht klar: „Leute, das ist superwichtig!“ Wäre die Präsentation vor Live-Publikum gewesen, hätte es der Moderator oder die Moderatorin in einem Extra-Satz verpackt, nicht ohne die genau getimte Kunstpause einzuhalten, damit die Zuschauer im Saal wissen, das ist der Moment für ekstatischen Applaus. Wenn man nicht gerade einen Mobile-Ableger eines berühmten Action-RPGs ankündigt, klappt das mit der ausflippenden Menge auch meistens.

Exklusivspiele sind aber für mich kein Grund für Jubel. Es ist ein Label, das uns deutlich positiver verkauft wird, als es eigentlich ist. Für mich steht hinter jedem „Xbox Console Exklusive“ in Klammern: „Damit schließen wir X Millionen Spieler von diesem Spiel aus.“

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Große Namen auf der Xbox VIP-Liste

Halo Infinite, Forza Horizon 5, Redfall, Stalker 2 und Starfield sind, wie Microsoft es nennt, „das bisher größte Exklusivspiel-Lineup.“ Was die für eine bestimmte Konsole exklusiven Spiele angeht, hat Sony bisher immer die Nase vorne gehabt. Der „Konsolenkrieg“, wie die Konkurrenz zwischen Xbox und PlayStation genannt wird, war häufig geprägt von Argumentationen über die besseren Exklusivspiele. Den Punkt entschied Sony für sich, Microsoft hat zwar versucht mitzuhalten, klappen wollte das aber nie so richtig.

Für mich hat dieser Umstand die Xbox immer sehr sympathisch gemacht. Es schien in den letzten Jahren fast so, als würde sich Microsoft damit nicht mehr so wirklich beschäftigen und das mochte ich. Exklusivspiele schließen Leute aus, sie verkleinern Communitys und können sogar schlecht fürs Geschäft sein.

Eigentlich teilte Xbox-Chef Phil Spencer sogar diese Ansicht. Im Juli 2020 erklärte er in einem Interview mit GamesIndustry, dass es nicht um ein spezielles Gerät für die Videospieleindustrie gehen soll, sondern um den Spieler. Er sagte: „Gaming sei größer als das.“ Es sei für ihn sogar ein Gegensatz zu Gaming, Spieler durch ein bestimmtes Gerät von Spielen auszuschließen. Einen Bethesda-Kauf später scheint das aber nicht mehr so aktuell zu sein. Wer neu in der Videospielindustrie ist, könnte fast enttäuscht sein.

Exklusivspiele können sogar schaden

Wer eine Konsole nur wegen einiger Exklusivspiele kauft, ist für den Hersteller nicht mal ein guter Kunde. Die Anzahl an verkauften Konsolen ist für Hersteller und ihre Umsatzerwartungen nur bedingt von Bedeutung. Worauf es am Ende ankommt, sind die Spiele und Services, die ein Spieler nutzt, denn daran wird verdient und nicht an den Konsolenverkäufen. Wer also eine PS5 kauft und über die Jahre ein Dutzend Exklusivspiele kauft, ist kein besonders zahlungskräftiger Kunde für Sony.

Exklusivspieler werden meiner Meinung nach gleichermaßen von Herstellern wie Spielern überbewertet. Es geht doch darum, Spieler in das Ökosystem einer Konsole zu ziehen und so lange wie möglich an sich zu binden. Dafür sollte es mehr als ein paar Spiele brauchen.

Exklusivität gefährdet Spiele und Entwickler

Dass viele Spieler durch Plattform-Exklusivität von Spielen ausgeschlossen werden, ist schon schlimm genug, doch manchmal können diese Deals auch negative Auswirkungen auf Spiele und Entwickler haben, nämlich dann, wenn ein Spiel nicht so gut läuft wie erhofft.

Wenn Sony oder Microsoft von einem externen Studio die Vertriebsrechte für ein Spiel einkaufen, schrumpft damit immer auch automatisch die potenzielle Anzahl an Käufern. Für ein Beispiel springen wir gut vier Jahre in die Vergangenheit und zum damals noch nicht erschienenen und eigentlich strickt Xbox-exklusiven Cuphead. Das wurde vom Indie-Entwickler Studio MDHR entwickelt. Die Brüder Chad und Jared Moldenhauer haben damals ihre Jobs gekündigt und ihre Häuser verpfändet nur im Cuphead machen zu können, wie sie im Juni 2017 in einem Interview mit GamesRadar erzählten.

Was nach wahrer Leidenschaft klingt, war das Riskieren der eigenen Lebensgrundlage, für die Hoffnung, auf nur der einen Plattform genügend Erfolg zu haben. Ich kenne natürlich nicht die Vertragsdetails und will nicht mal mutmaßen, ob sie bei einem Misserfolg ernste Probleme gekriegt hätten. Es bringt nur die Frage hervor, ob Exklusivverträge nicht auch ein hohes Risiko sind.

Microsoft weiß doch, wie es besser geht

Eigentlich entwickelt Microsoft sich gerade in eine sehr gute Richtung, wie ich finde. Kürzlich kündigte Microsoft nicht nur 42 Neuzugänge für den Game Pass an, sondern plant auch den eigenen Cloud-Gaming-Service auf der Xbox One zu bringen. Damit können Spieler auch ohne Series X die Spiele und die Qualität der Next-Gen-Konsole erleben. Xbox Cloud Gaming ist Teil des Game Pass Ultimate.

Genau das ist für mich der Weg, Spieler zur Xbox zu holen. Tonnenweise Spiele direkt zum Release, ohne den Bedarf von krasser Hardware. Die Xbox braucht die Exklusivspiele nicht und deshalb war es ein Schritt rückwärts für mich, als bei der E3-Präsentation wieder so viele angekündigt wurden und die Exklusivität so positiv rüberkommen sollte. Ich habe gehofft, die Xbox hätte das hinter sich gelassen.

Über Exklusivspiele ist die Gaming-Welt geteilter Meinung, wie zum Beispiel mein Kollege Gregor von spieletipps.de und ich. In seiner Kolumne verrät er euch, warum er mit Microsofts E3-Präsentation sehr zufrieden war.

Ich verstehe natürlich den Marketing-Aspekt hinter Exklusivspielen und leugne auch nicht ihre Anziehungskraft. Ich bin nur der Meinung, für uns Spieler wäre es besser, nicht mehr zu Jubeln wenn, es heißt „Nur auf Xbox, PlayStation oder wo auch immer.“

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