Marshall MID A.N.C. im Test: Noise-Cancelling-Kopfhörer mit Style und Joystick

Stefan Bubeck

Endlich betritt die für ihre stylischen Bluetooth-Boxen bekannte Marke Marshall die Arena der Kopfhörer mit aktiver Geräuschunterdrückung (ANC). Mit dem kompakten Marshall MID A.N.C. ist den Briten ein sensationelles Debüt gelungen.

Marshall MID A.N.C. im Test: Noise-Cancelling-Kopfhörer mit Style und Joystick
Bildquelle: GIGA.

Marshall MID A.N.C.: Unser Testurteil

Applaus für Marshall! Es kommt nicht alle Tage vor, dass ein Debüt-Produkt so ausgereift wirkt und im Alltag überzeugt. Marshalls Premiere im Bereich Active Noise Cancelling darf mit dem drahtlosen Bluetooth-Kopfhörer „Marshall MID A.N.C.“ als gelungen zusammengefasst werden. Man könnte fast meinen, das Unternehmen hätte hier im Vorfeld schon jahrelang Erfahrung sammeln können.

Besonders ins Auge sticht das coole Design, das abseits von gängigen Sport- oder Business-Looks eigene Akzente setzt und die Firmenhistorie (Gitarrenverstärker, Bühnentechnik) zitiert: Das schwarz gehaltene kompakte Gehäuse ist retro und dennoch modern, die Verarbeitung ist durchweg robust.

Ein kleiner Makel könnte der Tragekomfort sein, denn der On-Ear-Kopfhörer kann diesbezüglich nicht mit superbequemen Over-Ear-Modellen wie dem Bose QC 35 II mithalten. Dazu ist die Auflagefläche der Ohrmuscheln zu klein und der Anpressdruck etwas zu hoch. Wer den MID A.N.C. viele Stunden am Stück tragen möchte, sollte eventuelle Piercings und Brillenbügel berücksichtigen, die sich mit dieser Bauform nicht so gut vertragen.

Der Klang entspricht dem, was das Design suggeriert: Der MID A.N.C. klingt druckvoll und satt, bei Rock und Hip-Hop liefert er eine tolle Vorstellung ab. Die Bässe sitzen straff, die Höhen sind angenehm abgerundet, die Mitten sind leicht zurückgenommen – so kann man auch über längere Zeit hinweg hohe Pegel fahren, wie sich das für bestimmte Musikrichtungen nun mal gehört. Eine Klanglupe für ein Violinenkonzert oder ein Meister der Räumlichkeit ist der Marshall hingegen nicht – was das angeht, hat uns der teurere Bowers & Wilkins PX besser gefallen.

Das Noise-Cancelling ist wirkungsvoll, aber nicht perfekt: Es punktet vor allem im Bassbereich (Motorbrummen), bei Stimmen (schreiendes Baby) dringt allerdings doch noch etwas zuviel durch. Wir haben es ausprobiert: Eine Stunde Inlandsflug lässt sich mit dem MID A.N.C. trotzdem deutlich angenehmer gestalten, als mit einem herkömmlichen Kopfhörer – angesichts des und der kompakten Bauweise ist das zufriedenstellend.

Die Bedienung ist clever: Statt mehrerer Bedienelemente kommt auf der linken Hörmuschel nur ein einziger Button zum Einsatz, der sich wie ein winziger Joystick in vier Richtungen bewegen lässt (Vor/Zurück; Laut/Leise) – wenn man sich einmal daran gewöhnt hat, fragt man sich, warum das nicht öfter so umgesetzt wird. Schade, dass der Akku nicht auf die versprochenen 20 Stunden (mit ANC) kam, bei uns war nach ca. 16 Stunden schon Schluss. Aber vielleicht lag das auch an der Lautstärke während unserer Testläufe – wenn die Bassdrum Druck macht und die Snares fetzen, da dreht man gerne noch etwas mehr auf.

Fazit: Seine wichtigste Aufgabe erfüllt dieser Kopfhörer mit der Routine eines Profis, denn Musikhören macht mit dem pegelfesten Marshall MID A.N.C. einfach Laune.

Marshall MID A.N.C.: Bewertung

  • Klang: 80 Prozent
  • Tragekomfort: 70 Prozent
  • Hardware, Design & Funktionen: 80 Prozent
  • Akku: 80 Prozent

Gesamt: 78 Prozent (der Klang bildet 50 Prozent der Gesamtnote)

Das hat uns gefallen

  • Klang: Die typische Badewannen-Abstimmung (angehobene Bässe + Höhen, abgesenkte Mitten) kommt wie so oft bei Lifestyle-Kopfhörern auch hier zum Einsatz, ist aber bemerkenswert gut gelungen und lässt wichtige Details im Sound nicht untergehen. Vor allem Rock, Pop, Rap, Elektro profitieren davon und werden mit einem Spaßfaktor wiedergegeben, der uns sehr gut gefallen hat. Der Marshall MID A.N.C. unterstützt aptX für hohe Datenraten bei der Musikübertragung.
  • Bedienung: Der „Joystick“ auf der linken Ohrmuschel ist sicherlich Geschmackssache. Uns hat diese minimalistische Lösung für zahlreiche Funktionen sehr gut gefallen – man muss dazu aber einmal auswendig lernen, welche Betätigungsrichtung was auslöst. In der Bedienungsanleitung des Marshall MID A.N.C. (PDF) ist alles erklärt, uns hat ein einmaliges Überfliegen gereicht.
  • Alltaugstauglichkeit: Auch wenn Klang und Tragekomfort nicht an die von Sony und Bose dominierte 350-Euro-Preisklasse heranreichen, kann der Marshall MID A.N.C. im Alltag ordentlich Punkte als täglicher Begleiter sammeln. Denn die gebotene Kombination aus effektivem Noise Cancelling, geringem Gewicht (208 g), kompakten Abmessungen, solider Verarbeitung und ikonischem Design ist für einen Noise-Cancelling-Kopfhörer einzigartig.

Das fanden wir nicht so gut

  • Akku-Ausdauer: Die vom Hersteller angegebenen „über 20 Stunden“ (mit ANC) haben wir nicht ganz erreicht, aber zwei Bürotage inklusive U-Bahn-Fahrt sind auf jeden Fall drin.
  • Klang: Man kann nicht alles haben. Die geschlossene Bauweise und die Badewannen-Abstimmung lassen feine Klassik und dynamischen Jazz etwas eingeengt und glanzlos auftreten. Für den entspannten heimischen Musikgenuss bleiben kabelgebundene offene Kopfhörer hier die bessere Wahl.

Marshall MID A.N.C.: Gut zu wissen

  • Geladen wird der Bluetooth-Kopfhörer per Micro-USB-Anschluss. So langsam könnte man hier auch von Zubehörherstellern den Wechsel auf USB Typ C erwarten, denn fast allen neuen Smartphones machen es seit einiger Zeit schon vor.
  • Das Noise Cancelling lässt sich komfortabel deaktivieren, indem der Schieberegler an der rechten Hörmuschel betätigt wird.
  • Ganz ohne Kopfhörer-Erfahrung steht Marshall beileibe nicht da: Mit dem Marshall Major II Bluetooth hat die Marke einen der beliebtesten Bluetooth-Kopfhörer überhaupt im Programm. Kein Wunder bei dem coolen Rock-n-Roll-Look und . Noise Cancelling ist bei diesem Modell allerdings nicht vorhanden.

Auf Seite 2 vergleichen wir den Marshall MID A.N.C. mit den Alternativen Bose QC 35 II und B&W PX.

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