Wenn jemand sich gegen die Strahlung aus einem WLAN abschirmen will, dann ist oft von Alufolie die Rede. Einige Seiten empfehlen sogar komplette Umbauten und andere versuchen, euch Strahlenschutz-Unterwäsche zu verkaufen. Die meisten solcher Berichte und Warnung sind, auch wenn ihr das vielleicht gar nicht hören wollt, unnötig, nutzlos oder sogar unsinnig. Hier sind die Infos.

 

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Diese 15 Gefahren lauern in öffentlichen WLAN-Netzen

WLAN abschirmen: Ist das sinnvoll?

Völlig unnötig ist es, wenn ihr euren WLAN-Router abschirmen wollt, um der Strahlung zu entgehen. Der Router selbst strahlt nichts ab. Sämtliche Radiostrahlung wird über die Antennen ausgesendet und empfangen. Wenn ihr dort das WLAN abschirmen wollt, dann funktioniert es nicht mehr. Aber falls ihr gar keine WLAN-Strahlung in euren eigenen vier Wänden produzieren wollt, könnt ihr selbst aktiv werden: Deaktiviert das WLAN im Router und in allen WLAN-fähigen Geräten (Handy, Tablet, Smart-TV) eures Haushalts.

Danach könnt ihr nur noch über Netzwerkkabel eine Internetverbindung aufbauen. Ihr benötigt also einen PC, um ins Internet zu gehen und Streaming-Dienste zu nutzen, wenn euer TV-Gerät bzw. eure Set-Top-Box einen Netzwerkkabel-Anschluss hat.

Doch wer sich gegen WLAN-Strahlung abschirmen möchte, fürchtet oft WLAN-Netze der Nachbarn oder der Umwelt – etwa bei einem Stadtbummel.

Die Empfindlichkeit gegenüber Elektrosmog ist ein Krankheitsbild, das es gibt, seit die Menschen Funkwellen nutzen. Es gibt zwar inzwischen Grenzwerte, die vom Bundesamt für Strahlenschutz gesetzt und überwacht werden, aber einen tatsächlichen Nachweis der Schädlichkeit von WLAN-Strahlung gibt es nicht.

Über die Gefahren des WLANs haben wir auch schon geschrieben.

Wer „elektrosensibel“ ist, wird aber sicher jede Menge gegenteiliger Untersuchungen finden und vor allem auch Webseiten, auf denen man ihnen alle möglichen Schutzformen verkaufen will, mit denen sie die Strahlung aus dem WLAN abschirmen können.

Da werden Fensterfolien und Abschirmtapeten angeboten. Ihr bekommt Unterwäsche, Herrenhemden und sogar Kopftücher und Bandanas, die wir eine schickere Form des Aluhuts wirken sollen. Abschirmende Baldachine über dem Bett (für cirka 100 Euro) sollen euren Schlaf sichern. Angeblich werfen diese Stoffe die WLAN-Strahlung „wie ein Spiegel zurück“. WLAN-Strahlung, so heißt es dort, greift „nachweislich in körpereigene Prozesse ein“. Den Nachweis bleibt man allerdings schuldig. Aber ab etwa 300 Euro kann man „Elektrosmog-Messgeräte“ kaufen. Die messen dann beispielsweise die WLAN-Strahlungsleistung der Umgebung – was ihr mit fast jedem WLAN-Gerät (Router, Smartphone) auch machen könnt.

Der Bund Naturschutz (BUND) schreibt deshalb zu dem Thema auf seiner Seite auch „Auf dem Gebiet der Abschirmungen gibt es inzwischen sehr viele Angebote. Leider sind darunter auch Produkte, die nur dem Geldbeutel des Verkäufers nützen.“

Dort wird auch gewarnt, dass die Abschirmung von Handystrahlen das Gegenteil bewirken kann: „Ein Handy regelt die Leistung nach unten, wenn es eine gute Verbindung zur Antenne hat, verursacht dann also automatisch weniger Elektrosmog. Wird es mit Abschirmstoff umhüllt, versucht es mit maximaler Leistung die Antenne zu erreichen. Somit entsteht mehr Elektrosmog.“

Was tun, wenn WLAN-Abschirmung sinnlos oder unmöglich ist?

Ihr könnt zwar nicht wirksam im normalen Leben jegliche WLAN-Strahlung abschirmen, aber ihr könnt die Strahlenbelastung verringern. In der Regel lässt sich an jedem WLAN-Router die Sendeleistung einstellen. Diese Funktion ist speziell dafür gedacht, den Elektrosmog zu verringern. Wenn man ein großes Haus hat und alle Etagen abdecken will, dann ist es sinnvoll, die volle Sendeleistung zu wählen. In einer kleinen Wohnung reicht die niedrigste Einstellung.

Ihr selbst werdet wegen eurer Elektrosensibilität kein WLAN nutzen, aber möglicherweise die Nachbarn.

Hier könnt ihr ansetzen:

  • Untersucht in eurer Wohnung, welche WLAN-Netze ihr in der Umgebung empfangen könnt.
  • Seht dann im Hausflur nach, welches WLAN zu welcher Wohnung gehört, indem ihr die Sendestärke der Netzwerke kontrolliert.
  • Bittet nun die einzelnen Nachbarn, ob sie nicht eventuell die Sendeleistung ihrer Router verringern könnten.

Dabei empfiehlt es sich nicht, dass ich euch auf endlose Diskussionen über Elektrosmog einlasst und eure Nachbarn moralisch unter Druck zu setzen versucht. Argumentiert lieber anders. Sagt ihnen, dass ihr ein schwaches Netzwerk habt, das aus irgendeinem Grund immer durch die umliegenden Netze gestört wird und dass ihr deswegen gar nicht mehr ins Internet kommt. Diese kleine Notlüge wird es wahrscheinlicher machen, dass die Nachbarn euch helfen wollen.

Ihr müsst euch aber darüber im Klaren sein, dass ihr die Nachbarn dazu nicht zwingen könnt. Und ebenso darüber, dass ihr eine Auseinandersetzung darüber nur verlieren könnt!

Außerhalb eurer eigenen vier Wände könnt ihr nur das typische Vermeidungsverhalten an den Tag legen. Geht nicht dorthin, wo es WLAN gibt, das ihr nicht abschirmen könnt. Allerdings werdet ihr dann feststellen, dass ihr in dem Fall realistisch gesehen vom alltäglichen Leben ausgeschlossen seid. Denn Strahlung in jeder Form könnt ihr nicht entkommen. Glühbirnen strahlen Licht in Wellenlängen ab, die theoretisch dem Funkmonopol der Deutschen Post gehören. Überall um euch herum gibt es elektromagnetische Strahlung – schon allein wegen der elektrischen Leitungen in eurer Wand.

Vielleicht interessiert es euch trotzdem, dass bislang keine einzige Untersuchung der Elektrosmog-Warner wissenschaftlichen Ansprüchen auf die Wiederholbarkeit und Beweisbarkeit genügen konnte. Damit bewegen sich all diese Behauptungen auf den gleichen Boden wie die Homöopathie – und von der ist mittlerweile nachgewiesen worden, dass sie zu 100 Prozent auf der Placebo-Wirkung beruht.

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