Vor dem Start von „Better Call Saul“ waren viele Menschen besorgt, die Serie könnte die hohen Erwartungen nach „Breaking Bad“ nicht erfüllen. Wie zufrieden sind Sie bislang mit der Serie und Ihrer Beteiligung?

Ich bin voll und ganz zufrieden. Was mich anbelangt, freue ich mich natürlich, dass ich das Parkwächter-Häuschen verlassen durfte und etwas zu tun bekommen habe. Das war großartig für mich. Und was die Serie anbelangt, die ist genau so, wie sie sein soll. Ich bin sehr zufrieden. Ich glaube, es ist eine gute Serie und das liegt an den guten Autoren, die wir haben. Dann sind da noch die Produzenten. Wir sind einfach reich an guten Leuten, die an der Serie beteiligt sind.

Better Call Saul Mike 2
Mike Ehrmantraut und seine düstere Vergangenheit... © AMC

Die Folge „Five-O“ war deutlich düsterer als die vorherigen Episoden. Ist das ein Problem?

Nun ja, wenn Mike mitspielt, dann gibt es auch eine düstere Komponente. Es gibt auch einen gewissen zynischen Humor. Mike ist aber definitiv eine Figur, die immer ein düsteres Element mitbringt.

Warum ist Mike eigentlich beim Publikum so eine beliebte Figur? Hatten Sie Bedenken, dass „Better Call Saul“ daran etwas ändern könnte?

Ich persönlich liebe das Mysteriöse an Mike. Natürlich hatte ich auch Bedenken, dass die Folge „Five-O“ etwas von dem Geheimnisvollen wegnehmen könnte. Aber ich sage dazu folgendes: Jedes Prequel hat ein eigenes Prequel. Mike war ja kein junger Mann, als er seinen Sohn verloren hat. Es gibt noch andere Dinge in Mikes Leben, die davor geschehen sind. Es wird noch mehr Mysteriöses über Mike auftauchen.

Breaking Bad: Die besten Momente mit Walter White & Co.

Wie hat die Figur Mike Ihr eigenes Leben verändert? Erkennen Sie die Menschen nun häufiger auf der Straße und erwarten sie, dass Sie sich so benehmen wie Mike? Sind sie vielleicht enttäuscht, wenn Sie lächeln?

Genauso ist es. Es hat sich wirklich viel in meinem Leben verändert. Ich meine, ich mache diesen Job seit 48 Jahren und ich würde lügen, wenn die Rolle des Mike mir nicht die meiste Aufmerksamkeit beschert hätte. Und ja, wenn mich Menschen auf der Straße sehen, sagen sie Mike zu mir und ich sehe die Enttäuschung, wenn ich meinen Mund öffne und sie merken, dass ich gar nicht Mike bin. Und ja, dann sind sie enttäuscht. Wenn ich ihnen eine reinhauen würde, wären sie vielleicht zufriedener (lacht).

Haben Sie eine Vorstellung, warum Mike so beliebt ist und was die Zuschauer mit ihm verbinden?

Ich denke, Mike ist ein gebrochener Mann und viele Menschen sind es auch. Wir leben lange und so werden wir alle im Leben auch mal verletzt, auch wenn es wohl bei den meisten nicht so drastisch ausfällt wie bei Mike. Mike ist ein sehr menschlicher Charakter. Er hat immer noch seine Würde und ich denke, er hat auch etwas Sympathisches an sich, weil wir uns in ihm wiedererkennen können. Wir denken an uns selbst und fragen uns, wie wir mit einer Situation umgehen würden, in die Mike gerät und versetzen uns an seine Stelle. Mike geht sehr straight mit allem um und darin liegt auch eine gewisse Einfachheit in seinem Wesen, die Dinge zu sehen. Vielleicht sehnen wir uns in unseren Leben auch manchmal danach, Dinge einfach wie Mike zu regeln. Ich glaube, dass Mike hier einen Nerv trifft und die Menschen sich um Mike sorgen und Mike mögen. Ich für meinen Teil mag Mike jedenfalls sehr gern.

Entdecke den Mike in dir. Welcher Breaking Bad Charakter bist du?

Worin liegt der größte Unterschied zwischen Jonathan Banks und der Figur Mike und was würde Jonathan zu Mike sagen?

Jonathan ist ein viel, viel, viel glücklicherer Mensch als Mike. Er hat nicht den Schmerz und die Tragödien durchleben müssen, die Mike erfahren hat. Jonathan würde Mike übrigens fragen, ob er ihm einen Kaffee kaufen könnte.

In „Five-O“ tritt vielleicht zum ersten Mal die verletzliche Seite von Mike Ehrmantraut in den Vordergrund. Wie fühlt es sich an, sich so zu öffnen?

Das ist genau das, was ich möchte. Eine der großartigen Dinge über Mike ist, dass die Autoren keine Comicfigur aus ihm gemacht haben und er eine Vergangenheit mit vielen verschiedenen Ebenen hat. Wenn jemand so gut für dich schreibt, dann ist es ein Geschenk.

Sie sind 68 Jahre alt und gleichzeitig der furchterregendste Charakter in „Better Call Saul“. Was ist Ihr Geheimnis für ein langes Leben?

Ich habe überhaupt keine Ahnung. Es ist einfach Glück, denke ich. Ich versuche, ein bisschen in Form zu bleiben, aber ein richtiges Geheimnis habe ich nicht. 

Letzte Frage: Glauben Sie, dass das Fernsehen heute besser ist als je zuvor?

Absolut. Ich meine nicht, dass es früher schlecht war in den 1950er Jahren, beispielsweise war „Twilight Zone“ damals wundervoll. Aber es sieht so aus, dass im Hinblick auf das Storytelling und die filmische Umsetzung im Moment die goldene Ära des Fernsehens angebrochen ist.

Und welche Serie gefällt Ihnen im Moment am besten?

„Better Call Saul“! (lacht). Im Moment hole ich gerade einiges nach. Ich habe unlängst „Boardwalk Empire“ zu Ende angesehen, weil ich die Zeit mag, in der die Serie spielt. Und mein guter Freund Shawn Wiggins, der den Bruder gespielt hat, war auch dabei. Ich habe „Boardwalk Empire“ sehr genossen.

Vielen Dank für das Gespräch.

Better Call Saul - Extended Trailer Englisch

Das Interview fand als internationale Telefonkonferenz am 12.03.2015 statt.  „Better Call Saul“ ist derzeit auf Netflix verfügbar. „Breaking Bad“ auf DVD/Blu-ray gibt es bei Amazon.

Breaking Bad-Quiz: Teste dein Wissen über Walter White und Co.

"Breaking Bad" ist eine deiner Lieblingsserien und du kennst dich bestens in Albuquerque aus? Dann kannst du dein Wissen über Walter White und seine Familie, Freunde und vor allem Feinde jetzt testen. Viel Spaß mit unserem Quiz zu "Breaking Bad"!

Hat dir dieser Artikel gefallen? Schreib es uns in die Kommentare oder teile den Artikel. Wir freuen uns auf deine Meinung - und natürlich darfst du uns gerne auf Facebook oder Twitter folgen.