Der Wandel der Automobilbranche hin zum Elektroantrieb ist in vollem Gange. Das zeigt sich aktuell auch auf der internationalen Automobilmesse IAA in München. Doch dem Siegeszug der E-Autos liegt derzeit noch ein massiver Stein im Weg, denn ohne Chips geht praktisch gar nichts.

 

Mercedes Benz

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Wir haben zuletzt öfter von den großen Problemen der Elektroautos berichtet: Vergleichsweise hohe Preise, lückenhafte Ladeinfrastruktur und der CO2-belastete Strommix, um nur einige zu nennen. Doch die Hersteller haben auch mit dem Nachschub einer der wichtigsten Komponenten zu kämpfen: Der Halbleitermangel trifft die Automobilbranche.

BMW und Mercedes: Chipmangel trifft die E-Auto-Produktion

Die Lage bei den Chipproduzenten sei weiterhin kritisch, meinen Experten der Unternehmensberatung PwC (Quelle: Tagesschau). Angesichts von unregelmäßigen, kurzfristigen Produktionsausfällen müsse man die Pläne der Autohersteller hinterfragen, im dritten und vierten Quartal wieder in größerer Stückzahl zu produzieren.

Bei Mercedes (Daimler) und BMW sieht man die Herausforderungen ebenfalls, gibt sich aber optimistisch. „Ich denke, dass die grundsätzliche Anspannung in den Lieferketten die nächsten sechs bis zwölf Monate andauern wird“, erklärte BMW-Chef Oliver Zipse zu Beginn der IAA.

Sein Branchenkollege Ola Källenius, CEO bei Daimler, geht davon aus, dass die Nachfrage nach Halbleiter-Chips weltweit auch im kommenden Jahr noch höher sein werde als die Produktionskapazitäten. Entspannung erwarte er frühestens 2023. 

Die Unternehmensberater sind bezüglich der Erholung des Halbleitermarktes skeptischer: Produktionskapazitäten auszuweiten brauche etwa zwei Jahre, neue Fabriken zu bauen fünf, heißt es. Dazu kommt: Die Automobilbranche ist längst nicht der einzige Abnehmer. Praktisch alle Elektronikhersteller sind betroffen, wie die Knappheit der PlayStation 5 beispielhaft zeigt.

Gängige Irrtümer über E-Autos haben wir im Video zusammengefasst:

5 Irrtümer über Elektroautos

Was bedeutet das für E-Auto-Kunden?

Wenn den Autobauern die Komponenten fehlen, fahren sie gezwungenermaßen die Produktion herunter, es werden weniger Autos, ob mit Elektromotor oder Verbrenner, gebaut. Neuwagenkäuferinnen und -käufer müssen dann gegebenenfalls länger auf ihre bestellten Wagen warten.

Außerdem leidet die Branche unter sinkenden Umsatzzahlen, Kurzarbeit oder Schichtausfälle sind die Folgen. Bisher nicht betroffen ist der Gebrauchtwagenmarkt, da hier Produktionsausfälle erst viel später ankommen würden. Allerdings sind gebrauchte E-Autos ohnehin noch eher eine Seltenheit.