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China-E-Autos vs. deutsche Autobauer: Showdown in München

Mit Avatr plant eine weitere China-Marke ihren Deutschland-Start. (© GIGA)
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Die IAA Mobility 2023 neigt sich dem Ende zu. Auf der Automobil-Ausstellung haben von BMW bis Volkswagen Autobauer aus aller Welt ihre neusten Entwicklungen und Fahrzeuge vorgestellt. Der große Schock für deutsche Marken angesichts einer drohenden chinesischen Übermacht ist ausgeblieben. Aber ist das wirklich ein gutes Zeichen?

Die IAA 2023 liegt in den letzten Zügen. Highlights gab es auf dem Münchner Autosalon einige, aber überraschend wenig Einsatz zeigten die neuen, angeblich so vor Kraft und Innovation strotzenden Hersteller aus China. Nur ein Bruchteil machte sich überhaupt die Mühe, in München aufzuschlagen. Stattdessen konnten die alteingesessenen Marken aufspielen – gerade das deutsche Dreigestirn aus BMW, Mercedes und VW hat die Gunst der Stunde genutzt.

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BMW setzt mit Neuer Klasse neue Maßstäbe – oder nicht?

Viel Neues über die Neue Klasse von BMW brachte die IAA nicht. Schließlich haben die Bayern bereits zuvor einige Details öffentlich gemacht. Die Salami-Taktik bei großen Ankündigungen sorgt für anhaltendes Interesse über eine längere Zeit, aber sie nimmt eben auch ein Großteil des Aha-Effekts vorweg.

Bei BMW bleibt es dabei: Ab 2025 kommt mit der Neuen Klasse der komplett neu entworfene Unterbau für künftige Modelle von BMW – nicht nur für E-Autos, aber eben auch. Bis zu 750 km Reichweite liefert die Plattform, die mit einem Mittelklasse-Ableger mit Stufenheck aus der 3er-Reihe starten soll. Mindestens sechs weitere Modelle sollen bis 2027 auf Grundlage der Neuen Klasse kommen, darunter eine Mittelklasse-Limousine und – wie sollte es anders sein – ein SUV.

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Neben der starken Reichweite soll auch die Ladegeschwindigkeit überzeugen: Bis zu 300 km in zehn Minuten an der Schnellladesäule will BMW ermöglichen. Auch das AR/VR-Display über die gesamte Breite der Frontscheibe ist schon seit Beginn des Jahres bekannt, als BMW sein Konzept Vision Dee vorstellte. Ich bin gespannt, welche Kompromisse die Bayern finden, welche Techniken es in die geplanten Serienfahrzeuge schaffen.

Mercedes setzt auf Luxus: Der richtige Weg gegen China?

Während die Bayern mit dem Neue-Klasse-Konzept in München eher einen traditionellen Entwurf vorgelegt haben, setzt Mercedes sichtbar – um nicht zu sagen: plakativ – auf technische Hochrüstung. Beim Concept CLA Class verbauen die Stuttgarter unter anderem einen wassergekühlten Nvidia-SoC als technisches Herzstück sichtbar im Fußraum. Mit dem fast durchgängigen, LED-durchsetzten Panorama-Glasdach kann das gesamte Konzept-E-Auto diesen Look widerspiegeln:

Das LED-Glasdach beim Concept CLA Class spiegelt optisch den wassergekühlten Nvidia-SoC wieder, den Mercedes verbaut. (Bildquelle: Mercedes-Benz Group)

Bei der Reichweite nehmen sich die ewigen Premium-Konkurrenten in diesem Fall gar nichts. 750 km sind es auch beim Mercedes. Dafür soll der Strom für 400 km in 15 Minuten ziehen können – auch das dürfte letztlich kaum einen Unterschied machen.

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Während sich die Modelle von BMW und Mercedes optisch kaum stärker voneinander absetzen könnten, wird es bei den technischen Daten also schwieriger, Unterschiede festzumachen. Liegt das China-Problem deutscher Autobauer also auch an mangelnder Vielfalt?

VW tischt auf: Elektro-Golf kündigt sich an

So pauschal lässt sich das nicht sagen, schließlich mischen ja auch auf der IAA noch die Wolfsburger – neben einigen anderen – mit. Mit komplett neuen E-Autos warten die aber nicht auf, stattdessen mit Modellpflege – und einer legendären Fortsetzung. So ist offiziell klar, dass VW mit dem GTI-Badge weitermacht, auch in neuen E-Autos.

Das erste Modell soll der noch nicht vorgestellte ID.2 werden. Als GTI-Version kann der sich auf sportliche Fahrmodi und ein ordentliches Plus an Power freuen. Auch mit der R-Reihe, dem höchsten an Performance, das es unter der VW-Marke zu holen gibt, soll es aktuellen Berichten zufolge weitergehen. Weitere GTI-Modelle stehen offiziell noch nicht fest, klar ist nur, dass es nicht allein beim ID.2 bleiben wird.

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Ebenfalls im Rahmen der IAA hat VW außerdem einen Termin für den Elektro-Golf fallen lassen. Wenn die Ansagen zutreffen, erwartet uns ein nicht gerade billiger, aber doch äußert konkurrenzfähiger Stromer, der obendrein den großen Namen fortführen wird. Was will man mehr?

Die drei großen Deutschen nutzen die IAA also für ihre Parade-Präsentationen. Was aber ist mit China? Seit Monaten, Jahren inzwischen, heißt es von Experten, Medien und aus der Branche: Die Chinesen kommen und bringen richtig starke E-Autos mit, vor denen sich VW, Mercedes, BMW und Co. in Acht nehmen müssen. Doch in München war und ist davon nicht allzu viel zu sehen.

China kommt nach München: E-Auto-Marken aus Fernost verdienen Aufmerksamkeit

Zu denen, die sich in München haben blicken lassen, gehören allen voran BYD, MG und Zeekr:

BYD

Der größte chinesische Autobauer ist bereits mit mehreren Modellen in Deutschland vertreten. Für die IAA hat BYD aber seine nicht allzu geheime Geheimwaffe mitgebracht: den Seal. Das Pendant zu Teslas Model 3 soll bei ersten Kunden in Deutschland noch im Dezember in der Auffahrt stehen:

BYD Seal: Selbstbewusster Tesla-Killer kommt nach Deutschland

Der Seal hat dabei nicht nur das Zeug, Tesla gefährlich zu werden. Die deutschen Mittelklasse-Limousinen sollten sich ebenfalls auf einen harten Schlag vorbereiten, wenn Tests und Mundpropaganda dem Chinesen im Laufe des kommenden Jahres unter die Arme greifen. Denn schon in anderen Märkten hat BYD mit dem Seal ordentlich performt, Deutschland dürfte da keine Ausnahme sein.

Außerdem ist er nicht allein. Ein SUV-Ableger, genannt Seal U, ist ebenfalls in der Mache. Dazu kommt der Dolphin, der vor allem VW Kopfzerbrechen bereiten wird. Er tritt direkt gegen den ID.3 an. Atto3, Han und Tang sind bereits da. BYD kleckert nicht mit Elektro-Konkurrenz für die deutschen Hersteller, hier wird aus dem Vollen geschöpft.

MG

MG macht schon jetzt vieles richtig. Als eine der ganz wenigen chinesischen Marken hat man sich dafür entschieden, nicht mit einem teuren Prestige-Stromer in Deutschland an den Start zu gehen, sondern mit einem Preis-Leistungs-Monster, genannt MG4 Electric. Keine Marke aus China hat derzeit ein größeres Stück vom deutschen E-Auto-Kuchen, die Entscheidung spricht also für sich.

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Doch MG kann auch anders:

Design, Farbe und auch der Name sagen deutlich: Der MG Cyberster ist eine direkte Kampfansage an Tesla. (Bildquelle: GIGA)

Der Cyberster auf der IAA ist mehr als nur optisch eine Kampfansage an Tesla. MG bietet einen klassischen Roadster, nur halt mit Elektroantrieb, der es unter anderem in stattlichen 3,2 Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h bringt. Der Treffer ins Schwarze bei Tesla: Kunden und Fans warten hier schon seit bald zehn (!) Jahren auf den runderneuerten Super-Stromer. Bisher ist er nicht in Sicht.

Zeekr

Zeekr ist die Premiummarke – oder besser eine der Premiummarken – des chinesischen Geely-Konzerns. Der steckt unter anderem auch hinter Volvo, Polestar und Smart. Letztere haben unter der neuen Leitung ihre Ausrichtung auf Kleinstwagen längst hinter sich gelassen und mit dem Smart #3 ebenfalls einen Neuling in München präsentiert.

Mobilität – da tut sich was: E-Autos, elektrische Fahrräder, E-Scooter, das Deutschlandticket für 49 Euro in Bus und Bahn – all das bewegt uns im doppelten Sinn. Und was hat sich in Sachen Mobilität sonst so getan?

Zeekr hingegen richtet sich eher an Kunden der oberen Mittelklasse – und stellt sich damit Mercedes und BMW in den Weg. Mit zwei Modellen starten die Chinesen in Deutschland in Kürze durch: Zeekr 001 wird eine Limousine für gehobene Ansprüche, während der Zeekr X die derzeit wichtigste Lücke schließt: ein E-SUV.

Für beide Modelle hat Zeekr während der IAA die Vorbestellungen für deutsche Kunden gestartet. Es dauert also nicht mehr lange, bis einer der gefährlichsten Angreifer aus China hierzulande die Zähne zeigt. Denn mit der Kraft von Geely im Rücken und den bereits gut etablierten Geschwistermarken dürfte Zeekr einen kräftigen Stand haben, auch wenn es bisher eher ruhig um die Marke ist.

Avatr

Ebenfalls praktisch noch unbekannt und doch schon direkt bei der IAA dabei ist Avatr. Die Marke ist vor gut einem Jahr mit ihrem ersten E-Auto, genannt 11, in China gestartet. Der Avatr 12 (sprich: one two) feierte auf der IAA Weltpremiere – und soll im Idealfall schon 2024 den deutschen Premiumherstellern vor der eigenen Haustür Marktanteile abgraben.

Schlicht, aber erkennbar hochwertig und modern kommt das Cockpit des Avatr 12 rüber. (Bildquelle: GIGA)

Designt wurde das vollelektrische – und man muss es zugeben, wirklich schöne – Gran Coupé passenderweise im Münchner Desginzentrum. Mit 650 bis 700 km Reichweite, diversen digitalen Features und Überwachungsoptionen für die Umgebung braucht sich der Premiumstromer nicht zu verstecken. Sogar auf die Heckscheibe hat man komplett verzichtet. Das macht eine stromlinienförmigere Bauweise möglich. Und mal im Ernst: Der Blick in den Rückspiegel oder in eine Rückkamera – wen interessiert dieser Unterschied heute noch?

Verkommt die IAA wie schon die E3?

Obwohl mit Nio, Great Wall Motor mit seinen zwei in Deutschland bereits erhältlichen Marken Wey und Ora, Wuling oder GAC einige chinesische Größen der IAA fern geblieben sind, zeigt der Vergleich: China hat bei E-Autos richtig etwas zu bieten. Bleibt die Frage: Was sagt es über die IAA aus, wenn China sich nur bedingt dafür interessiert?

In ersten Fazits zur IAA 2023 wird bereits tief durchgeatmet. Die chinesische Breitseite ist ausgeblieben, wir haben es geschafft. Ich würde gerne antworten: Zu früh gefreut. Die relative Abwesenheit chinesischer Marken – auch wenn es in diesem Jahr mehr waren als je zuvor – sollte zu denken geben. Denn mit dem neuen und verdienten Selbstbewusstsein der chinesischen Autobranche, ist eine weltweit beachtete Automesse in Deutschland für die Zukunft wohl keine Selbstverständlichkeit mehr.

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