Der Messenger Telegram wird als Alternative zu WhatsApp immer beliebter. Nun gibt es neue Forderungen nach mehr Kontrolle. Um Querdenker und Verschwörungsanhänger geht es dabei aber nicht – Hintergrund ist einer der größten Wirtschaftsskandale der Bundesrepublik.

 

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Telegram: Politik will bessere Kontrolle

Politiker fordern eine schärfere Kontrolle des Messengers Telegram. Da anscheinend manche im Wirecard-Skandal involvierte Personen Telegram für ihre Kommunikation nutzten, gerät dieser in das Visier der Politik. Staatliche Behörden sollen mit richterlicher Anordnung auf Inhalte zugreifen können, wenn es bei Telegram „Anhaltspunkte für schwere Straftaten“ gebe, meint Fabio de Masi von Partei Die Linke.

Wirecards Ex-Vorstand Jan Marsalek hat Zeugenaussagen zufolge Telegram als „Lieblingskanal“ zur Kommunikation bezeichnet, wie im Abschlussbericht des Untersuchungsausschusses zu lesen ist. Seiner Assistentin zufolge habe die Kommunikation „zu 90 Prozent über Telegram“ stattgefunden. Am Messenger selbst soll der untergetauchte Gesellschaftsanteile gehalten haben. Auch nach seiner Flucht soll weiter über Telegram kommuniziert worden sein, heißt es (Quelle: heise online).

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Telegram: Justizministerium mit Bußgeldverfahren

Unabhängig vom Untersuchungsausschuss zu Wirecard hat das Justizministerium gleich zwei Bußgeldverfahren gegen Telegram eingeleitet. Es sei nicht klar, wohin sich deutsche Gerichte bei Telegram wenden können, falls strafbare Inhalte geteilt werden. Telegram hat seinen Sitz in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Nun wird eine Stellungnahme von den Betreibern abgewartet.

Telegram gilt schon länger ein Sammelbecken für rechtsextreme Gruppierungen sowie Corona-Leugner. Einer der bekanntesten Verschwörungsanhänger ist Attila Hildmann, der ebenfalls per Haftbefehl gesucht wird und über Telegram zu seinen Anhängern sprach – bis der Zugriff auf seinen beliebten Kanal stark eingeschränkt wurde.