Online-Messenger wie WhatsApp, Telegram und Signal, aber auch E-Mail-Provider und Dienste wie Skype dürfen künftig eure Nachrichten überwachen. Das hat das Europäische Parlament jetzt bestätigt. Was sich nach einem krassen Eingriff anhört, wird tatsächlich aber kaum einen Unterschied machen.

 

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WhatsApp und Co. dürfen Nachrichten mitlesen – müssen aber nicht

WhatsApp und der Facebook-Messenger, Signal, Telegram, dazu beliebte Webservice-Provider von WEB.DE bis Gmail und sogar Skype und andere Internettelefonie-Anbieter – überall dort sollen in Zukunft Nachrichten mitgelesen werden dürfen. Eine entsprechende befristete Vorschrift hat das EU-Parlament bestätigt, sie soll vorerst für maximal drei Jahre gelten.

Zweck der Überwachung von Messenger-Diensten ist es kriminelle Handlungen online besser nachverfolgen zu können, speziell im Bereich Kindesmissbrauch. Dafür sollen Online-Inhalte, die mit sexuellem Missbrauch von Kindern in Verbindung gebracht werden, „durch sogenannte Hashing-Technologien aufgespürt werden, die Inhalte wie Bilder und Videos scannen.“ (Quelle: Europäisches Parlament) Zusätzlich wird gestattet, mittels künstlicher Intelligenz Text- oder Verkehrsdaten zu analysieren.

Von der Regelung ist die Audiokommunikation ausgenommen. Es gibt jedoch noch viel weiterreichende Einschränkungen: So soll die Überwachung durch die Anbieter selbst vorgenommen werden, auf freiwilliger Basis. Zudem kommen nur nicht verschlüsselte Daten für die KI-Analyse in Frage. Messenger wie WhatsApp oder Threema, die standardmäßig auf Ende-zu-Ende-Verschlüsselung setzen, sind damit faktisch außen vor.

Welche Alternativen es zum immer noch sehr beliebten Messenger WhatsApp gibt und was sie ausmacht, erfahrt ihr im Video:

TECH.tipp: WhatsApp-Alternativen

Freiwillige Überprüfung von Inhalten: Für Nutzer wird sich kaum etwas ändern

Dass der Schutz der Privatsphäre für viele Nutzerinnen und Nutzer ein wichtiger Faktor bei der Wahl des Messengers ist, hat zuletzt WhatsApp mit der umstrittenen Neufassung der AGB bewiesen. Es bleibt also zweifelhaft, ob die Anbieter in großem Stil von der Möglichkeit zur freiwilligen Überwachung Gebrauch machen. Wahrscheinlich wird sich für die Nutzer kaum etwas oder gar nichts ändern.

Das EU-Parlament informiert zudem, dass keine inhaltliche Überprüfung durch die KI stattfinden soll. Die Programme würde hingegen nur Muster erkennen. Verdächtige Inhalte würden dann an die Behörden gemeldet und persönlich geprüft. Hintergrund der Änderungen sind die laut EU-Parlament gestiegenen Fälle von Kindesmissbrauch im Zuge der Pandemie.