Kaum ein Spiel wird so sehnsüchtig erwartet wie GTA 6. Ginge es nach mir, könnte Rockstar den Open-World-Koloss allerdings gerne hinten anstellen. Denn ich warte seit 11 Jahren auf die Fortsetzung eines ganz anderen Action-Meisterwerks.

 
GTA 6
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Ich will kein GTA 6 – ich will L.A. Noire 2!

Anfang Februar kündigt Rockstar Games ganz offiziell an, dass sich ein neuer GTA-Teil in Entwicklung befindet – und die Gaming-Welt dreht durch. Endlich! Nach fast 9 Jahren gibt es ein Lebenszeichen vom GTA-5-Nachfolger. Die Meldung verbreitete sich wie ein Lauffeuer. Mittlerweile hat der entsprechende Tweet über 600.000 Likes angesammelt – und das, obwohl der Informationsgehalt denkbar gering ausfällt.

Ich hingegen bin etwas enttäuscht. Denn wenn es nach mir gehen würde, könnte GTA 6 gerne noch ein paar Jahre länger auf sich warten lassen – zumindest, wenn Rockstar Games die Zeit stattdessen dazu nutzt, einem anderen Klassiker eine wohlverdiente Fortsetzung zu spendieren: L.A. Noire.

Das Action-Adventure aus dem Jahr 2011 gehört zu meinen absoluten Lieblingsspielen. In der Rolle von Cole Phelps Beweise zu sammeln, Zeugen zu befragen und mir Verfolgungsjagden mit Verdächtigen zu liefern – ich habe es geliebt, dem Verbrechen in Los Angeles den Kampf anzusagen.

Vor allem das Serienformat der Erzählung hat es mir angetan. Anstatt über das ganze Spiel hinweg nur an einem einzigen Fall zu arbeiten, bekomme ich ein ganzes Füllhorn an unterschiedlichen Verbrechen serviert – und fast jedes davon ist spannend, mysteriös und hält einen kleinen Plot-Twist bereit, den ich nur selten habe kommen sehen. Sowas gibt es nicht oft!

Inzwischen könnt ihr die Abenteurer von Cole Phelps auch unterwegs auf eurer Nintendo Switch spielen:

L.A. Noire - Nintendo Switch Trailer

Was müsste eine Fortsetzung von L.A. Noire anders machen?

Zugegeben, L.A. Noire ist bei weitem kein perfektes Spiel – und vor allem die Motion-Capture-Aufnahmen der Gesichtszüge einiger Charaktere sind mitunter gar nicht gut gealtert, wie man im folgenden Clip erkennen kann:

Aber stellt euch doch mal vor, wie cool es wäre, wenn das gleiche Spielprinzip mit aktueller Technik umgesetzt würde. Ich würde Rockstar dafür nicht bloß 60 Euro, sondern meine komplette Brieftasche in den Rachen werfen. Und damit die Produktionskosten relativ gering bleiben – ich will ja auch, dass sich das für euch lohnt, Rockstar – könnte das Team an anderer Stelle sparen: der Open World – denn die ist komplett überflüssig.

Man hat von Anfang an gemerkt, dass die Entwickler nicht so richtig wussten, womit sie ihre riesige Spielwelt füllen sollten. Hier und da mal ein Collectible oder eine Sehenswürdigkeit, ab und zu ploppte am Straßenrand ein weiteres Verbrechen auf, das man innerhalb von 5 Minuten aufklären konnte. Klingt im ersten Moment nach einer guten Idee, reißt mich aber eigentlich nur aus der Story raus und steht sich damit selbst im Weg.

Und wo wir gerade bei der Story sind: Die übergreifende Handlung, die sich durch das komplette Spiel zieht, dürfte bei der Fortsetzung durchaus noch etwas tiefer gehen und weniger Fragen offenlassen, Rockstar.

Trotz aller Kritik – L.A. Noire ist einzigartig

Doch obwohl L.A. Noire einige Probleme hat, werde ich es immer in guter Erinnerung halten. Denn dieses Spiel ist absolut einzigartig. Ich liebe das Setting im Los Angeles der 1940er-Jahre, die serienhafte Inszenierung sorgt dafür, dass mir niemals langweilig wird und jeder der Fälle ist hundertmal interessanter als irgendeine 0815-Quest in einem x-beliebigen Rollenspiel.

Daher bitte ich dich inständig, Rockstar: Leg GTA 6 ruhig nochmal auf Eis und gib mir lieber ein neues L.A. Noire.