Wer keinen großen Namen hat, der kauft sich halt einen. So oder so ähnlich könnte man den „Kamera-Trick“ der eingängigen China-Smartphones umschreiben. In den nächsten Tagen kann man den Griff in die Tiefen der Marketingtrickkiste erneut beobachten – das Thema der heutigen Wochenend-Kolumne.

 

OnePlus: Das Unternehmen hinter den „Flaggschiff-Killern“

Facts 

So richtig an Geheimhaltung glauben die chinesischen Smartphone-Hersteller wohl nicht mehr. Zumindest lassen sie dafür eigentlich so gut wie alles Wissenswerte schon im Vorfeld „aufblitzen“ und veröffentlichen wie klickgeile Dubai-Influencer aufregende Details Stück für Stück zu ihren neuen Smartphones. Aktuell im Blick: Das kommende OnePlus 9 und OnePlus 9 Pro.

OnePlus 9 (Pro): Hasselblad motzt China-Smartphone auf

Schon jetzt wissen wir: Das größtes Highlight ist da sicherlich die Kamera, die in Zusammenarbeit mit Hasselblad entstand. So möchte man uns zumindest Glauben machen. Allerdings frage ich mich: Was haben eigentlich Smartphone-Knipsen, so gut sie auch sein mögen, mit ausgewachsenen Mittelformatkameras zu tun? Die flogen einst schon zum Mond und kosten ein Vermögen. Für ein Set zahlt man auch schon mal den Gegenwert eines gehobenen Automobils. Was also bringt einen Hersteller von ultraprofessionellen Kameras und einen Hersteller von China-Smartphones zusammen?

Einen ersten Einblick in die Zusammenarbeit der beiden Firmen liefert das folgende Video:

OnePlus + Hasselblad: Die Zusammenarbeit

Die einfache, aber ungeschönte Antwort: das Geld! Sind wir doch mal ehrlich, am Ende geht's um einen lukrativen Lizenzdeal für die Schweden. Die sollen zwar vor allem zur Farb-Kalibrierung beigesteuert haben, doch wie groß der Techniktransfer letztlich wirklich ist, verbleibt im Dunkeln. Wundern tut es mich nicht. In den letzten Jahren wechselte Hasselblad ja mehrmals den Besitzer, ist aktuell selbst in chinesischer Hand und geriet hier und da auch ins Straucheln. Ich erinnere noch an die grandiose Idee, als man dachte, optisch leicht veränderte Sony-Kameras mit einem aberwitzigen Aufpreis an ganz dumme Kunden verkaufen zu können – ging bekanntlich erwartungsgemäß schief.

Das OnePlus-Marketing trumpft auf und rührt mächtig die Werbetrommel:

OnePlus + Hasselbald: Erste Foto-Beispiele

Jetzt also der nächste Deal, in umgekehrter Richtung. OnePlus kann den großen Kameranamen gut gebrauchen. Viel wichtiger wäre aber, auch technisch zu überzeugen, denn im bekannten DxOMark-Ranking befindet man sich aktuell weit abgeschlagen und kann keine sonderlich gute Position mit dem älteren OnePlus 8 Pro erzielen. Vom großen Namen allein werden sich die Tester aber nicht beeindrucken lassen, so viel ist sicher.

Meine Gedanken zum Wochenende: Die Kolumne möchte Denkanstöße liefern und den „News-Schwall“ der Woche zum Ende hin reflektieren. Eine kleine Auswahl der bisherigen Artikel der Kolumne:

Huawei und Leica: Es kann funktionieren

Nur um dies klarzustellen: Zum Scheitern ist eine solche Kooperation aber nicht unbedingt verdammt. Ausgerechnet das aktuell beste Kamera-Smartphone der Welt beweist dies. Wer es nicht weiß, die Kamera des Huawei Mate 40 Pro trägt nämlich auch keinen kleinen Namen, schließlich arbeiten die Chinesen schon seit Jahren mit den deutschen Profis von Leica zusammen beziehungsweise lizenzieren immerhin die Marke.

Großer Name, nix dahinter? Stimmt also so nicht wirklich. Nur muss man sich klar machen, so gut Smartphone-Kameras auch heute schon sind, sie verändern nicht die Gesetzte der Physik. Hinter eindrucksvollen Namen wie Leica oder Hasselblad auf Smartphones steht demnach immer jede Menge Marketing. Profis wissen dies. Laien, die nur die Marke, nicht aber die Produkte kennen, ist dies natürlich egal. Ich frage mich übrigens ... wann gibt's eigentlich das erste Smartphone mit einer „Kamera“ von Canon oder Nikon? Lange wird's wohl nicht mehr dauern. Nur so ein Gefühl.

Hinweis: Die in diesem Artikel geäußerten Meinungen stellen ausschließlich die Ansichten des Autors dar und sind nicht notwendigerweise Standpunkt der gesamten GIGA-Redaktion.