Der Bundesnetzagentur reicht es langsam: Weil Telefónica (o2) beim Ausbau des LTE-Netzes in Deutschland nicht schnell genug vorankommt, droht jetzt ein erstes Zwangsgeld. Ob die Summe den Netzbetreiber aber zu mehr Engagement verhelfen wird, darf bezweifelt werden.

Bundesnetzagentur droht o2 mit Strafzahlung

Eigentlich sollte bis Ende des Jahres 2019 alles schon in trockenen Tüchern sein, doch besonders ein Netzbetreiber hat die von der Bundesnetzagentur gesteckten Ziele für den Ausbau des LTE-Netzes nicht erfüllen können. Nun steht fest, dass auch das „Nachsitzen“ von o2 nicht den gewünschten Erfolg gebracht hat, wie heise online berichtet. Obwohl die Bundesnetzagentur gegenüber Telefónica eine Fristverlängerung bis Ende Juli gewährt hatte, kommt der Betreiber nicht voran.

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Sollte der LTE-Ausbau weiter stocken, dann kann die Bundesnetzagentur ein Zwangsgeld festlegen. Die Summe beläuft sich allerdings nur auf 600.000 Euro. Ob Telefónica dadurch motiviert wird, endlich LTE auch in schwach besiedelten Gegenden anzubieten, darf zumindest bezweifelt werden. Bis Ende 2019 sollten bundesweit 98 Prozent der Haushalte und je Bundesland 97 Prozent der Haushalte mit mindestens 50 Megabit pro Sekunde mobil versorgt werden. Bei einer Untersuchung zu Beginn des Jahres stellte man fest, dass keiner der Provider die Ziele erreicht hatte – insbesondere Telefónica fiel negativ auf.

Im Januar 2020 wurden die drei großen Netzbetreiber aufgefordert, Lücken im Netz zu schließen. Telefónica wurde besonders in die Mangel genommen und dazu verpflichtet, 40 Prozent der weiterhin fehlenden Standorte zu versorgen, um die Auflagen zu erfüllen und so die mögliche Strafzahlung noch abzuwenden. Telefónica hingegen gibt die Coronavirus-Pandemie als Grund dafür an, warum der Ausbau des LTE-Netzes weiter stockt. Es gäbe Lieferengpässe und Probleme bei den Montage-Teams, heißt es.

Warum das LTE-Netz in Zukunft noch wichtiger wird, erklären wir im Video:

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Telefónica: 250 neue LTE-Stationen pro Woche

Telefónica gibt sich weiter zuversichtlich, bis Ende Juli 2020 die Auflagen vollständig zu erfüllen. Jede Woche würden 250 neue LTE-Stationen errichtet oder bestehende umgerüstet werden. Die Schlagzahl sei zuletzt „deutlich“ erhöht worden, sagt ein Sprecher des Unternehmens. Viel Zeit bleibt aber nicht mehr, um die fehlenden 3.040 Stationen in Betrieb zu nehmen und die Strafzahlung der Bundesnetzagentur zu verhindern.

Simon Stich
Simon Stich, GIGA-Experte für Smartphones, Mobilfunk und die Gerüchteküche.

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