Was machen bloß die Autohersteller? E-Auto über E-Auto wird vorgestellt und immer wieder werden sie beworben, als sollten sie die großen Spielekonsolen Playstation und Xbox beerben. Wenn ich da ein Wörtchen mitzureden hätte, würde ich sagen: So nicht! Warum, erfahrt ihr hier.

Tesla und Audi setzen schon auf Gaming im Auto

„It can play Cyberpunk“ – der Tweet von Tesla-Chef Elon Musk zur 2021er Neuauflage des Model S wird sicherlich bei vielen Tesla-Fans und auch in der Gamer-Community gut angekommen sein. Der prestigeträchtigste E-Auto-Hersteller und eines der am dringendsten erwarteten Games des Jahres 2020, das sollte gut zusammen passen.

Ich sehe hier ein Problem kommen, das offenbar nicht nur Tesla verkennt, sondern viele in der Branche: Wir perfektionieren unser Zuhause und unsere Autos daraufhin, überall das perfekte Unterhaltungserlebnis präsentiert zu bekommen. Wer unterwegs dringend Unterhaltung braucht, kann doch bereits auf portable Spielekonsolen wie die Nintendo Switch zurückgreifen oder das Smartphone zücken. Ich kann den Wunsch nach Zerstreuung nachvollziehen, aber jeder Auto-, Smartphone- oder Spielekonsolen-Kunde kann immer nur an einem Ort zur gleichen Zeit sein. Die Frage, wie viele Endgeräte jeder von uns braucht, wenn sie alle ähnliche Funktionen erfüllen, muss sich jeder selbst stellen.

Wohnzimmer-Couch vs. Autositz – sieht so die Zukunft aus?

Ich für meinen Teil glaube nicht, dass ich in Zukunft lieber in Audis neuem A6 e-tron – ich gebe zu, dafür müsste ich wohl eine Weile sparen – in der Einfahrt sitze, während dessen LED-Scheinwerfer mir Ghost of Tsushima an die Hauswand projizieren, und zocke. Genau das könnte ich ja auch drinnen auf dem Sofa tun. Ein Zeitvertreib an der Ladesäule kann so ein Spiel ja sein, aber da gibt es ja genug Alternativen – und noch einmal: Das Handy hat man eh dabei.

Eine Seite setzt hier meiner Meinung nach die falschen Prioritäten. Nun könnte man sagen: Soll doch die Gaming-Industrie keine Konsolen mehr bauen und das Feld Elon Musk und Co. überlassen. Für mich aber ist klar: Es sind die Autohersteller, die ihre E-Autos zu mobilen Luxus-Unterhaltungs-Schlachtschiffen aufrüsten und damit fehlgehen. Denn worauf kommt es beim Auto nochmal an?

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Ein Auto ist ein Auto – und das soll fahren

Es soll fahren, die Insassen von A nach B bringen und das möglichst sicher, gegen schnell ist meist auch wenig einzuwenden. Mit dieser Ansicht bin ich nicht allein, obwohl die Anzahl anders Gesinnter wächst: 37 Prozent der Befragten haben bei einer Studie angegeben, Wert auf Entertainment-Systeme zu legen, wenn sie sich ein E-Auto anschaffen würden. Trotzdem, Sicherheit geht sprichwörtlich vor, 98 Prozent achten zuerst darauf.

Ich will Audi und anderen Herstellern nicht unterstellen, dass bei ihren Autos nicht auf Sicherheit geachtet wird, auch wenn Tesla solche Vorwürfe nicht fremd sind. Was ich meine und das kritisiere ich auch: Beim Auto den Fokus dermaßen zu verschieben auf ein Gimmick, das nicht für die Fahrt gedacht ist, bleibt mir unverständlich.

Viele Hersteller weisen etwa bei ihren Vorstellungen neuer Modelle darauf hin, dass neue E-Autos mehr sein sollen – ein Erlebnis und ein Ort, an dem man Zeit verbringen möchte. Tut mir leid, das zieht bei mir nicht. Autos sind zum Fahren da.

Hinweis: Die in diesem Artikel geäußerten Meinungen stellen ausschließlich die Ansichten des Autors dar und sind nicht notwendigerweise Standpunkt der gesamten GIGA-Redaktion.