Huawei Mate 10 Lite im Test: Premium-Form, Basis-Funktion

Selim Baykara

Mit dem Huawei Mate 10 Lite bietet der Smartphone-Gigant eine preiswerte Alternative zum Mate 10 Pro an – zumindest lässt das der Name vermuten. Wieviel das 300-Euro-Modell wirklich mit dem Premium-Gerät zu tun hat, erfahrt ihr in unserem Test zum Huawei Mate 10 Lite.

Huawei Mate 10 Lite im Test: Premium-Form, Basis-Funktion

Unser Testurteil zum Huawei Mate 10 Lite: Solides Mittelklasse-Smartphone ohne echte Highlights

Das Huawei Mate 10 Lite sieht wie ein Premium-Handy aus, kostet gleichzeitig aber nur die Hälfte vom derzeitigen Spitzenmodell Huawei Mate 10 Pro (Test). Um diesen Spagat hinzubekommen, hat Huawei an zahlreichen Ecken gespart. Verarbeitung und Handling konnten uns überzeugen, negativ fallen der enge Blickwinkel beim Display sowie die nicht zeitgemäßen Schnittstellen und Anschlüsse auf. Auch die Kamera kann man bestenfalls als zufriedenstellend bezeichnen – trotz der exotischen Dual-Frontkamera.

Die Leistung dürfte für den Alltag der meisten Nutzer ausreichen, allerdings bekommt man für nur wenig mehr Geld deutlich perfomantere Modelle. Mit dem tollen Huawei Mate 10 Pro (Test) hat es ungefähr so viel zu tun wie ein Hauskätzchen mit einem Königstiger. Wer mehr Leistung zum gleichen Preis sucht, sollte sich das Honor 9 (Test) anschauen. Ähnlich viel wie das Mate 10 Lite für weniger Geld gibt’s beim nahezu baugleichen Honor 7X und dem Huawei Nova 2. In einem Satz: Das Huawei Mate 10 Lite ist ein hübsches, funktional aber „nur“ brauchbares Handy.

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Test-Wertung zum Huawei Mate 10 Lite

  • Verarbeitung, Haptik und Design: 4/5
  • Display: 3/5
  • Kameras: 2/5
  • Software: 3/5
  • Performance: 3/5
  • Telefonie und Audio: 4/5
  • Konnektivität und Speicher: 3/5
  • Akku und Alltag: 3/5

Gesamt: 63 %

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Das hat uns gefallen

  • Schickes Design mit großem 18:9-Display und wenig Rand
  • Haptisch gute und optisch schicke Rückseite aus Metall
  • Dual-SIM ermöglicht den Einsatz von zwei Nano-SIM-Karten
  • Flüssige Performance trotz Mittelklasse-Hardware
  • Gute Audioqualität beim Telefonieren
  • Mit 64 GB ausreichend Speicher, der sich außerdem per micro-SD-Karte erweitern lässt
  • Klinkenbuchse vorhanden, Kopfhörer mitgeliefert

Das fanden wir nicht so gut

  • Micro-USB statt USB-C
  • Kein NFC
  • kein WLAN-ac und kein Dual-Band-WLAN
  • Kein Bluetooth 5.0
  • LC- statt OLED-Display mit leichten Problemen bei spitzen Betrachtungswinkeln
  • Rückkamera bei gutem Licht brauchbar, aber zu aggressive Helligkeitsanpassung. Bei schlechten Lichtverhältnissen deutliches Bildrauschen. Keine 4K-Aufnahmen, keine Bildstabilisierung. Dual-Frontkamera fast ohne Mehrwert.
  • Veraltetes Android 7 Nougat, Update auf Android 8 bislang nur angekündigt.
  • Keine Unterstützung für Schnelladen, kein kabelloses Laden.
  • Keine Zertifizierung für Wasserdichtheit.

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Huawei Mate 10 Lite im Test: Bestenfalls solide

Ein Smartphone als „Lite“-Version zu bezeichnen, empfinde ich persönlich nicht als schlaueste Marketing-Entscheidung. Das klingt nach Spar-Version und gibt mir direkt das Gefühl, dass ich irgendetwas Wichtiges verpasse. Zumal sich im Test herausstellte, dass das Pro-Modell und die Lite-Version nur wenig miteinander gemein haben.

Zunächst aber zu den positiven Features. Der Achtkern-Chip Kirin 659, auch im Huawei Nova 2 und Honor 7X verbaut, ist zwar nicht mehr die neueste Prozessor-Chip-Kombo am Markt, die Bedienung des Geräts aber geht trotzdem gut von der Hand. Apps lassen sich flüssig und ohne spürbare Verzögerung öffnen, zusammen mit den 4 GB Arbeitsspeicher kommt ein gutes Arbeitstempo auf, selbst wenn mehrere Apps gleichzeitig aktiv sind. Bei aufwändigen Spielen kommt es hin und wieder zu Rucklern.

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Ansehnlich ist auch das Verhältnis vom Bildschirm zum Gehäuse. Das 6-Zoll-Display im trendigen 18:9-Format kann sich bezüglich seiner Größe sehen lassen, Huawei verbaut aber nur einen mittelmäßigen LC-Bildschirm. Mit etwa 160 Gramm Gewicht liegt das Huawei Mate 10 Lite gut in der Hand und fühlt sich wertig an. Die Rückseite aus Metall mag Geschmackssache sein – uns hat es gefallen, weil Glas Fingerabdrücke bekanntlich magisch anzieht und bei einem Sturz natürlich viel leichter bricht, Metall vermittelt den Eindruck von Wertigkeit und Solidität. Mit trockenen Händen ist ein Metallgehäuse natürlich recht glatt, wir empfehlen ein Case zu verwenden.

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Obwohl das Huawei Mate 10 Lite wie ein Premium-Phone aussieht, ist es das nicht. Das fängt mit den Anschlüssen an: Nur Micro-USB und kein USB Typ C. 2017 ist das selbst für einen Mittelklassler ziemlich schwach. So ganz können wir nicht nachvollziehen, warum Huawei an dieser Stelle gespart hat. Enttäuschung auch bei den Funkstandards: WLAN-ac wird nicht unterstützt, das schnelle 5-GHz-WLAN (Dualband) auch nicht. Zeitgemäße WLAN-Access-Points werden also nicht effizient ausgenutzt. Auch Bluetooth 5.0 ist noch nicht integriert – wiewohl der Standard wohl erst 2018 Verbreitung finden wird. Zudem fehlt NFC – heute mag das nebensächlich klingen, sollte Android Pay mal in unseren Gefilden starten, könnte das aber noch zu einem Ärgernis werden. Bereits jetzt ist ärgerlich, dass Huawei weder den hauseigenen SuperCharge-Standard noch eine alternative Schnellademethode unterstützt. Mit Ladezeiten bis zu zweieinhalb Stunden von Leer bis Voll ist das mittlerweile salonfähige flotte Nachtanken nebenher beim Mate 10 Lite selbst mit anderen Netzteilen als dem mitgelieferten nicht möglich – extrem schade.

Das Display kann den guten ersten Eindruck ebenfalls nicht ganz bestätigen. Der Bildschirm löst mit einer Auflösung von 2.160 x 1.080 Pixeln und einer Pixeldichte von 402 ppi zwar annehmbar scharf auf, allerdings merklich kontrast- und farbärmer als bei Oberklasse-Smartphones. Vor allem die Blickwinkel-Stabilität fiel negativ auf. Wechselt man nur einmal kurz die Perspektive, werden Farben verfälscht dargestellt und die Helligkeit lässt nach. Beim schnellen Scrollen konnten wir zudem leichte Schlieren auf dem Bildschirm feststellen.

Vier Kameras als Retter?

Zu einem Geheimtipp hätte das Huawei Mate 10 Lite vielleicht noch durch die Kameras werden können: Ganze 4 (!) Sensoren sind verbaut. Das klingt im ersten Moment beeindruckend, die Ergebnisse sind allerdings ernüchternd. Bei Tageslicht sind die Bilder, sofern mit ruhiger Hand geschossen, meist in Ordnung, das kann man aber von praktisch jedem aktuellen Smartphone erwarten. Bei schlechten Lichtverhältnissen stößt die Kamera schnell an ihre Grenzen. Insgesamt ist der Eindruck durchwachsen: Farben werden leicht übersättigt dargestellt, Kontraste überbetont. Generell besteht die Tendenz zur Über- oder Unterbelichtung der Bilder. Videos können maximal in 1080p und 30 FPS aufgenommen werden. Das Fehlen jeglicher Bildstabilisierung, ob optisch oder elektronisch, merkt man anhand der wackeligen Aufnahmen deutlich. Uns fiel außerdem auf, dass die Mikrofone recht empfindlich zu sein scheinen – Störgeräusche kamen gelegentlich vor.

Ob man wirklich eine Dual-Frontkamera braucht? Die zweite Kamera ermöglicht auch an der Frontseite einen künstlichen Bokeh-Effekt – dieser konnte bei uns keinen Eindruck schinden, auch wenn die Bilder der Frontcam insgesamt ordentlich und scharf wirkten. Wir empfehlen grundsätzlich, die Beauty-Funktion auszuschalten, da Selfies sonst unnatürlich geglättet wirken. Es gibt zudem einen LED-Frontblitz.


Auf der nächsten Seite: Alternativen zum Huawei Mate 10 Lite und technische Spezifikationen.

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