Astroneer im Test: Wie eine spielbare und sehr entspannende Lavalampe

Marvin Fuhrmann 1

Der „No Man’s Sky-Killer“: Das Early-Access-Spiel, das alle anderen – zumindest für eine kurze Zeit – in den Schatten stellen soll. So ungefähr entstand der Hype um Astroneer, als es im Dezember 2016 veröffentlicht wurde. Etwas mehr als zwei Jahre später bekommen wir mit der Release-Version endlich das „finale“ Produkt. Doch reichen die Neuerungen aus, um Veteranen wieder vor dem Ofen hervorzulocken und der erstarkten Konkurrenz die Stirn zu bieten?

August 2016: No Man’s Sky erscheint nach schier unendlichem Hype und enttäuscht die Erwartungen der Gamerschaft auf ganzer Linie. Dezember 2016: Astroneer soll alles besser machen als die Konkurrenz, obwohl es sich noch in der Early-Access-Phase befindet. Am Ende steht bei beiden Spielen fest: Sie brauchen noch eine Menge Arbeit, um ihre spielerischen Visionen zu erfüllen.

Mittlerweile haben wir 2019 und zumindest No Man’s Sky und seine Entwickler haben gezeigt, dass sie auf die Spieler und das Feedback gehört haben. Das Weltraumerkundungsspektakel hat sich gemausert und wieder eine große Zahl der einstigen Fans zurückerobert.

Jetzt wagen die Macher von Astroneer ebenfalls einen großen Schritt und verlassen mit ihrem Baby die Early-Access-Phase nach mehr als zwei Jahren. Astroneer Version 1.0 erscheint am 6. Februar 2019. Ich durfte schon vorab die neue Variante zocken und verrate dir jetzt, ob sich hinter der neuen Nummer ein wirklich fertiges Spiel befindet oder dies nur ein Zwischenstopp auf der langen Reise ist. Dabei soll aber auch ein Blick auf die Neuerungen nicht zu kurz kommen. Schließlich gibt es zahlreiche Gamer, die über zwei Jahre Astroneer die Treue gehalten haben und jetzt auch eine „Belohnung“ für diese Dienste erwarten.

(Fast) unendliche Weiten, direkt vor der Haustür

Astroneer lässt die Träume unzähliger kleiner Jungen und Mädchen aufgehen und schickt dich mit einer bemannten Raumfahrtmission ins Weltall. Im Orbit eines unbekannten Planeten wird dein Shuttle aus der Verankerung gelöst und rast mit hoher Geschwindigkeit auf die Oberfläche zu, nur um von den Boostern kurz vor dem Aufprall sanft abgefedert zu werden. Dein erstes Ziel: Eine grundlegende Basis errichten und die ersten Stunden in der unwirklichen Umgebung überleben. Doch natürlich gibt es fernab der Heimat einige Versorgungsprobleme.

Die ersten Minuten von Astroneer – und das Tutorial – zeige ich dir in folgendem Video:

Astroneer: Wir spielen das neue Tutorial.

Zunächst brauchst du für deinen Energie- und Sauerstoffhaushalt eine direkte Verbindung zum Shuttle. Die dünne blaue Nabelschnur reicht aber nur wenige Meter rund um den Landeplatz. Gut, dass du einen eingebauten Drucker im Rucksack und ein Grabungs-Tool mit Saugfunktion im Gepäck hast, mit denen du zunächst Rohstoffe in Form von Gemisch direkt neben dem Landeplatz abfarmen und schließlich zu einem Bündel Verbindungen verarbeiten kannst. Schon wird die Entfernung zu der Basis größer, die Ressourcen vielfältiger und das Abenteuer immer größer.

Abseits der Wege warten nun kunterbunte Wälder, seltsame Gesteinsformationen und giftige Fauna, die das Vorankommen erschweren. Nach einigen Stunden geht es mit einem von Ressourcen gefüllten Rucksack wieder zurück in die Basis. Ein neuer Drucker muss her, der nun größere Einrichtungen und Tools bauen kann. Schnellstens wird die Energie im Lager knapp, wenn der Drucker seine Arbeit leistet, eine Forschungsstation neue Punkte für Freischaltungen generiert und ein Schmelzofen Eisen herstellt. Also noch ein paar Solarmodule aus abgestürzten Wracks bergen, deren verschollene Teams zuvor entsandt wurden, um auf dem Planeten eine Basis zu errichten.

Am Horizont siehst du bei dieser Mission ein seltsames Schimmern. Getrieben von Neugier wird der Sammeltrieb für einen Moment eingestellt. Hinter dem nächsten Berg liegt dir ein mysteriöses Konstrukt zu Füßen. Glänzend im Licht der zwei Sonnen und doch scheint es die Lichtquelle um sich herum fast zu absorbieren. Was erwartet dich wohl, wenn du die Steckverbindungen im Inneren der Konstruktion mit Energie versorgst? Nur eines von vielen Abenteuern, die du mit Astroneer erleben wirst.

Im All hört dich niemand rumstressen

Die meisten Spieler, die jetzt zu diesem Kleinod hinzustoßen, werden vermutlich mit einer falschen Erwartung an Astroneer herangehen. Im Gegensatz zur Konkurrenz gibt es hier keine feindlichen Lebensformen auf den Planeten, die dir ans Leder wollen. Auch fehlen wirklich schwerwiegende Umweltfaktoren, die permanent im Blick behalten werden müssen und irgendwann schlichtweg Stress verursachen. Astroneer ist der Gegenentwurf zu No Man’s Sky, obwohl es ihm so ähnlich ist. Mit Astroneer bekommst du eine spielbare Lavalampe, mit der du nach einem nervigen Arbeitstag schlichtweg entspannen kannst. Denn in Astroneer ist jeder kleine Schritt des Weges ein echter Fortschritt.

Die Faszination des Spiels besteht darin, die unbekannten Welten zu erkunden, neue Rohstoffe auf und unter der Erde zu finden und diese anschließend in der stetig wachsenden Heimatbasis zu analysieren und zu verarbeiten. Dadurch gibt es neue Gebäude, Fahrzeuge oder Verbesserungen, die dich schließlich zu deiner eigenen Rakete bringen und so weitere Planeten mit anderen Ressourcen eröffnen. Im Laufe meiner Spielzeit habe ich mich an die frühen Tage von Minecraft zurückerinnert gefühlt. Also genau diejenigen Zeiten, in denen ich noch nicht aus dem Effeff wusste, wie eine Spitzhacke gebaut wird und die Grundlagen ohne große Hilfe von Guides und Anleitungen selbst ergründet musste.

Astroneer löst dieses wohlige Gefühl des Unbekannten und der Erkundungslust wieder in mir aus. Gerade weil es keine großen Stressfaktoren gibt, verliere ich mich nur allzu gern in den bunten Umgebungen und Basteleien. Schließlich muss ich hier im Gegensatz zu Minecraft nicht die erste Nacht in einem Loch unter der Erde verbringen, während Zombies versuchen, mich zu beißen. Das bedeutet aber nicht, dass Astroneer völlig frei von „aufregenden“ Momenten ist. Flieg du erst einmal mit dem nagelneuen Shuttle auf einen Planeten Lichtjahre entfernt der eigenen Basis, um dann dort festzustellen, dass der Antrieb auf dem Hinweg zerstört wurde. Wie zur Hölle komme ich denn jetzt zurück?

Ein ganzer Packen neuer Spaß

Die wichtigste Frage, deren Antwort diesen Test auch zu einem runden Abschluss bringen soll, habe ich schon zu Beginn gestellt. Lohnt sich Astroneer 1.0 eher für neue Spieler oder werden selbst die Veteranen wieder aus dem Ruhestand zurückgelockt? Die Antwort liegt wie bei so vielen Fragen irgendwo dazwischen. Auf dem Papier bietet Astroneer sieben „neue“ Planeten, die sich dank der neuen Terrain-Engine zumindest optisch von ihren früheren Pendants unterscheiden. Im Grunde bieten sie aber einen ähnlichen Aufbau und dieselben Ressourcen, wurden aber sinnvoll ergänzt und aufgehübscht.

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Dazu gesellen sich dann neue Gebäude, Fahrzeuge, Tools und ein überarbeitetes Interface. Letzteres krankt aber immer noch – vor allem für Neulinge – an einer leicht verwirrenden Steuerung. Immerhin bringt das Tutorial notwendige Aufklärung, ohne alle Elemente des Spiels schon vorweg zu nehmen und so das spielerische Rumprobieren kaputt zu machen. Auch wurden einige Elemente – wie die Druckmodule – ein wenig zusammengefasst und vereinfacht, um es neuen Spielern leichter zu machen und den Basenbau etwas geordneter zu gestalten.

Dementsprechend muss ich zu Astroneer 1.0 abschließend sagen, dass es die beste Version ist, um mit dem Spiel einzusteigen. Gerade wenn du dir bis zu drei Freunde schnappst und jetzt einsteigst, werden die Stunden nur so verfliegen. Und dann dürften die Macher schon mit neuen Ideen und Updates vor der Tür stehen. Erfahrenere Spieler haben mit neuen Elementen ebenfalls einen Anreiz bekommen, wieder einen Blick auf Astroneer zu werfen, werden aber vermutlich das Gefühl nicht los, dass die Änderungen ruhig etwas gravierender sein könnten.

Wirklich spannend dürfte es jetzt erst so richtig werden, wenn die Entwickler auf die finale Version aufbauen. In einem öffentlichen Roadmap-Board stehen künftige Punkte wie aggressive NPC-Tiere, Wettersysteme, Farming und Mod-Support auf dem Zettel. Die Zukunft von Astroneer – da bin ich mir sicher – dürfte ziemlich rosig ausfallen. Und jetzt entschuldigt mich: Ich brauche noch ein bisschen Aluminium und Gummi für einen großen Rover. Neue Welten erkunden sich schließlich nicht von allein.

Astroneer wird genau deinen Geschmack treffen, wenn du gern unbekannte Welten erkundest und viel rumprobieren willst.

Astroneer dürfte dich wenig beeindrucken, wenn für dich zu Survival unbedingt Monster, Waffen und Angst ums Überleben gehört.

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