Spionage-Angriff auf Apple: Steckt die chinesische Regierung dahinter?

Holger Eilhard 1

Nach den Enthüllungen von Edward Snowden folgt nun ein neuer Bericht, der zeigt, mit welchen Methoden Geheimdienste Unternehmen und Nutzer belauschen sollen. Im aktuellen Fall dreht sich dabei alles um einen geheimen Chip in Reiskorngröße.

Spionage-Angriff auf Apple: Steckt die chinesische Regierung dahinter?
Bildquelle: Brian A Jackson/Getty Images.

Spionage auf hohem Level: Kleiner Chip, große Wirkung

Edward Snowden beschrieb vor einigen Jahren, dass Geheimdienste angeblich Pakete auf dem Weg zu den Empfängern umleiten, um deren Inhalte, zum Beispiel Server oder Router, mit eigener Software auszustatten. War damals die Rede von der NSA, soll in dem aktuell von Bloomberg Businessweek beschriebenen Fall nun eine Spezialabteilung der chinesischen Volksbefreiungsarmee („People’s Liberation Army“, kurz PLA oder VBA) für die Spionage verantwortlich sein.

Der Lauschangriff soll dabei durch kleinste Chips, die etwa so groß wie ein Reiskorn sind, gelingen. Apple und Amazon sollen laut Bloomberg diese winzigen Bauteile bereits im Jahr 2015 auf den Mainboards ihrer Server gefunden haben. Die Spionage-Chips sollen dabei bereits während der Produktion auf die von Super Micro gebauten Mainboards aufgelötet worden sein.

Bloomberg beruft sich auf 17 anonyme Quellen aus der US-Regierung und den Hardware-Herstellern. Auf der anderen Seite dementieren sowohl Apple als auch Amazon die Vorwürfe mit eigenen Pressemitteilungen.

Laut dem Bericht von Bloomberg sollen keine Kundendaten gestohlen worden sein. Leider geht aus dem Bericht nicht hervor, wie genau der Spionage-Chip seine Hintertüren nutzt. Er soll aber dazu in der Lage sein, Daten auf dem Weg zum Prozessor verfälschen zu können. Dadurch könnten etwaige Sicherheits­vorkehrungen des Betriebssystems umgangen werden. Der Chip soll des Weiteren mit externen Servern Kontakt aufnehmen können. Ob dies in den Fällen von Amazon und Apple aufgrund der extremen Sicherheitsvorkehrungen in den Rechenzentren der Fall war, geht aus dem Bloomberg-Bericht ebenfalls nicht hervor.

Apple entdeckt geheime Chips nach unbekannten Netzwerkaktivitäten

Amazon soll die Chips bei einem Audit des Video-Streaming-Spezialisten Elemental Technologies entdeckt haben. Amazon hatte die Übernahme des Startups im September 2015 angekündigt. Die Lösungen von Elemental ermöglichen unter anderem den Live-Stream von Videoinhalten und sind so auch in den Rechenzentren des US-Verteidigungsministeriums, Kriegsschiffen oder der CIA, welche die Server im Rahmen der Drohnenflüge einsetzen, zu finden. Der Kauf weiterer Mainboards von Super Micro soll im Jahr 2016 eingestellt worden sein.

Apple war ebenfalls für lange Zeit ein Kunde von Super Micro; so gab es angeblich Pläne mehr als 30.000 Server des Unternehmens für neue Rechenzentren zu kaufen. Nachdem Apple aber angeblich ebenfalls im Jahr 2015 die Wanzen gefunden haben soll, beendete man die Zusammenarbeit. Laut Bloomberg soll Apple im Mai 2015 unbekannte Netzwerkaktivitäten und Firmware-Probleme bemerkt haben.

Apple sagte, dass man niemals derartige Hardware-Manipulationen entdeckt habe. Es soll lediglich im Jahr 2016 einen einzelnen Fall eines Servers in einem Labor gegeben haben, bei dem ein infizierter Treiber gefunden wurde. Über diesen Fall wurde bereits zuvor berichtet.

So sieht es im Inneren eines Rechenzentrums bei Apple aus:

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Was sonst niemand sehen darf: Bilder von Apples weltweiter Datenzentrale.

Chinesische Agenten sollen Vorarbeiter und Fabrikbesitzer bestochen haben

Nach der Entdeckung sollen die US-Geheimdienste mit ihren Untersuchungen begonnen haben, die auch heute noch aktiv sein sollen. Im Rahmen dieser Ermittlungen soll man weitere Opfer des Angriffes entdeckt haben.

Gleichzeitig hat man aber auch den Weg der Lieferkette von Super Micro nachvollziehen können. So sollen Agenten und Mittelsmänner der chinesischen Geheimeinheit Mitarbeiter und Besitzer von Fabriken bestochen haben, um die Chips auf den Platinen unterzubringen.

Bloomberg beschreibt außerdem, dass die in diesem Fall gefundenen Chips deutlich größer sind als andere Modelle, die bei den Untersuchungen gefunden wurden. Während die hier beschriebenen Chips noch auf die Platine gelötet werden müssen, können neuere Varianten in die Platine selbst integriert werden und sind damit so gut wie unsichtbar. Die Größe dieser Chips wird mit der Spitze eines angespitzten Bleistifts verglichen.

Aktuell stehen der Bericht von Bloomberg und die Dementis der beiden Unternehmen im direkten Gegensatz. Sollte sich der Bericht trotz der Dementis von Apple und Amazon bewahrheiten, könnte dies für die gesamte Lieferkette aller elektronischen Geräte, die zumindest in Einzelteilen fast immer aus chinesischer Herstellung kommen, enorme Folgen haben. So könnten etwa die Rufe nach lokal produzierten iPhones, iPads und Macs weiter steigen. Die Preise für diese dürften dann aber deutlich höher sein, als es heutzutage der Fall ist.

Quelle: Bloomberg Businessweek, Apple, Amazon

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