Modisch gesehen gestaltet sich das TalkBand B2 als eleganter Blickfang. Durch seine schmalen Abmessungen wirkt es weniger klobig als gängige Smartwatches, wenngleich es etwa die Moto 360 in der Höhe übertrifft. Zudem sind die Schließen der Armbänder so positioniert, dass sie beim Auflegen des Armes nicht stören.

 

Huawei TalkBand B2

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Da der Akku langlebig und das Gerät gegen Wasser und Staub geschützt ist, eignet es sich für den konstanten Einsatz, vom Schlaf-Tracking in der Nacht über die morgendliche Dusche durch den Arbeitstag und beim Sport. Im Test zeigte sich aber gerade hier ein großer Denkfehler: Ausgerechnet die Premium-Variante des TalkBands nutzt eine Faltschließe aus nickelhaltigem Metall. Nickel ist berüchtigt als Auslöser von Kontaktallergien, und so zeigte sich auch nach etwa 3 Tagen im Einsatz beim Sport und bei Nacht eine starke allergische Reaktion beim Tester (die bis zum Ende des Tests sicht- und spürbar blieb). Glücklicherweise kommen die Gummiarmbänder komplett ohne Nickel aus, weshalb der Test fortgesetzt werden konnte – dennoch ein grober Schnitzer, der das immerhin 30 Euro teurere Premium-TalkBand für viele Menschen unbenutzbar (zumindest im Dauereinsatz) macht als die günstige Variante.

Die Messwerte des TalkBands waren etwa vergleichbar mit jenen, die Google Fit über den integrierten Schrittzähler des Nexus 6 ermittelte. Lediglich beim Messen eines Laufs zeigte sich unerwartetes Verhalten: so wurden für die gleiche Zeit 24 Minuten Gehen und 22 Minuten Laufen registriert – wie diese zu einem Gesamtergebnis verrechnet wurden, ist nicht ganz klar. Auch die Registrierung von Schlaf leidet unter Ungenauigkeit. Dadurch, dass der Start der Schlafenszeit automatisch ermittelt und nicht vom Benutzer angegeben wird – wie etwa beim Sony SmartBand SWR10 – können Werte verfälscht werden, wenn man beispielsweise vor dem Schlafen im Bett einen Film schaut.

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Die Synchronisierung von Messwerten allerdings ist ungeschickt gelöst. Da das TalkBand lediglich über Bluetooth 3.0 kommuniziert, wäre eine ständige Verbindung zum Smartphone sehr energieintensiv. Deshalb werden Werte nur explizit übermittelt, wenn man die Huawei Wear-App startet oder aktualisiert – und wenn die Verbindung unterbrochen wurde, wird sie nicht automatisch wieder hergestellt. Die Kommunikation über Bluetooth 4.0 LE wäre hier definitiv die intelligentere Lösung gewesen.

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Ebenfalls ungeschickt ist die Platzierung des Displays hinter einer spiegelnden Oberfläche. Was schick aussieht, wird im Außeneinsatz sogar schon bei bedecktem Himmel zum Hindernis: An sonnigen Tagen lässt sich das Display des TalkBand B2 gar nur ablesen, wenn man mit der anderen Hand Schatten spendet.

Als Bluetooth-Headset funktionierte das TalkBand jedoch tadellos. Durch angenehm akzentuierte Vibration macht es auf eingehende Anrufe aufmerksam. Dank des leicht bedienbaren Schließmechanismus lässt sich dann das Kernstück schnell aus dem Armband entnehmen und im Ohr platzieren – ein Klick auf den Button nimmt das Gespräch entgegen. Die Befestigung in der Ohrmuschel erfordert zunächst etwas Übung, dann aber sitzt das Kernstück des TalkBand gut genug, dass man bedenkenlos damit seines Weges gehen kann. Die Sprachqualität ist dank geräuschunterdrückender Mikrofone an der Gegenseite überraschend gut und auch die Ausgabe ist laut und klar genug, um im städtischen Alltagslärm kurze Telefonate zu führen.

Fazit

Hinter der hübschen Fassade des Huawei TalkBand B2 versteckt sich ein lediglich halbherzig umgesetztes Produkt. Die Idee, ein Bluetooth-Headset auch während des Leerlaufs nützlich zu gestalten, ist gut – dann hätte man aber auch bedenken müssen, welche Anforderungen dieser Einsatz mit sich bringt. Eine nicht hautverträgliche Schließe ist hier nur das offensichtlichste Manko, der Verzicht auf Bluetooth 4.0 LE technisch unverständlich und die schlecht programmierte App schlicht eine Frechheit.

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Wer einen Fitness-Tracker sucht, sollte sich also definitiv bei den etablierten Anbietern umschauen. Wer dagegen ein Bluetooth-Headset mit vertretbarer Sprachqualität möchte, das abseits seines Primären Zweckes einige Zusatzinformationen liefert, kann zugreifen. Aufgrund der Komplikationen und des Preisunterschiedes empfehlen wir allerdings nur die günstigere Variante in Weiß/Silber oder Schwarz.

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Lukas Funk
Lukas Funk, GIGA-Experte.

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