Gewährleistung und Garantie: Was ist was? Die 10 wichtigsten Fragen beantwortet

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Es ist immer ärgerlich, wenn etwas kaputt geht, egal ob Mac, iPhone, iPad oder andere Gadgets. Besonders, wenn sie ganz neu sind. Zum Glück gibt es neben der Hersteller-Garantie den gesetzlichen Anspruch auf Gewährleistung, mit dem man sich an den Verkäufer wenden kann. Wir zeigen, wie das geht und welche Rechte man als Käufer hat.

Gewährleistung und Garantie: Was ist was? Die 10 wichtigsten Fragen beantwortet

Das System aus Gewährleistung, Reparatur und Ersatz ist auf den ersten Blick recht kompliziert und auch so mancher Verkäufer wird nicht alle Details kennen. Umso besser, wenn man als Käufer ein paar Grundlagen drauf hat, um im Schadensfall nicht völlig ahnungslos da zu stehen oder abgewimmelt zu werden.

Deshalb beantworten wir hier die häufigsten Fragen und versuchen, ein paar der verbreitetsten Irrtümer auszuräumen.

1. Was ist der Unterschied zwischen Garantie und Gewährleistung?

Eigentlich ganz einfach: Eine Garantie bieten die Hersteller freiwillig und sie deckt meist mehr ab, als die gesetzlich vorgeschriebene Gewährleistung.

Ihre Laufzeit ist frei wählbar, ebenso wie ihr Inhalt und ihre Reichweite. Viele Hersteller bieten kostenlose Garantien und die Möglichkeit, diese gegen eine Gebühr zu verlängern. Es lohnt sich, genau darauf zu achten, welche Arten von Schäden von diesen Garantien abgedeckt werden!

Dagegen ist die Gewährleistungspflicht ein Institut des Zivilrechts, das nicht so einfach ausgeschlossen werden kann. Professionelle Verkäufer von neuen Gegenständen müssen zwei Jahre lang für die Funktionstüchtigkeit ihrer Waren einstehen. Auch wer beruflich Gebrauchtwaren verkauft, muss mindestens ein Jahr Gewährleistung bieten, wenn dies im Kaufvertrag oder den AGB so vereinbart wurde. Ist dies nicht der Fall, bleibt es bei zwei Jahren.

2. Was ist der Unterschied zwischen Gewährleistung und Widerruf?

Widerruf ist etwas anderes als Gewährleistung. Der wichtigste Unterschied: Für einen Widerruf muss kein Fehler, Defekt oder sonst ein Mangel vorliegen. Und er ist vor allem beim Einkauf übers Internet relevant. Wenn ich in einen Laden gehe und dort ein Smartphone oder einen Rechner kaufe, gibt es im Normalfall kein Widerrufsrecht.

Außerdem: Ein Widerrufs- oder Rückgaberecht ermöglicht es, sein Geld sofort gegen Herausgabe der Ware zurück zu bekommen. Gewährleistung bedeutet, dass der Verkäufer zunächst das Recht hat, es „noch einmal zu versuchen“ — entweder mittels Reparatur oder Neulieferung.

Kaufe ich ein Gerät bei Amazon oder anderswo im Internet, kann ich das Geschäft innerhalb von zwei Wochen nach Wareneingang komplett rückgängig machen, ohne Angabe von Gründen. Liegt der Wert des Kaufgegenstands unter 40 Euro und findet sich in den AGB oder im Kaufvertrag ein entsprechender Hinweis, muss der Käufer die Rücksendekosten tragen. Anderenfalls kommt der Verkäufer dafür auf.

Eine weitere Sache, die häufig mit den anderen beiden verwechselt wird, ist der Umtausch im Geschäft. Bietet ein Verkäufer in seinem Laden „Umtausch nicht beschädigter Ware innerhalb von zwei Wochen mit Kassenbon“, ist das reine Kulanz und kann problemlos für einzelne Produkte oder Produktgruppen ausgeschlossen werden.

3. Gilt die Gewährleistung auch beim Verkauf unter Privatleuten?

Die Regeln des BGB zum Gewährleistungsrecht sind nur zwingend, wenn der Verkäufer Unternehmer ist, also berufsmäßig als Verkäufer auftritt. Wenn von Privat an Privat verkauft wird, können das Gewährleistungsrecht und die damit verbundenen Ansprüche ausgeschlossen werden.

Allerdings muss hierfür ein entsprechender Passus in den Vertrag aufgenommen werden. Beim Kauf von einem Unternehmer wäre solch eine Klausel wirkungslos.

Das heißt allerdings nur, dass der private Verkäufer nicht solche Schäden auf eigene Kosten beseitigen muss, die nach dem Kauf auftreten. Wenn er einen Defekt verschweigt, zum Beispiel einen völlig „ausgelutschten“ Akku beim Smartphone oder eine fehlerhafte Festplatte beim Laptop, muss er trotzdem haften.

4. Wie lange habe ich das Recht auf Reparatur/Austausch bei einem Defekt?

Das Recht auf Gewährleistung im Mangelfall verjährt nach zwei Jahren. Diese Frist beginnt im Moment der Ablieferung des Gegenstandes an den Käufer.

Erhält man im Rahmen der Gewährleistung ein neues Gerät als Austausch, beginnt die Frist für dieses Gerät natürlich von Neuem zu laufen.

5. Ich kann mir also alle zwei Jahre ein neues Gerät holen, weil das alte “leider heruntergefallen ist”? (Oder: Welche Schäden deckt die Gewährleistung eigentlich ab?)

Nein. Der Käufer soll zwar vor Mängeln geschützt werden, allerdings nur vor solchen, die bereits im Zeitpunkt der Übergabe durch den Verkäufer ihren Ursprung hatten. Alles, was später erst passiert, ist gewissermaßen „Verschleiß“ und wird von der Gewährleistung nicht erfasst. Hierzu gehören zum Beispiel regulär abgenutzte Akkus, normale Gebrauchsspuren und Ähnliches.

Das heißt: Bricht ein Smartphone-Display nach 18 Monaten, weil ich es auf den Boden fallen gelassen habe, ist das persönliches Pech. Springt es aber ohne äußere Einwirkungen, weil bei der Fertigung Spannungen im Glas erzeugt wurden, ist das ein Gewährleistungsfall.

Wichtig: Innerhalb der ersten 6 Monate nach dem Kauf wird angenommen, dass die zugrundeliegende Ursache eines Schadens bereits im Moment der Übergabe an den Käufer vorhanden war. Der Verkäufer müsste das Gegenteil beweisen (Juristen nennen das „Beweislastumkehr“). Das kann er natürlich ganz leicht, wenn der Benutzer den Schaden offensichtlich selbst zu verantworten hat, etwa durch Fallenlassen oder sonst unsachgemäßen Gebrauch.

6. Wie oft darf der Verkäufer reparieren, bis ich ein Austauschgerät verlangen kann?

Die weit verbreitete Mär vom „Recht auf dreifache Reparatur“, bevor der Händler die Ware tauschen muss, ist nichts weiter als das: Eine Legende.

Es ist gut möglich, dass sie aus einer Verwechslung entstanden ist. Tatsächlich ist es nämlich so, dass der Käufer nach dem zweiten fehlgeschlagenen Reparaturversuch durch den Verkäufer im Regelfall vom Kaufvertrag ohne Fristsetzung zurücktreten kann (siehe dazu unten 8.).

Grundsätzlich kann sich der Käufer aussuchen, ob er lieber eine Reparatur oder ein Austauschgerät wünscht. Beide Varianten dürfen nicht mit zusätzlichen Kosten für den Käufer verbunden sein. Wie so oft im Recht gibt es aber auch hier Ausnahmen.

Vor allem dann, wenn es für den Verkäufer oder Hersteller unverhältnismäßig teuer wäre, euch ein neues Gerät auszuhändigen, kann er sich entscheiden, „nur“ zu reparieren. Umgekehrt ist es ihm ebenso möglich, die Reparatur zugunsten eines Austauschs zu verweigern.

Ein pauschales Verweigerungsrecht à la „drei Mal reparieren und dann erst tauschen“ gibt es aber nicht.

7. Ich habe gehört, dass man bei Auktionen sämtliche Gewährleistungsansprüche ausschließen kann. Gilt das also auch bei eBay-Auktionen?

Vorsicht: Die Verkaufsangebote bei eBay heißen zwar im Volksmund „Auktionen“ und sie laufen auch so ähnlich ab — gelten allerdings laut Bundesgerichtshof nicht als „echte“ Auktionen. Sie werden genau wie jeder andere Verkauf behandelt. Alles, was vorher passiert (Gebote, Höchstpreis, Startpreis, etc.) ist irrelevant.

Das heißt, dass auch bei eBay-Angeboten die Gewährleistung nur von Privatverkäufern ausgeschlossen werden kann. Profi-Anbieter sind dagegen verpflichtet, die ganz normalen Regeln zu beachten. Dazu gehört natürlich auch das Widerrufsrecht.

8. Was kann ich tun, wenn der Verkäufer sich mit der Reparatur ewig Zeit lässt?

Nehmen wir einmal an, ihr habt ein Smartphone gekauft und es ist kaputt. Es war nicht euer Fehler, sondern die Ursache lag bereits beim Kauf vor.

Nehmen wir weiter an, der Verkäufer erklärt sich bereit, das Smartphone zu reparieren. Es ist nur ein kleinerer Defekt, den er leicht selbst ohne größeren Aufwand beheben kann. Leider dauert die Reparatur länger und ihr werdet wieder und wieder vertröstet.

Nun habt ihr die Möglichkeit, dem Verkäufer eine Frist zu setzen und mit dem Rücktritt zu drohen. Die Frist muss natürlich angemessen sein — „bis morgen will ich das Teil haben“ wäre sicherlich nicht angebracht. In den meisten Fällen dürften zwei Wochen aber genügen.

Sollte die Reparatur innerhalb dieser Zeit nicht abgeschlossen sein, dürft ihr euer Geld zurück verlangen und euch das Smartphone bei einem anderen Händler besorgen. Im Gegenzug müsst ihr natürlich das defekte Gerät beim Verkäufer belassen.

9. Was kann ich tun, wenn der Verkäufer sich weigert, zur reparieren oder das Gerät auszutauschen?

Nehmen wir an, alles lief wie oben in Nr. 8. Aber: Der Verkäufer will von einer kostenlosen Reparatur nichts wissen und weigert sich auch strikt, euch ein Austauschgerät zu geben.

Hier ist es fast genau so wie in der vorigen Frage, mit dem Unterschied, dass ihr keine Frist mehr setzen müsst. Schließlich hat der Verkäufer bereits deutlich gemacht, dass er sich keinesfalls um eine Reparatur kümmern muss. Also könnt ihr sofort den Rücktritt erklären und euer Geld zurück verlangen.

Natürlich wird es in einem solchen Fall in der Realität häufig nicht so einfach sein, den Händler dazu zu bewegen, wenn er vorher bereits den Mangel nicht anerkannt und die Reparatur verweigert hat. Hier ist ein wenig Feingefühl gefordert — in letzter Konsequenz bleibt aber nur der Weg zum Gericht und/oder Rechtsanwalt eures Vertrauens.

10. Der Verkäufer meint, ich muss mich mit meinem defekten Gerät direkt an den Hersteller wenden, er habe damit nichts zu tun. Stimmt das?

Nein. Gewährleistungsansprüche erwachsen nur dort, wo auch ein Kaufvertrag besteht. Das ist der Fall zwischen Käufer und Verkäufer, nicht aber zwischen Käufer und Hersteller (außer beide fallen zufällig zusammen, etwa wenn man direkt im Apple (Online) Store einkauft).

Der Verkäufer bleibt seinerseits aber auch nicht auf eventuellen Reparatur- oder Austauschkosten sitzen. Er kann sich wiederum an den Hersteller wenden und sich den entstandenen Schaden ersetzen lassen.

Zum Abschluss noch eine wichtige Anmerkung: Wir bieten selbstverständlich keine konkrete Rechtsberatung, sondern geben nur Hinweise zu einigen Anwendungsbeispielen der Gewährleistungsregeln. Wir dürfen auch keine direkten Anfragen beantworten, auch nicht per E-Mail, die eure speziellen Einzelfälle betreffen.

Darüber hinaus weisen wir darauf hin, dass hier nur ein grober Überblick entstehen soll und von der Erläuterung diverser Details und Ausnahmen abgesehen wurde. Jeder Fall hat seine Eigenheiten und so kann es durchaus sein, dass die Ergebnisse für manche von euch anders ausfallen.

Falls ihr einmal gar nicht weiter kommen solltet, wendet euch am besten an einen Anwalt eures Vertrauens.

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