Schon bemerkt? WhatsApp ist unzerstörbar

Stefan Bubeck

Es gibt Typen, die lassen sich durch nichts beeindrucken: Der unfähige Trainer, der eigentlich weg muss, aber nicht weg geht. Der schmierige Politiker, der jeden Skandal übersteht. Der kontroverse Influencer, der immer mehr Fans bekommt, obwohl er nix drauf hat. Zeit um sich einzugestehen: WhatsApp ist auch so ein Typ.

Schon bemerkt? WhatsApp ist unzerstörbar
Bildquelle: GIGA.

WhatsApp: Was gerade passiert ist

WhatsApp wurde gehackt und der Mutterkonzern Facebook empfiehlt in einem Sicherheitshinweis dringend ein sofortiges Update. Betroffen sind praktisch alle Nutzer: Es handelt sich um eine Schwachstelle in der App, die Angreifern ermöglicht, per präpariertem WhatsApp-Anruf eine Überwachungs-Software (Spyware) auf dem Smartphone des Nutzers zu installieren. Selbst wenn man bei einem eingehenden WhatsApp-Anruf gar nicht abhebt, soll sich die Spionage-Software auf dem Handy einnisten können.

Die Sicherheitslücke wird mit folgenden WhatsApp-Updates gestopft:

  • WhatsApp für Android Version 2.19.13
  • WhatsApp für iOS Version 2.19.51
  • WhatsApp für Windows Phone Version 2.18.348
  • WhatsApp für Tizen Version 2.18.15

Alle Versionen, die älter sind (niedrigere Versionnummern) als die oben genannten, sind potentiell angreifbar. Hinter der Angriffstechnik stecke die israelische Firma NSO, die Hackerwerkzeuge für Geheimdienste und Sicherheitsbehörden bereitstellt – das vermutet die New York Times unter Berufung auf Sicherheitsexperten. Wie viele Personen schon Opfer der Sicherheitslücke geworden sind, das ist noch unklar – womöglich waren es nur einige ausgewählte Nutzer. Sicher ist: Ein Menschenrechtsanwalt in Großbritannien war das Ziel einer versuchten Attacke über die Anruf-Schwachstelle.

OMG Sicherheitslücke, zum Glück ASAP geschlossen:

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Die wichtigsten Chat-Abkürzungen für WhatsApp und Co.

Thomas Uhlemann, ESET Security Specialist, kommentiert: „Die aktuelle Sicherheitslücke in WhatsApp wird derzeit nicht für Massenüberwachungen eingesetzt, sondern dient für gezielte Angriffe. Dennoch ist nicht auszuschließen, dass mittelfristig diese Attacken von Cyberkriminellen flächendeckend ausgenutzt werden. Wir müssen uns auch zukünftig auf diese Art von Angriffen gegen Messenger- und Kommunikationsdienste einstellen. Insbesondere bei WhatsApp, weil es eine breite Masse von Anwender täglich nutzt.“

WhatsApp: Was in Zukunft passieren wird

Obwohl die Sicherheitslücke über die WhatsApp-Anruf-Funktion kritisch ist – man kann davon ausgehen, dass dies keinerlei Auswirkungen auf den seit Jahren anhaltenden Erfolg von WhatsApp haben wird. Werfen wir einen kurzen Blick auf die Zahlen:

WhatsApp ist mit über 1,5 Milliarden monatlich aktiven Nutzern weltweit einer der mächtigsten beliebtesten Dienste, die es überhaupt gibt. Als häufigster Nutzungsgrund wird in Deutschland angegeben, dass man dank der der App „mit Freunden in Kontakt bleiben“ könne:

Die allermeisten WhatsApp-Nutzer werden beide Statistiken bestätigen können: Fast jeder Mensch, den man kennt, ist dort erreichbar. Es ist ein Niveau erreicht worden, das eine Abkehr von WhatsApp praktisch unmöglich macht – außer man ist bereit, einige Personen aus dem Blickfeld zu verlieren.

Technische Argumente – etwa die oben beschriebene Sicherheitslücke oder wirtschaftspolitische Aspekte (kritische Haltung gegenüber dem Konzern Facebook, wegen Gründen) – sie alle verpuffen wirkungslos. Wer schon einmal ernsthaft versucht hat, Familie und Freunde zu einem gemeinsamen Umzug zu WhatsApp-Alternativen wie Signal oder Threema zu bewegen, kann ein Liedchen davon singen.

Dem derzeitigen Erfolg von WhatsApp wird kein einzelnes Vorkommnis etwas anhaben können. Der Mafiaboss John Gotti wurde seinerzeit mit dem Spitznamen „Teflon-Don“ versehen, weil sämtliche Anklagen an ihm abperlten wie Wassertropfen an einer beschichteten Pfanne.

Das soll jetzt nicht bedeuten, dass WhatsApp im übertragenen Sinne ein Schwerverbrecher ist. Aber die Eigenschaft der Unverwundbarkeit, die unendliche Widerstandsfähigkeit gegen jegliche Kritik und skandalöse Ereignisse – diese Eigenschaft darf man der allgegenwärtigen Messenger-App längst zuschreiben. Wie kam es nur dazu? Nun, wir alle haben ein wenig mitgeholfen. Eines Tages wird bestimmt auch WhatsApp (ganz langsam) ins Wanken kommen, aber sicherlich nicht in absehbarer Zeit.

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