Zelda & Mario in VR: Selbst Nintendo beißt sich die Zähne an VR aus

Lisa Fleischer 5

Erst wollten sie die virtuelle Realität anderen überlassen, jetzt veröffentlichte Nintendo doch ein eigenes VR-Headset – aus Pappe! Ich habe sie zusammengebaut, ausprobiert und weiß: Nicht einmal Nintendo selbst weiß die Technologie zu meistern.

Hätten sie doch nur Wort gehalten. Nintendo hat wider Erwarten ein eigenes VR-Headset veröffentlicht – als Nintendo Labo-Version, also aus Pappe und zum selbst zusammenbauen. Mit der umfangreichen Labo-Box kommt aber nicht nur die neue VR-Brille zu dir nach Hause, sondern auch zahlreiche Papp-Erweiterungen wie eine Windmühle und ein Elefanten-Rüssel, und eine Software, die nicht nur die Bauanleitung und das Entwickler-Kit enthält, sondern auch diverse VR-Minispiele mitbringt.

Nennst du darüber hinaus Super Mario Odyssey und The Legend of Zelda: Breath of the Wild dein Eigen, kannst du in beiden Spielen ebenfalls VR-Erfahrungen erleben. Ich habe die VR-Brille von Nintendo zusammengebaut und alle drei Spiel-Optionen ausprobiert.

Die Hardware: Überraschend stabil

Das Basteln der Nintendo Labo VR-Brille dauerte bei mir ungefähr ein bis zwei Stunden – nicht sehr viel Zeit, bedenkst du, dass du anschließend eine voll funktionsfähige VR-Brille in den Händen hältst. Dank detaillierter Anleitung auf der Nintendo Switch läuft beim Basteln alles reibungslos ab, mit den bedruckten Bögen kannst du als erwachsener Bastler nicht viel falsch machen. Kinder sollten hingegen von einem Erwachsenen bei der Aktion unterstützt werden, da die Brille nur gut funktioniert, halten alle gefalteten Pappbögen ordentlich zusammen.

Der Gläser-Einsatz kommt gut verpackt und ist das hochwertige Herzstück der Brille. Die fertige Hardware kommt mir durchaus stabil vor – dafür dass sie hauptsächlich aus Pappe besteht. Leider kommt sie ohne Halterung, wenn du spielst, musst du sie also die ganze Zeit manuell an deinen Kopf halten. Die Joy-Cons kann ich so natürlich nicht frei benutzen, sondern muss sie bei den meisten Spielen an der im VR-Headset befestigten Switch stecken lassen. Ich gewöhne mir deshalb an, bei vielen Spielen meine Ellenbogen auf einem Tisch abzustützen – bestimmt ein bescheuertes Bild für Außenstehende.

Du willst die Labo VR selbst zusammenstecken und ausprobieren? Das Labo Joy-Con-Paket mit Brille, Erweiterungen und Software gibt es unter anderem zu kaufen.

Nintendo Labo Toy-Con VR-Spiele: Leider viel zu simpel

Mit der Nintendo Labo VR-Brille kommen wie gesagt auch einige VR-Minispiele. Die meisten lassen sich leider nur freischalten, baut man auch die dazugehörige Papp-Erweiterung – weil mir dies dann doch zu viel Zeit raubt, belasse ich es dabei, die wenigen Spiele auszuprobieren, die ohne Erweiterung auskommen. Diese sind leider nicht sonderlich lohnenswert – du schiebst ein simples, weißes Figürchen durch eine lieblos leere Welt – und das auch noch mit einer ungenauen Steuerung, wie sie noch nicht einmal die günstige Google Cardboard aufweist.

Die viel zu simple und dann auch noch unscharfe Grafik so direkt vor Augen zu haben, löst bei mir im Magen ein flaues Gefühl aus – leider im wahrsten Sinne des Wortes! Also höre ich recht schnell wieder auf zu spielen. Ich kann mir aber vorstellen, dass die Software für alle kreativen Macher durchaus Sinn ergibt, schließlich kannst du mit ihr auch deine eigenen VR-Games erschaffen.

Zelda: Breath of the Wild in VR: Mein Magen wird flauer

Nach einer kleinen Pause, als sich mein Magen wieder beruhigt hat, probiere ich dann Zelda: Breath of the Wild in VR aus. Nintendo lässt dich das ganze Spiel unbegrenzt in VR erleben, ermahnt dich aber, regelmäßig Spiel-Pausen einzulegen. Bis dato hatte ich noch nicht die Zeit, das umfangreiche Action-Adventure zu spielen – jetzt tauchte ich also zum allerersten Mal in die Welt ein. Und was soll ich sagen: In VR ist sie tatsächlich genauso schön wie im klassischen Spiel-Modus, außerdem fühlst du dich der Welt erstaunlich nahe, als seist du wirklich in ihr.

Zumindest bis du zum ersten Mal die Kamera bewegst. Dann wirst du nämlich merken, dass sie sich wie im Original auch immer noch um Link schwenkt – neigst du deinen Kopf nach oben oder unten, schaust du nicht etwa auf das grüne Gras oder in den blauen Himmel, sondern wahlweise auf Links Kopf oder sein Gesäß. Die ungewohnte Perspektivänderung schlägt sofort wieder auf meinen empfindlichen Magen – innerhalb kürzester Zeit wird mir unfassbar schlecht! Ich kann gerade einmal den ersten Hügel hinterlaufen und die ersten Objekte einsammeln, schon muss ich die Brille wieder weglegen und eine zweistündige Medien-Pause einlegen – so schlecht wie jetzt war mir schon lange nicht mehr!

Super Mario Odyssey: So gut wie kurz – leider

Als ich später dann Super Mario Odyssey in meine Konsole einlege, frage ich mir, warum ich mir das nur antue – aus den vorherigen Erfahrungen mit der Labo VR schließe ich, dass mir wieder ultimativ schlecht wird. Aber weit gefehlt: Das Level, das dir in Super Mario Odyssey präsentiert wird, ist perfekt gelungen. Du stehst fixiert auf einer imaginären Plattform und navigierst den davon losgelösten Mario in dem um 360 Grad gehenden Level. Dein Ziel: Verschiedene unsichtbare Instrumente zu finden, um eine Band bestehend aus Mario-Charakteren spielen zu lassen.

Nachdem ich diese Aufgabe gemeistert habe, freue ich mich auf zahlreiche weitere Level – und muss enttäuscht feststellen, dass es das erst einmal war. Super Mario Odyssey ist nämlich nicht etwa komplett spielbar, es gibt lediglich ein paar Extra-Level, von denen ich nur das erste spielen kann. Wie ich die weiteren Level freischalten kann, finde ich in den nächsten zehn Minuten nicht heraus und weil mein Magen von den vorherigen Spiel-Erfahrungen sowieso noch etwas flau ist, war es das erst einmal mit meinem Ausflug in die Virtuelle Realität von Nintendo.

Dabei gibt es durchaus schon Spiele, die in der virtuellen Realität zu überzeugen wissen:

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Virtual Reality: 6 unfassbare VR-Erfahrungen, die Dich überzeugen werden.

Nach dem Spielen bekomme ich das Gefühl nicht los, dass es das auch erst einmal war mit VR als Gesamtkonzept. Bislang hatte noch jeder Hersteller von VR-Brillen ein Problem – ob nun den horrenden Preis, die Kabel-Stolperfalle, Motion-Sickness oder ein zu repetitives Gameplay. Ob die virtuelle Realität noch einmal praktikabel für Gamer sein wird? Wenn sich sogar schon Videospiel-Urgestein Nintendo daran die Zähne ausbeißt, wage ich das doch stark zu bezweifeln.

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