Apple AirPods im Test: Die Besten – mit Luft nach oben

Sebastian Trepesch 31

Gleich mehrere Aspekte der AirPods werden heiß diskutiert: Design, Lieferverzögerung, Apple-Service, Preis, … Wie schlagen sie sich in unserem Kopfhörertest? Hier das Ergebnis:

Apple AirPods im Test: Die Besten – mit Luft nach oben
Bildquelle: GIGA.

Die Apple AirPods sind völlig kabellose Kopfhörer, die drahtlos mit dem iPhone verbunden werden. Und das ist das Besondere: Apple hat sie so konzipiert, dass sie sich wie kein anderer Bluetooth-Kopfhörer in das Apple-Universum integrieren. Ladebox aufgeklappt, und das danebenliegende iPhone zeigt gleich den Verbindungsdialog. Die Koppelung wird über iCloud mit anderen Apple-Geräten synchronisiert.

Aber was hat sich Apple bei dem Design gedacht, fragen sich viele. Nach der Vorstellung im Herbst musste der Hersteller Spott über sich ergehen lassen. Der Vergleich mit einem Kopf einer elektrischen Zahnbürste ist das bekannteste Beispiel. Alles Humbug? Im Testvideo kann sich jeder selbst seine Meinung zum Design bilden:

Apple AirPods im Test.

AirPods im Test: Tragekomfort

Bei der Vorstellung der EarPods 2012 erklärte das Unternehmen stolz, dass es hunderte Ohren gescannt habe, um dieses Design zu entwerfen. Schließlich sollten die Kopfhörer möglichst vielen iPhone-Besitzern passen. Die Form hat sich bewährt und auch seine Nachahmer gefunden. Vielen passen die Hörer perfekt, manchen Personen aber überhaupt nicht. Auch hier in der Redaktion. Mit den EarPods, die den iPhones beiliegen, kann jeder ausprobieren, ob die AirPods passen. Denn die Form hat Apple, abgesehen vom dickeren Stummel und Sensorenöffnungen, nicht geändert.

Beeindruckende 8 Gramm zeigt die Briefwaage für beide Stöpsel an. Damit sind sie für ihren Nutzer deutlich „unauffälliger“ als andere Hörer. Dem flachen Design sei Dank, halten die AirPods sehr gut im Ohr, siehe Video. Nicht einmal beim Herunterziehen der Mütze fallen sie heraus. Eine Alternative, die VerveOnes von Motorola (Test), lagen da schon mal vor dem Supermarkt auf dem Weg. Diese ragen weiter aus dem Ohr heraus, fühlen sich klobiger an – und halten eben nicht so gut. 

Also: Die AirPods sitzen gut, sind leicht und wenig spürbar. Da hat Apple gute Arbeit geleistet.

AirPods im Test: Funktionen

Das kleine Design hat aber auch einen Nachteil: Für eine Lautstärken- und Musiksteuerung bleibt kein Platz. Wer sich von einer nächsten Kopfhörergeneration Hörer mit Touch-Oberfläche wünscht, wird vergeblich warten: Zumindest bei diesem Design könnte man die Hörer aus dem Ohr schieben, das wird Apple sicher unterlassen. Bleibt für die Musiksteuerung lediglich ein Doppeltipp, um Siri zu starten. Der Sprachassistent versteht „Lauter“, „Nächster Titel“ etc., In der vollen U-Bahn nutzt man Siri aber nur ungern, zumal es mehr Zeit und eine Internetverbindung benötigt. Praktisch ist zumindest, dass das Herausnehmen eines Hörers die Wiedergabe stoppt und beim Einsetzen wieder startet.

Der Doppeltipp lässt sich übrigens auch mit Play/Pause belegen, die Einstellungen und weiteres sind in der Galerie zu sehen:

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Apple AirPods: Die wichtigsten Infos in Bildern.

Der W1-Chip in den AirPods erlaubt eine etwas ausgefeiltere Kommunikation mit den iOS-Geräten. Das Koppeln wird somit noch simpler, beide Hörer können auch einzeln genutzt werden. Über iCloud und die Apple ID wird die Verbindung auf andere Geräte übertragen – ein toller Service. Allerdings läuft noch nicht alles rund, nutzt man mehrere iOS-Geräte mit den AirPods. Spielen sie zum Beispiel Musik vom iPad und trifft ein Anruf auf dem iPhone ein, schalten sie nicht (immer) um. Gute Bluetooth-Headsets können das. Vereinzelt lief bei Gerätewechsel der Ton nicht auf Anhieb über die AirPods, oder ein Verbinden in den Bluetooth-Einstellungen wurde notwendig. Probleme, die sich aber zum Glück über Software-Updates beseitigen lassen.

Die Hardware an sich liefert gute Voraussetzungen für eine reibungslose Nutzung: Verbindungsabbrüche wie bei Konkurrenzmodellen hatten wir im Alltag keine. Das ist in dieser Produktkategorie leider keine Selbstverständlichkeit (bestes Beispiel Bragi The Dash)– muss es aber natürlich sein.

airpods-test-akku

Auch hinsichtlich Ausdauer sind die AirPods der Konkurrenz teilweise voraus: Apple beziffert die Laufzeit auf fünf Stunden. Nach drei Stunden (leisen) Musikhörens stand im Test die Akkuanzeige noch auf respektablen 50 Prozent. Samsungs Gear IconX haben da schon längst schlapp gemacht. Die Dauer ist allerdings von der Nutzung abhängig, vor allem beim Telefonieren scheint der Verbrauch höher zu sein. Die wenigsten dürften aber die AirPods am Stück leeren – und zwischendrin setzt man sie ja wieder in das Case. Das Böxchen lädt die Hörer, ob per Lightning-Anschluss oder mit dem verbauten Akku, welcher für 24 Stunden Laufzeit reichen soll.

Klangqualität der AirPods im Test

Bleiben wir gleich beim Telefonieren: Selbst an einer Straße lässt sich telefonieren, die AirPods filtern die Hintergrundgeräusche gut heraus. Allerdings: Ich habe noch kein In-Ear-Headset gefunden, das eine bessere Sprachqualität als das iPhone selbst liefert – denn beim Smartphone ist das Mikrofon dem Mund näher. Auch die AirPods können das Smartphone nicht übertreffen. Die Sprachfilterung leistet aber einen sehr guten Job, die Verständlichkeit ist wesentlich besser als bei den VerveOnes+. Das ergab ein Blindtest über Telefon, ein direkter Vergleich. Die Aufnahme der AirPods ist gezielt auf Sprach- und Telefonfrequenzen optimiert – sie klingen nicht schön, aber verständlich. Für Musikskizzen oder Sprachnotizen sind iPhone-Mikrofon und das Kabel-Headset eine deutlich bessere Wahl.

Kommen wir zum Musikhören: Der Klang der AirPods unterscheidet sich nur minimal von den EarPods (eventuell elektronisch bedingt). Das heißt: Für einen kleinen Ohrhörer, der nicht den Gehörgang abschließt, ist der Sound erstaunlich voll, mit etwas Punch und moderat-kräftigem Bass (also nicht übertrieben). Dass er dennoch etwas weichgespült klingt, liegt an der mäßigen Transparenz und geringen Tiefenstaffelung. 180-Euro-Klangniveau bekommt man hier bei Weitem nicht. Die uns bekannte kabellose Konkurrenz ist aber klanglich nicht besser, im Gegenteil. Den Preis zahlt man offensichtlich für die Drahtlostechnologie.

Sehr angenehm: Von Störgeräuschen bleibt man bei den AirPods verschont. Kein Kabelklappern, keine Schrittgeräusche wegen eines abgedichteten Gehörgangs (siehe auch den Test von In-Ear-Kopfhörern mit Bluetooth). Und auch kein Rauschen von einem mäßigen Chip.

test-apple-airpods

Testfazit zu den Apple AirPods

Völlig kabellose Kopfhörer sind noch eine Seltenheit. Apple macht vieles besser als die Konkurrenz und ist dabei mit 179 Euro nicht einmal teurer. Wenngleich es beim Gerätewechsel noch manchmal hapert, sind die Hörer im Allgemeinen sehr alltagstauglich und komfortabel, mit einem guten Sound für unterwegs. Vielleicht wurde hierfür ganz bewusst der mögliche Spott über das Design in Kauf genommen – oder im Vorfeld nicht bedacht.

Trotzdem: Wer die EarPods mag, findet in den AirPods eine schöne kabellose Alternative.

Und noch ein Hinweis: Wer einen Hörer verliert, kann ihn einzeln nachkaufen. Zudem ist es möglich, den Akku austauschen zu lassen. Manch einer freut sich, dass der Hersteller den Service anbietet, manch einer kritisiert die Preise.

Apple-AirPods-Wertung-test
Testwertung Apple AirPods

  • Klang: 75 Prozent
  • Tragekomfort: 90 Prozent
  • Hardware, Design & Funktionen: 80 Prozent
  • Akku: 85 Prozent

Gesamt: 80 Prozent (der Klang bildet 50 Prozent der Gesamtnote)

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Vorabtest vom 16.12. aktualisiert zum vollständigen Test am 22.12.2016.

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