Mobilfunktarife in Deutschland: So werden wir geschröpft

Johann Philipp 3

Handytarife in Deutschland sind teuer, bieten vergleichsweise wenig Datenvolumen und der Empfang außerhalb von Städten lässt häufig zu wünschen übrig. Was ist los im deutschen Mobilfunknetz?

Mobilfunktarife in Deutschland: So werden wir geschröpft
Bildquelle: Flickr – gernhaex (CC-BY 2.0).

Mobilfunk in Deutschland: Hohe Kosten – wenig Datenvolumen

Die drei großen Mobilfunkanbieter in Deutschland bestimmen die Preise für unsere Handytarife. Im Vergleich zu unseren Nachbarn ist das Preis-Leistungs-Verhältnis unterirdisch. Das Marktforschungsinstitut Statista hat untersucht, wie viel Datenvolumen ein Kunde für maximal 30 Euro im Monat bekommt. Deutschland liegt mit 15 GB auf dem letzten Platz.

Echte Flatrates für unbegrenztes Surfen sind in Dänemark und den Niederlanden längst Realität und kosten knapp 30 Euro im Monat. Bei uns sind sie hingegen Mangelware oder unbezahlbar. Seit März bietet die Telekom einen neuen Tarif mit echter Daten-Flatrate an. Man surft so viel man möchte, ohne Beschränkung. 80 Euro kostet dieser „Luxus“ pro Monat. Sind wir Deutsche Smartphone-Nutzer 2.Klasse oder warum schaffen es dieselben Konzerne im Ausland so viel bessere Tarife anzubieten?

Infografik: Deutsche haben vergleichsweise wenig Volumen | Statista

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Mobilfunk-Datenvolumen: Diese Pakete nutzt die GIGA-Redaktion (2018).

Konzerne argumentieren mit hohen Kosten

Schon in unserem letzten Artikel zum Mobilfunk in Deutschland haben wir die Begründung der Konzerne aufgelistet, warum Mobilfunktarife bei uns so teuer sind. Es sind immer die gleichen Argumente. Deutschland nehme eine Sonderrolle ein: Wegen der hohen Bevölkerungsdichte braucht es mehr Sendemasten, die Anbieter müssen Lizenzen erwerben, um überhaupt ein Netz anbieten zu können und das Mobilfunknetz wird im Gegensatz zu anderen Ländern nicht vom Staat gefördert.

Ja, die Konzerne haben hohe Kosten: Ein Mobilfunknetz zu betreiben ist kostspielig. Aber über leere Kassen muss sich niemand beklagen. Der Umsatz in der Mobilfunk-Branche in Deutschland lag im Jahr 2017 bei rund 26,2 Milliarden Euro. Den größten Anteil daran hat die Telekom mit 8 Milliarden Euro. Genug Geld, um in das Netz zu investieren, sollte also da sein. Das Problem ist der geringe Wettbewerb: Mit der Übernahme von E-Plus gibt es nur noch drei große Netzbetreiber. Sie können die Preise unter sich ausmachen.

Die Bundesregierung hat nun angekündigt, den Netzausbau voranzutreiben. Bundesverkehrsminister Scheuer (CSU) spricht offen über den „untragbaren Zustand“ des Mobilfunknetzes. Es bleibt zu hoffen, dass auch die Konzerne bald diese Einsicht erlangen.

Quelle: Statista, Spiegel

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