Wenn die Rundfunklizenz Streamer mit unter 20 Zuschauern trifft

Marina Hänsel 4

Die Rundfunklizenz ist zurück – und eigentlich war sie nie weg. Nachdem Let’s Player und Streamer Gronkh vor einem Jahr seine Rundfunklizenz erwerben musste, sind jetzt auch die ganz kleinen Twitcher dran: Streamer Der Zinni hat zu Hochzeiten 20-30 Zuschauer auf Twitch, einer Rundfunklizenz braucht er trotzdem.

Was soll ich tun?“ fragt Der Zinni in einem kürzlich hochgeladenen YouTube-Video, in dem er alle Details zur Rundfunklizenz und zu seinem Angebot darlegt. Es gibt genau drei Möglichkeiten, was genau er tun kann:

  • Ohne Rundfunklizenz streamen und auf ein Bußgeld warten (bis zu 500.000 Euro)
  • Twitch verlassen und nicht mehr streamen
  • eine Rundfunklizenz erwerben
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Das ist es, das sind seine Möglichkeiten. Nun muss er selbst, wie er auch im Video erklärt, nicht tausende Euro zahlen, sondern – aufgrund seines kleinen Angebots – um die 100 Euro für die Lizenz. Gar kein Problem? Für ihn nicht, denn er zahlt gerne, um weiter streamen zu dürfen, auch wenn er selbst als Affiliate-Streamer nicht gerade reich von dem Hobby wird. Was aber ist mit all jenen, die gerade anfangen oder so jung sind, dass sie auch 100 Euro nicht mal so eben abtreten können?

Weitere Kosten & Einschränkungen

100 Euro für eine Rundfunklizenz, da gebe ich dir recht, ist nicht so viel. Was aber kommt auf den Hobby-Streamer noch zu, außer die kleine Summe an Geld? Ein Jugendschutzbeauftragter, wie ich weiter oben schon erwähnt habe; aber wer ist das genau und was muss der können? Zinni hat sich das ebenso gefragt, wie wir und rief kurzerhand bei der Landesmedienanstalt an, um Klarheit zu schaffen. Demnach kann ein Jugendschutzbeauftragter auch ein ganz normaler Lehrer sein und wenngleich er in Zukunft sein waches Jugendschutz-Auge über die Inhalte des Senders schweifen lassen muss, ist es nicht gesetzlich nötig, ihn zu bezahlen.

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Möglich wäre es demnach sicher, einen Freund mit dem Jugendschutz zu beauftragen. Aber auch das reicht noch nicht: Denn ein Sender benötigt ein Impressum, und da muss dann auch eine richtige Adresse stehen, die viele Twitcher nur sehr gern preisgeben dürften. Im Interview mit GIGA GAMES hat Zinni das bestätigt:

Daher fallen weiter Kosten für andere sogenannte „ladungsfähige Anschriften“ an. Meine Privatsphäre wird also auch durch solche Vorgaben massiv eingeschränkt, wenn ich kein Geld investiere.“

Die Rundfunklizenz ist kein Zuckerschlecken, denn durch sie wird der eigene Twitch-Kanal zum offiziellen Sender. Ganz egal, wie winzig er ist: „Wenn man schon einer der kleinsten Sender Deutschlands ist, will man dann natürlich auch seine Produktionsqualität entsprechend anpassen.

Qualität ist keine Voraussetzung, was aber, wenn doch plötzlich mehr Menschen auf den Kanal aufmerksam werden und er an Popularität gewinnt? Zinni musste wahrscheinlich sehr viel weniger bezahlen als etwa Streamer und Let’s Player Gronkh, ändert sich das aber vielleicht, wenn er berühmter wird?

Nach meinem aktuellem Stand sind die Lizenzkosten einmalig, jedoch wird wohl nachgeprüft, wenn sich die Situation gravierend ändert.“

Das ist schon ein wenig amüsant. Müssen Streamer in Zukunft aufpassen, dass sie nicht zu bekannt werden? Was müssen Frischlinge bezahlen, die gerade mit dem Streamen anfangen? Ist die Rundfunklizenz bald eine 100-Euro-Eintrittskarte für Twitch? Auch, wenn Zinni mittlerweile einen guten Kontakt zur Landesmedienanstalt hat und in Zukunft alle Bedingungen seiner Lizenz mit den Verantwortlichen besprechen kann, ändert das nichts an einer möglichen Hemmschwelle für jene, die in Zukunft twitchen wollen:

„Wenn man aber am Anfang gleich 100 Euro (oder mehr) ‚Eintritt‘ zahlen muss, ist dies sicher nicht sehr förderlich für die Medienvielfalt und schreckt vor allem junge Menschen ab im Internet selbst Inhalte zu erstellen.“

Falls du selbst streamst oder dich das Thema interessiert, solltest du dir das informative Video von Der Zinni ansehen:

Und Zinni ist nicht der einzige kleine Streamer, der plötzlich zum offiziellen Sender ausgerufen werden soll – Affiliate-Streamer Fienon hat durchschnittlich 3 Zuschauer und muss sich ebenfalls eine Rundfunklizenz zulegen. Sein Video kannst du dir auf YouTube ansehen.

Die Zukunft? Ab ins Ausland!

Nun will ich die deutsche Streaminglandschaft im Angesicht der Rundfunklizenz nicht schwärzer malen, als sie ist – oder in Zukunft sein wird. Die Frage ist aber doch, was passiert, wenn die Rundfunklizenz weiterhin auf jene Art funktioniert, wie jetzt gerade: Indem nur diejenigen, die von andere verpetzt werden, Briefe der Landesmedienanstalt erhalten – indem Streaming-Gelder verlangt werden, die außerhalb von Deutschland nicht abgetreten werden müssten.

Was würdest DU tun, wenn du aufgrund deines wie auch immer großen Twitch-Kanals einen solchen Brief erhältst? Zinni sieht das Ganze kritisch:

Wenn sich die Gesetzeslage nicht ändert, werden immer mehr Streamer bei den Medienanstalten angeschwärzt werden. Diesen Verwaltungsakt und die Einschränkungen werden sicher nicht alle Streamer mitmachen. Große werden ins Ausland abwandern oder aufhören. Nach Veröffentlichung meines Falls musste ich zudem oft lesen, dass viele bereits ihre Idee, mit dem Streamen anzufangen, an den Nagel gehangen haben. Das ist einfach nur traurig und zeigt, dass sich etwas ändern muss.

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Ab ins Ausland? Das könnte in Zukunft ein durchaus begehrenswerter Ausweg werden, immerhin reicht ein kleiner Umzug nach Österreich oder in die Schweiz. Und warum gelten auf Twitch nicht wenigstens dieselben Regeln für jeden Streamer? Warum müssen Kanäle erst bei der Landesmedienanstalt gemeldet werden, ehe sie ins Auge gefasst werden? Eine 100-Euro-Hemmschwelle trägt keineswegs zur Förderung der deutschen Streaming-Landschaft bei, und abgesehen davon: Sollten kleine, private Streams wirklich unter den Begriff Rundfunk fallen? Wenn es nach der Landesmedienanstalt geht, wird Twitch bald mit den kleinsten Sendern Deutschlands aufwarten.

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