Apple TV 4 im Test: Nicht perfekt, macht aber ordentlich Spaß

Sebastian Trepesch 12

Apple TV war für den Hersteller lange nur ein „Hobby“. Doch schon Steve Jobs wollte mit dem Produkt in die Wohnzimmer einziehen. Ist die kürzlich präsentierte Neuauflage nun dieses Highlight und gar die angekündigte „Zukunft des Fernsehens“? Apple TV 4 in unserem Test.

Apple TV 4 im Test: Nicht perfekt, macht aber ordentlich Spaß

„Die Zukunft des Fernsehens ist da“, verkündet Apple stolz . Keine Frage, für das einstige Hobby ist die 4. Generation mehr als ein kleines Update. Denn viel hat sich geändert.

Ein Überblick im Video:

Apple TV vorgestellt.

Hardware, Funktionsumfang, Betriebssystem, Fernbedienung, alles ist nun weitgehend neu. Im Test beleuchten wir die wichtigsten Merkmale – zum aktuellen Stand. Denn klar ist auch: manch Update wird noch Erweiterungen und Verbesserungen bringen.

Apple TV 4 bei Cyberport *

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Vom Smartphone zum Fernseher: Mit Fire TV Netz-Videos rüber beamen.

Apple TV 4 (2015) im Test: Benutzerfreundlichkeit 

Eine benutzerfreundliche Oberfläche, dafür stehen Apple-Produkte. Apple TV kann in manchen Teilen nicht mit dem iPhone mithalten und ist in anderen wiederum wegweisend.

Innovativ ist der Einrichtungsprozess, so wünscht man ihn sich auch für iPad & Co: WLAN-Einstellung und Apple-ID werden bei der Einrichtung von Apple TV automatisch vom iPhone übertragen, wenn man das möchte. Das Smartphone muss hierbei (a la NFC) nahe an die Box gehalten werden, der Datenaustausch erfolgt über Bluetooth. Somit erspart man sich das mühsame Tippen auf Apple TV.

Und da sind wir schon bei einem negativen Teil der Benutzerfreundlichkeit: Tippen ist dank der neuen Fernbedienung auf Apple TV zwar einfacher als bei den älteren Geräten, aber immer noch recht umständlich. Zudem kann man (aktuell noch) keine Bluetooth-Tastatur anschließen. Und das, obwohl der Schreibaufwand wegen App Store & Co gestiegen ist.

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Gut, wir haben ja noch Siri. Der Sprachassistent ist (noch) auf die Filmsuche und -Steuerung spezialisiert, funktioniert dafür auch bei englischen Titeln gut. Ebenfalls möglich: App öffnen, Wettervorhersage anzeigen und ähnliches. Vieles fehlt aber noch, zum Beispiel die Spracheingabe in Suchfelder oder die Verwendung innerhalb Apps wie Youtube.

Die tvOS-Oberfläche ist gewohnt übersichtlich und wirkt für Besitzer der letzten Generationen von Apple TV vertraut. Die 3D-Effekte sind schick und dezent genug, um als „edel“ bezeichnet werden zu können.

Fernbedienung Siri Remote von Apple TV im Test

Die Bedienung von Apple TV habe ich bereits gesondert vorgestellt, Herzstück ist das Hardware-Highlight Siri Remote. Ein Überblick über die neue Bluetooth-Fernbedienung im Video:

Bedienung des Apple TV mit Siri Remote.

Die Bedienung mit Siri Remote ist ein schöner Fortschritt gegenüber der bisherigen Apple Remote. Film spulen, Text eingeben, eigentlich gelingt alles komfortabler als mit der früheren Fernbedienung. Toch-Gesten sind vor allem bei Spielen praktisch. Früher oder später gibt es sicher Zubehör wie für die Wii, zum Beispiel ein Lenkrad für Rennspiele, in die Siri Remote eingelegt wird. Aktuell bekommen wir zumindest die Halteschlaufe Apple Remote Loop, damit die Fernbedienung bei aktiven Spielen nicht im Fernseher landen kann.

Fazit zu Benutzerfreundlichkeit und Bedienung: Apple TV hat es zwar nicht in allen Punkten auf iPad-Niveau geschafft, die Bedienung ist aber deutlich besser als bei dem früheren Modell. Für eine Set-Top-Box sehr gut! Kleinere Verbesserungen, z.B. die Unterstützung von Bluetooth-Tastaturen und Sortierung der Apps in Ordner, werden hoffentlich bald folgen.   

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Die Hardware von Apple TV 4. Generation im Test

Apple TV ist eine gut ausgestattete Box, das Leistungsniveau mancher Bauteile entspricht dem iPhone 6. Heißt: Hier gibt es ordentlich Power für Spiele und andere Apps, wenngleich als Prozessor der A8, nicht der A9 des iPhone 6s, in der Box arbeitet.

Ich habe von einem Tester gehört, dass HD-Filme nicht ruckelfrei laufen würden. Bei mir lief alles vorbildlich flüssig, sowohl direktes Streaming aus dem iTunes Store, als auch von anderen Diensten, als auch vom Mac aus über AirPlay. Auch mit Full-HD (1080p). Alles andere wäre sehr verwunderlich, die Hardware ist hierfür mehr als gut genug ausgestattet. Eventuelle Probleme dürften eher aus dem eigenen Netzwerk, der Internetverbindung oder dem Dienst selbst her rühren.

Bei den Apple-Diensten muss man allerdings ein paar Sekunden Wartezeit zum Puffern in Kauf nehmen, bekommt dafür gleich die beste Qualität. Mir gefällt die Lösung der ZDF-App besser: Das Video des Senders startet sofort, allerdings zunächst in sehr niedriger Auflösung – sie wird nach einigen Sekunden angehoben.

Zwei Ausführungen der Set-Top-Box bietet Apple an, unterschiedlich ist die Speichergröße: 32 beziehungsweise 64 Gigabyte. Damit Apps die Box nicht in wenigen Tagen zumüllen, hat sich Apple ein besonderes Speichermanagement überlegt. Apps selbst dürfen maximal 200 Megabyte groß sein, während des Betriebs dürfen aber 2 Gigabyte auf einmal heruntergeladen werden. In der Praxis bewährt sich diese Strategie aber noch nicht, im Gegenteil: Sie führt bei Spielen wie Galaxy On Fire & Co zu langen, lästigen Wartezeiten. Hier sollte Apple in einem System-Update dringend nachbessern. 

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Größter Kritikpunkt, dem Apple TV in der Technik-Szene (unter anderem von meinen Android-Kollegen) nachgerufen wird, ist die fehlende 4K-Ultra-HD-Unterstützung. Nvidia ist mit Shield TV da schon weiter. Apple TV bietet als maximale Auflösung Full HD (1080p). Das entspricht der Blu-ray (720p bis 1080p). Ich muss gestehen, ich schaue mir manchmal noch eine DVD an – uups, 576p. Über mangelnde 4K-Unterstützung darf ich mich also nicht beklagen. Wie mein Fernseher dürfte auch bei den meisten anderen Lesern der Fernseher „nur“ Full HD ausgeben. 

Andererseits: 4K-Bildschirme starten diesen Winter . Wer einen hochauflösenden Fernseher besitzt, möchte auch entsprechende Inhalte. Apple TV bietet hier kein zusätzliches Kaufargument.

Fazit zur Hardware: Wer sich 4K-Auflösung wünscht, wird enttäuscht. Ansonsten ist die Ausstattung löblich.

Zweite Seite: Apps, Testfazit, Vor- und Nachteile

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