Es hätte so schön sein können, doch die Gutmütigkeit der Unternehmen wird einfach schamlos ausgenutzt. Kostenloses Laden bei Aldi, Lidl, Ikea und Co. muss endlich beendet werden – zumindest in der aktuellen Form.

Aldi, Lidl und Ikea wollen Kunden etwas Gutes tun

Man möchte es kaum glauben, aber Aldi Süd bietet seinen Kunden schon seit sechs Jahren die Möglichkeit, beim Einkaufen das E-Auto kostenlos aufzuladen. Lidl, Ikea und andere Händler haben sich dieses Konzept zum Vorbild genommen und bieten an neuen Filialen seit einiger Zeit ebenfalls Ladestationen an. Während es in den letzten Jahren mit der Strategie und dem unkontrollierten Zugang keine großen Probleme gab, ändert sich das jetzt. Durch die Prämien beim Kauf von E-Autos und neuen, wirklich guten Elektroautos ist die Anzahl der Fahrzeuge deutlich angestiegen. Gleichzeitig auch das Interesse an kostenlosen Ladestationen, die an Discountern und anderen Läden stehen. Und genau da zeigt sich jetzt das Problem.

Der Strom-Schnorrer im Tesla Model S

Händler, die eine E-Auto-Ladestation installieren und den Zugang kostenlos zur Verfügung stellen, wollen ihren Kunden während des Einkaufs die Möglichkeit geben, ihr E-Auto problemlos aufzuladen. Diese Großzügigkeit wird seit geraumer Zeit schamlos ausgenutzt.

In unserer Stadt mit etwa 80.000 Einwohnern wurde vor einigen Monaten am neuen Lidl die erste kostenlose Ladesäule mit 50 kW aufgestellt. Jedes Mal, wenn ich dort nach der Arbeit einkaufen gehe oder einfach nur vorbeifahre, sehe ich dort dieses eine rote Tesla Model S stehen. Statt im Lidl einkaufen zu gehen, sitzt der Fahrer gemütlich im Fahrzeug, den Sitz schön nach hinten gestellt und spielt am Handy. Einmal musste ich dort etwas längere Zeit verbringen und konnte beobachten, wie der Fahrer ankam, genau eine Stunde lud, was bei Lidl maximal möglich ist und dann einfach davon fuhr. Ein Audi-E-Tron-Fahrer kam an, hat die Situation gesehen und sich dann auf einen normalen Parkplatz gestellt, während er im Lidl einkaufen war. So ist das mit Sicherheit nicht vorgesehen.

Während in unserer relativ kleinen Stadt die Anzahl der E-Autos noch überschaubar ist, ist das in Großstädten ein großes Problem. E-Auto-Fahrer, in erster Linie wohl welche mit einem Tesla, sprechen sich sogar in WhatsApp-Gruppen ab, um an kostenlosen Ladesäulen einen nahtlosen Übergang zu gewährleisten und nicht warten zu müssen – berichtet t3n.

Das kostenlose E-Auto-Laden wird deswegen ein Ende haben

Die Situation an den Ladesäulen wird mit der Zeit zu einem Problem werden, da es immer mehr E-Autos gibt. Die Zulassungszahlen steigen deutlich, da die Prämie mit insgesamt 9.000 Euro sehr attraktiv ist. Das Ausnutzen der kostenlosen Angebote wird aber dafür sorgen, dass die Möglichkeiten eingestellt werden. Lidl hat schon damit begonnen, die eCharge-App einzuführen. Ikea hat die Geschwindigkeit gedrosselt, mit der Kunden laden können. Klar, im Ikea verbringt man längere Zeit, wenn man einkaufen geht. Aldi wird auch folgen, sobald ein Unternehmen die Reißleine zieht und das Laden des E-Autos an einen Einkauf im Laden bindet.

Genau das würde ich begrüßen. Ich will mir in absehbarer Zukunft ein E-Auto kaufen. Kein Tesla für 100.000 Euro, sondern eher ein E-Auto, das ich in der Stadt nutzen kann. Ein Dacia Spring ist aktuell mein Favorit, da der Škoda Citigo e iV kaum mehr zu bekommen ist. Wenn ich dann bei Lidl einkaufe, würde ich den Wagen dort natürlich auch laden wollen. Steht dann ein Tesla dort, der einfach nur Strom schnorrt, wäre das wirklich bitter.

Extrem günstiges E-Auto von Dacia:

Dacia Spring im Video vorgestellt

Es wird interessant sein zu sehen, wie die Händler das Problem mit den Ladestrom-Schnorrern lösen. Wenn man bedenkt, dass man bei Lidl in einer Stunde etwa 40-45 kW bekommt und die aktuell einen Wert von über 15 Euro haben, dann lohnt sich das kostenlose Laden natürlich für die E-Auto-Fahrer. Doch dass die Ladesäulen so blockiert und das Wohlwollen der Händler ausgenutzt wird, welche die E-Mobilität mit den kostenlosen Ladestationen fördern, ist einfach frech. Kostenloses Laden beim Einkaufen gern, ohne Einkauf aber nicht. So muss und wird es in Zukunft auch sein.