Während man für Intel-Prozessoren mit mehr als 8 Kernen eher tief in die Tasche greifen muss, bietet AMD seine Top-Modelle der Ryzen-Prozessoren im Desktop-Bereich im direkten Vergleich verhältnismäßig günstig an. Doch wie schafft der Chiphersteller das eigentlich? Jetzt hat AMD das Geheimnis endlich gelüftet.

Günstige AMD-Prozessoren: Kostenvorteil durch Chiplet-Design

Mit dem Ryzen 9 3900X und dem Ryzen 9 3950X bietet AMD Prozessoren mit 12 bzw. 16 Kernen zum Sparpreis an. Während für den Zwölfkerner aktuell etwa 480 Euro aufgerufen werden, kostet das leistungsstärkere Modell ungefähr 770 Euro. Das klingt im ersten Moment nach viel Geld, doch wenn man das Ganze mal in Relation zu den Preisen aktueller Intel-Prozessoren setzt, sieht es schon wieder etwas anders aus. Für den Otto-Normal-Verbraucher bietet Intel nämlich gar keine Chips mit so vielen Kernen an – erst im HEDT-Sektor wird man fündig. Dort gibt es mit dem Intel Core i9-10920X einen Zwölfkerner ohne Kühler, der für etwas mehr als 850 Euro den Besitzer wechselt.

Doch warum sind Intels High-End-Prozessoren im Vergleich zu den AMD-Chips so teuer? Ganz einfach: Die Produktionskosten sind deutlich geringer. Auf der Solid-State Circuits Conference 2020 hat AMD gezeigt, wie man es geschafft hat, sich gegenüber dem direkten Rivalen einen derart hohen Preisvorteil zu erkämpfen. Das Geheimnis: das Chiplet-Design.

Immer mehr Leute greifen inzwischen im Desktop-Markt zu einem Chip von AMD. Doch warum ist das so?

AMD vs. Intel: Wie sich Intel die Butter vom Brot klauen lässt Abonniere uns
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AMD verbaut auf seinen Prozessoren sogenannte CCDs (CPU Complex Dies) mit maximal acht aktiven Kernen. Werden mehr als acht Kerne benötigt, können einfach mehr CCDs verbaut werden. Zudem können auch zwei teildefekte CCDs dazu genutzt werden, um einen funktionierenden Achtkerner zu bauen. Dadurch sinkt der Ausschuss und damit auch die Produktionskosten. Bei Intel hingegen setzt man im Desktop-Segment auf ein monolithisches Design. Auf den Prozessoren kommt also nur ein einziges Chiplet zum Einsatz. Dadurch gibt es mehr „Ausschussware“, die nur bedingt zweitverwertet werden kann – ergo: Die Produktionskosten steigen an und damit auch der Verkaufspreis.

Chiplet-Design bei AMD-Prozessoren: So groß ist die Ersparnis wirklich

Was für einen Unterschied das modulare Design macht, zeigt AMD an einem Gedankenspiel. Mal angenommen, AMD würde seine Prozessoren ebenfalls in einem monolithischen Design fertigen, wie würden sich die Produktionskosten ändern? Die folgende Grafik zeigt das eindrucksvolle Ergebnis:

Bild: AMD

Das Fazit: Je mehr Kerne die CPU besitzt, desto mehr lohnt sich das modulare Chiplet-Design von AMD. Schon bei der Produktion des Achtkerners können die Kosten reduziert werden, wirklich profitabel wird das Ganze aber erst beim 16-Kerner. Hier kann der Preis der Fertigung dadurch mehr als halbiert werden. Würde man also bei der Produktion des Ryzen 9 3950X auf ein monolithisches System setzten, könnte AMD den Prozessor höchstwahrscheinlich nicht ansatzweise so günstig anbieten.

Vor diesem Hintergrund wird es interessant zu sehen sein, ob Intel in den kommenden Jahren ebenfalls auf diese Art der Chip-Fertigung für den Desktop-Markt umsteigen wird. Sollte man sich mit AMD in diesem Segment einen Preiskampf liefern wollen, wird man darum höchstwahrscheinlich gar nicht herumkommen. Jetzt heißt es also abwarten.