Naturkatastrophen, Energieknappheit – wir gewöhnen uns so langsam an die Vorstellung, dass die Versorgung mit Elektrizität und Internet keine Zwangsläufigkeit ist. Genauso, wie man Lebensmittel- und Wasservorräte für den Ernstfall anlegen sollte, hat es Sinn, ein Kommunikationsmittel auf dem Handy bereit zu halten, mit dem man notfalls auch ohne Internet kommunizieren kann.

Ein Tool für einen solchen Fall ist der Open-Source-Messenger Briar. Er hat Funktionen, die im Ernstfall entscheidend sein können. Briar gibt es kostenlos für Android über den Play Store und F-Droid. Eine Version für iOS gibt es aufgrund der Einschränkungen in Apples Betriebssystem nicht (Quelle: Briar bei Twitter).

Die Briar zugrunde liegende Idee ist unzensierbare Kommunikation. In Ländern mit Telekommunikationsüberwachung oder fehlendem öffentlichen Internetzugang will das Projekt eine Plattform für freie Meinungsäußerung stellen, ein Werkzeug für Journalisten und Aktivisten. Die Features machen die App aber auch für Situationen relevant, in denen andere Kommunikationswege gestört sind, zum Beispiel aufgrund eines Stromausfalls, einer Naturkatastrophe, Krieg und dergleichen.

Dezentral und anonym – so funktioniert Briar

  • Briar ist ein P2P-Messenger, P2P ist die Abkürzung für Peer-to-Peer. Das bedeutet, dass man Nachrichten nicht über einen zentralen Server austauscht. Stattdessen bilden alle Nutzenden zusammen ein Netzwerk, Nachrichten werden von Teilnehmer zu Teilnehmer weitervermittelt. Da es keinen neuralgischen „Angriffspunkt“ in Form eines zentralen Servers gibt, ist die Infrastruktur praktisch nicht offline zu nehmen oder zu blockieren.
  • Briar funktioniert auch über das gewöhnliche Internet, dann allerdings über das TOR-Netzwerk. Damit werden IP-Adressen von Sender und Empfänger verschleiert.
  • Zudem tauschen Teilnehmer des Netzwerks Nachrichten direkt untereinander aus, wenn sie sich in unmittelbarer Nähe zueinander befinden. Dafür werden Bluetooth und das WLAN der Endgeräte genutzt.
  • Alle Nachrichten sind Ende-zu-Ende-verschlüsselt, können also nur jeweils auf den Endgeräten von Sender und Empfänger gelesen werden.
  • Neben direkter Kommunikation bietet die App auch rudimentäre Features zum Bloggen, eine Gruppen- und eine Foren-Funktion.
  • Es gibt keine zentralen Nutzerkonten, das heißt, man muss sich nirgends anmelden. Accounts sind standardmäßig anonym und an das jeweilige Smartphone gebunden. Auf dem Smartphone muss man jeweils ein Kennwort eingeben, um Zugriff auf Nachrichten zu haben.

Durch die P2P-Natur des Netzwerks können Nachrichten in der eingebauten Blog-Funktion, in Foren und Gruppenchats auch zeitversetzt übertragen werden, etwa, wenn sich eine Person mit installiertem Briar in eine andere Gegend bewegt und dort, praktisch wie ein Briefträger, neue Postings an andere, vorher physisch getrennte Briar-User ausliefert.

Eine besonders coole Funktion von Briar ist „Diese App offline teilen“. Damit kann man Briar auch auf anderen Android-Smartphones installieren, indem man die APK-Datei aus der App heraus auf ein anderes Gerät überträgt. So kann man auch im Ernstfall die App noch auf andere Geräten bringen, selbst wenn diese keinen Zugriff auf F-Droid oder den Play Store haben.

Wie immer bei P2P-Netzen gilt: Je mehr mitmachen, desto robuster ist das Netz. Wichtig ist, dass Personen, die direkt miteinander kommunizieren möchten, sich gegenseitig per QR-Code als Kontakt hinzufügen. Diesen Schritt sollte man mit Bekannten, Nachbarn und Familienmitgliedern im Idealfall schon im Vorfeld vornehmen.

Diagramm, das zeigt, wie Postings in Briar mithilfe physischer Übermittlung weiterverteilt werden können, auch wenn kein Internet vorhanden ist.
Jeder Briar-Nutzer ist auch gleichzeitig „Postbote“. (Bildquelle: briarproject.org)

Man sollte sich auch der Tatsache bewusst sein, dass Briar ein eher rudimentäres Tool ist. Große Dateien wie Bilder werden nur langsam übertragen, einen Account von einem Gerät zu einem anderen zu übertragen ist nicht möglich. Wenn das Handy verloren oder kaputt geht, sind alle Nachrichten, sowie die digitale Identität des Nutzenden verloren. Das macht den Messenger eher zu einem Tool für den Ernstfall statt für den Alltag. Trotzdem: Briar installiert zu haben, schadet nichts.