Die traurige Geschichte von 25 Entwicklern, die für ein nicht-existierendes Studio arbeiteten

Daniel Hartmann

Wie kannst du für ein nicht-existierendes Videospielstudio arbeiten? Ganz einfach, du bastelst einen Monat für ein Spiel, das deiner Firma nicht gehört – tatsächlich gibt es deine Firma auch gar nicht, ups! – und dann wartest du auf deine Gehaltschecks. Vergeblich. Keine schöne Geschichte.

Jene unglückseligen Mitarbeiten waren Teil des Teams von Drakore Studios. Ein neu gegründetes Unternehmen von einem Mann namens Rana Mahal, der von den beiden Indie-Entwicklern Mert Dinçer und Tim Popov die Rechte an ihrem PVP-Rollenspiel Zeal kaufte und mit ihrer Hilfe das mit Startschwierigkeiten kämpfende Spiel groß rausbringen wollte. Dafür stellte er ein Team aus über 25 Mitarbeitern zusammen, die gemeinsam an Zeal arbeiten sollten. Kotaku sprach mit einigen dieser Mitarbeiter, sowie mit Rana Mahal und alles fügte sich zu einer sehr unschönen Geschichte zusammen.

Zeal? Hier das Spiel, in das die Mitarbeiten ihre Zeit steckten:

Problem war nur, dass Drakore Studios überhaupt nicht existierte. Mahal behauptete, dass seine Familie 25.000 Dollar in das neue Studio investierte und erzählte von seinen guten Kontakten bei Riot Games und den Amazon Game Studios, blieb aber jedes Mal einen Beweis schuldig. Auch behauptete er, mit Dragen Age-Creative Director Mike Laidlaw gearbeitet zu haben, der sich aber auf Nachfrage von Kotaku seltsamerweise an keinen Rana Mahal erinnern konnte. Amnesie?

Oder Betrug.

Schließlich blieben all die großen Namen und Kontakte nichts als leere Worte. Ebenfalls leer blieben die Bankkonten der Mitarbeiter, denn nicht einer von ihnen wurde bezahlt. Nach einigen Wochen wurden die Leute bei Drakore Studios misstrauisch, doch für den entgültigen Beweis braucht es jemanden außerhalb des Teams: Ein zunächst interessierter Investor teilte der Team-Managerin Brooke Holden mit, dass er Nachforschungen über das Studio angestellt hatte. Das Ergebnis: Huch, Drakore Studios gibt es ja gar nicht!

Kotaku bleibt Rana Mahal Erklärungen sowie sämtliche Beweise schuldig. Trotzdem schafft es die Geschichte, auf einer (halbweg) positiven Note zu enden: Keiner der Betroffenen mit denen Kotaku gesprochen hatte wollte den eigenen Traum von einem Job in der Videospielindustrie aufgeben. Sie sind also alle sehr hart im Nehmen.

Jeder hat Fehler. Auch die Videospielindustrie:

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Merke also: Wenn du ein Jobangebot aus dem Internet erhältst, solltest du doch lieber ein paar Nachforschungen anstellen, bevor du all deine Freizeit in die neue Arbeit steckst. Und falls dir etwas komisch vorkommt, kann es schon gut sein, dass wirklich etwas komisch ist. Bauchgefühl hat ja eben doch oft genug Recht, das sollten wir alle im Kopf – eh, Bauch – behalten.

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