AMD zieht ein weiteres Ass aus dem Ärmel – und stellt kurzerhand eine neue Grafikkarte vor. Gegen Nvidias neue Top-Modelle will man damit jedoch nicht in den Kampf ziehen, stattdessen greift man den Rivalen in einem ganz anderen Preisbereich an. Die Werbetrommel rührt man für den Pixelbeschleuniger trotzdem nicht. Was hat es mit diesem Modell auf sich?

Radeon RX 5300: AMDs neue Grafikkarte für Full-HD-Gaming

Keine Leaks, keine Gerüchte, keine Insider-Informationen und keine Pressemitteilung gab es zu ihr. Sie kam einfach aus dem Nichts: AMDs neue Grafikkarte, die Radeon RX 5300. Während Nvidia für jede neue GPU in den letzten zwei Jahren die Werbemaschinerie angeworfen hat, versucht man bei AMD anscheinend den Verkaufsstart der RX 5300 förmlich unter den Teppich zu kehren.

Bei der RX 5300 handelt es sich allem Anschein nach um eine abgespeckte Version der RX 5500 XT, AMDs bisherige Einsteiger-Grafikkarte für Full-HD-Gaming. Im Vergleich zum größeren Bruder bietet die RX 5300 statt 8 oder 4 nur 3 GB GDDR6-Grafikspeicher, zudem verringert sich das Speicherinterface von 128 auf 96 Bit. Ebenfalls reduziert wurde die Taktrate des Grafikchips. Während die RX 5500 XT in Spielen bis zu 1.717 MHz schnell wird, ist bei der RX 5300 schon bei 1.448 MHz Schluss. Was hingegen gleich bleibt, ist die Anzahl an Stream-Prozessoren. Auf beiden Karten finden sich 1.408 Stück davon.

Aufgrund dieser Änderungen verringert sich die maximale Rechenleistung mit einfacher Genauigkeit von 5,2 auf 4,63 TFLOPs. Immerhin, auch der Stromverbrauch reduziert sich von 130 auf 100 Watt. Ein zusätzlicher Stromanschluss ist bei dieser Leistungsaufnahme dennoch notwendig. Die Stromversorgung über das Motherboard reicht nicht aus.

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AMD vs. Nvidia: Ist die neue Grafikkarte schneller als die Konkurrenz?

Mit der Radeon RX 5300 möchte AMD ganz klar Nvidias GTX 1650 ausstechen. Laut den Hersteller-Benchmarks von AMD scheint das auch in einigen Spielen ganz gut zu funktionieren. Die RX 5300 kann sich gegenüber der GTX 1650 OC in den Spielen Battlefield 5, Monster Hunter World, Call of Duty: Modern Warfare und PUBG durchsetzen. Die Grafikeinstellungen waren in allen Spielen auf Hoch-Ultra gesetzt, die Bildraten der AMD-Grafikkarte lagen zwischen 69 (Monster Hunter World, CoD: MW) und 86 FPS (Battlefield 5) in Full-HD-Auflösung. Das Modell von Nvidia hingegen erreichte im Schnitt lediglich 44 (Monster Hunter World) bis 59 FPS (PUBG, Battlefield 5).

Sollte der Preis der RX 5300 also attraktiv genug sein, könnte sich die neue AMD-Grafikkarte tatsächlich als günstiges Einsteiger-Modell für PC-Spieler etablieren. Die 3 GB VRAM dürften sich bei einigen Spielen jedoch schnell als Flaschenhals entpuppen. Des Weiteren sollte man erste unabhängige Tests von Fachmagazinen warten, bis man ein endgültiges Fazit zieht.

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Was die Nvidia GTX 1650 der Konkurrenz ebenfalls voraus hat, sind die „Low Profile“-Versionen mit geringerer Leistungsaufnahme. Diese bieten zwar noch etwas weniger Leistung, benötigen jedoch keinen weiteren Stromanschluss und können direkt über das Motherboard betrieben werden, was bei einigen PC-Konfigurationen durchaus von Vorteil sein kann.

Einen offiziellen Preis für die RX 5300 gibt es bislang noch nicht. Es bleibt zudem abzuwarten, ob die Grafikkarte als XT-Modell überhaupt ihren Weg in den freien Handel findet, wie es bei der RX 5500 der Fall war. Die GTX 1650 kostet im Moment rund 130 Euro. Sollte die RX 5300 in einem ähnlichen Preisrahmen angeboten werden, könnte sie Nvidia die Butter vom Brot nehmen.