Die Schufa muss vor Gericht aufschlagen: Der Europäische Gerichtshof schaut bei automatisierten Scoring-Verfahren jetzt ganz genau hin. Für die Auskunftei steht im Fall der Fälle praktisch das ganze Geschäftsmodell auf dem Spiel. Doch die Schufa bleibt gelassen.

Schufa muss Stellung beziehen: Scoring-Verfahren auf dem Prüfstand

Der Europäische Gerichtshof (EuGH) verhandelt ab dem 26. Januar 2023 darüber, ob automatisierte Verfahren zur Prüfung der Kreditwürdigkeit mit dem Datenschutz vereinbar sind. Klingt technisch, doch dahinter versteckt sich eine Frage, die praktisch alle deutschen Verbraucher betrifft. Einfach ausgedrückt geht es darum: Kann die Schufa weitermachen wie bisher?

Die EU-Richter sollen prüfen, ob das Scoring-Verfahren der größten deutschen Auskunftei gegen die Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) verstößt. Dabei ist die Schufa selbst nicht angeklagt, sondern soll Stellung zur Frage beziehen. Dem Hamburger Abendblatt zufolge ist zu klären, welche Rolle der Schufa-Score beim Vertragsabschluss spielt. Ist er eine von vielen Quellen, die zur Bewertung der Kreditwürdigkeit potenzieller Käufer oder Vertragskunden herangezogen wird, könnte wohl alles beim Alten bleiben.

Problematisch werde es, wenn der EuGH entschiedet, dass die Schufa mittels Score entscheidet, ob Geschäfte zustande kommen oder nicht. Das sei mit der DSGVO nicht vereinbar – und könnte mithin das wichtigste Geschäftsmodell der Wiesbadener Auskunftei untergraben.

Banken und Sparkassen können etwa die von der Schufa gesammelten Daten nutzen, um bei einem Kredit zu entscheiden: Ist der Kunde oder die Kundin in der Lage, den Kredit zurückzuzahlen und Raten zu bedienen? Auch Unternehmen und Privatpersonen verlassen sich oft auf die Angaben der Schufa, so kann der Kauf vom Handy bis zum Auto ohne positive Schufa-Auskunft scheitern. Auch für Verträge von Mobilfunk über das Fitnessstudio bis zur Miete wird nicht selten eine Schufa-Auskunft von Verbrauchern verlangt.

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Schufa siegessicher: Score ist mit Datenschutz vereinbar

Der Hamburger Zeitung zufolge sieht die Schufa kein Problem an ihrem Verfahren. Schließlich würden etwa Banken auch ihre eigenen Daten heranziehen, um die Kreditwürdigkeit von Kunden zu bewerten. Ein Ja oder Nein liege nicht an der Schufa allein. Wie es etwa bei Kaufverträgen aussieht, könnte allerdings auf einem anderen Blatt stehen.

Bis in dem Verfahren eine Entscheidung fällt, dürfte es noch einige Zeit dauern.

Felix Gräber
Felix Gräber, GIGA-Redakteur, Experte für E‑Autos, Mobilität und Verbraucher-Themen

Mit einer ernsthaften Gefahr für das Geschäftsmodell der Schufa ist eher nicht zu rechnen. Es könnte allerdings dazu kommen, dass speziell die Geschäftsbeziehungen zu Handelsunternehmen noch genauer auf dem Prüfstand landen.

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