Die britische Hi-Fi-Manufaktur Bowers & Wilkins will es wissen: Mit der B&W Formation Flex wird ein kompakter WLAN-/AirPlay-2-Lautsprecher angeboten, der sich gegen Konkurrenten wie Apples HomePod und den populären Sonos One (SL) durchsetzen muss. Ob das geklappt hat und wer die Edel-Box für 449 Euro Stückpreis (UVP) wirklich braucht, erläutert GIGA-Audioexperte Stefan im Test.

 

Bowers & Wilkins

Facts 

Bei der B&W Formation Flex handelt es sich um einen 21,5 Zentimeter hohen stationären Lautsprecher für die eigenen vier Wände. Ein Akku ist nicht verbaut, der Fokus liegt auf hoher Klangqualität, Streaming per WLAN und Multiroom- sowie Surround-Szenarien. Die B&W Formation Flex ist kompatibel mit Apple AirPlay 2, Spotify Connect, Roon und Bluetooth – das war es dann aber auch schon. Die stoffbespannte Edel-Box gehört zur hochpreisigen Formation-Serie, zu der auch die Formation Wedge (mittelgroßer Lautsprecher), die Formation Duo (Stereo-Regallautsprecher), die Formation Bar (TV-Soundbar) und weitere Modelle zählen. Die B&W Formation Flex wurde von mir als Stereopaar aufgebaut und getestet.

B&W Formation Flex: Unser Testurteil

Der potentielle Käufer sollte sich mit einer der oben genannten Zuspielmöglichkeiten abfinden (in meinem Fall AirPlay 2), auf smarte Funktionen (digitaler Sprachassistent) verzichten können und besonderen Wert auf die Wiedergabequalität legen. Die Einrichtung per App lief problemlos, die Musiksteuerung erfolgt ab dann per Handy oder Tablet. Klanglich konnte mich der Verbund aus zwei B&W Formation Flex nach kurzer Anlaufzeit begeistern: Glasklare Darbietung, mit einer fabelhaften Präsenz bei Gesangstimmen. Hier werden auch die feinen Details einer Aufnahme sauber ausgeleuchtet. Der Bass ist ehrlich und konturiert – allerdings auch recht schlank abgestimmt. So empfiehlt sich das Duo für den erwachsenen Hörer, der Effekthascherei aus dem Weg geht und eine authentisch-natürliche Wiedergabe zu schätzen weiss.

Fazit: Die B&W Formation Flex ist sicherlich kein Preis-Leistungs-Knaller, da muss man nicht um den heißen Brei reden. Sie ist vielmehr der feine Exot, der hektische Schnäppchenjäger gar nicht erst ansprechen will. Wer sich überwindet und die knapp 900 Euro für das Stereopaar investiert, wird nicht nur mit einem exklusiven Erscheinungsbild belohnt. Hier holt man sich auch eine ordentliche Prise vom sagenumwobenen High-End-Sound ins Haus, für den der Name Bowers & Wilkins seit Jahrzehnten steht. Es ist dieser klangliche Einblick in die Spitzenklasse, der den entscheidenden Unterschied macht. Genau das haben die meisten Konkurrenten in der Form nicht zu bieten.

Vorteile:

  • Klarer und detailreicher Sound
  • Edles Erscheinungsbild

Nachteile:

  • Magere Ausstattung: keine Raumeinmessung, wenige unterstützte Streamingdienste

Bowers & Wilkins Formation Flex (Stereopaar): Testwertung

  • Klang: 90 Prozent
  • Ausstattung: 60 Prozent
  • Praxis: 75 Prozent

Gesamt: 79 Prozent
Der Klang geht zu 50 Prozent in die Gesamtnote ein.

Bowers & Wilkins Formation Flex

Bowers & Wilkins Formation Flex

B&W Formation Flex: Klarer Klang statt Bassgewummer

Der Sonos One (SL) und der Apple HomePod schaffen es auf Anhieb, den Hörer in den Bann zu ziehen. Der bei beiden angewandte Trick ist eine für die Gehäusegröße überraschend kräftige Basswiedergabe, die der Musik gefühlt mehr Kraft und Ausdruck verleiht. Beide Modelle mussten als Stereopaar gegen die B&W Formation Flex antreten, die im direkten Vergleich während der ersten paar Takte erschreckend dünn klingt. Da fehlt doch etwas? Einige Minuten später: Eine wandnahe Aufstellung und der Equalizer der „Bowers & Wilkins Home“-App sorgen für eine hörbare Verbesserung. Dennoch bleibt auch nach mehreren Stunden die Erkenntnis: Die Formation Flex ist im Tieftonbereich vergleichsweise zurückhaltend abgestimmt. Der Bass ist da, aber eben nicht besonders tiefreichend und eher präzise und straff als warm und mächtig. Wer gerne Musik hört, die ein stattliches Bassfundament erfordert (Trap, Dub, Dubstep, Drum and Bass etc.) wird hier womöglich nicht glücklich.

Trotzdem kann das Formation-Flex-Duo in meinem Wohnzimmer die beiden Konkurrenten in Schach halten und zuweilen sogar eindeutig übertreffen. Das passiert, wenn man sich anderen musikalischen Genres zuwendet. Wenn akustische Gitarren und Gesang den Ton angeben, dann zeigen die beiden Formation Flex, was wirklich in ihnen steckt. „Layla“ auf Eric Claptons grandiosem Unplugged-Album (1992) wird mit einer fantastischen Präsenz in den Raum gebracht, die aufhorchen lässt. Das von Timbaland produzierte „Come as You Are“ auf Brandys Album Afrodisiac (2004) wird regelrecht seziert: Da ist jedes Atmen, Zischen und Schnalzen des exotischen Beats klar vernehmbar. Die beiden B&W Formation Flex behalten den klanglichen Überblick, wo so manch andere Boxen ob der vielschichtigen Aufnahme nur noch im Stande sind, einen „Sound-Brei“ abliefern. Das müssen wohl diese High-End-Gene sein, die aus den Sphären der unbezahlbaren B&W-Studio-Lautsprecher vererbt worden sind.

Bowers & Wilkins Formation Duo und Formation Bass: Wir haben die 5.900-Euro-Kombo angehört:

Bowers & Wilkins Formation Duo & Formation Bass
Bowers & Wilkins Formation Duo - 2 Stück

Bowers & Wilkins Formation Duo - 2 Stück

Bei „Chamber of Reflection“ von Mac DeMarco (2014) auf gehobener Lautstärke ist man als Hörer dann endgültig im Paradies und wird vom Song gnadenlos ergriffen – wem die beiden Formation Flex jetzt keine Gänsehaut verschaffen, der muss wohl ein Roboter und kein Mensch sein. Ja, der Bass dürfte trotzdem noch etwas kräftiger zu Werke gehen. Die Lösung lässt sich praktischerweise erkaufen: Der passende Subwoofer B&W Formation Bass klingt wundervoll, sieht gut aus und hat uns schon im Zusammenspiel mit der Formation Duo begeistert. Kostenpunkt: weitere 1.099 Euro. Macht zusammen mit zwei Formation Flex dann knapp 2.000 Euro. Viel zu teuer? Kann schon sein. Eine klangliche Offenbarung der Extraklasse? Ja, definitiv.

Ausstattung: Da bieten andere deutlich mehr

Mehr bezahlen, aber weniger bekommen? Das klingt erstmal nach einem schlechten Deal. Nun, ganz nüchtern betrachtet zieht die B&W Formation Flex mit Blick auf das Datenblatt im Vergleich zu günstigeren Konkurrenz-Lautsprechern in der Tat den Kürzeren. Ihr Funktionsumfang ist vergleichsweise eingeschränkt, der Preis aber dennoch ganz schön weit oben angesiedelt – warum sollte man sich also so einen Luxusartikel überhaupt gönnen? Die Antwort darauf ist, dass man eben nicht grundsätzlich „weniger“ bekommt. Wo „Bowers & Wilkins“ drauf steht, ist High-End drin – wir sind hier nicht mehr im Mainstream-Bereich, wo ein Lautsprecher möglichst alles einigermaßen gut können sollte. Hier geht es darum, dass ein Lautsprecher in ausgewählten Disziplinen herausragende Leistungen liefert. Was man beim Kauf einer B&W Formation Flex also erhält, ist ein ganz bewusst auf bestimmte Einsatzarten und Bedürfnisse zugeschnittenes Produkt. Verzicht ist hier gewissermaßen der neue Luxus – mit dieser Denkweise kann sich sicherlich nicht jeder anfreunden.

Drei Features, die ich in dieser gehobenen Preisklasse erwarte, die der B&W Formation Flex aber fehlen: 1.) eine automatische Raumeinmessung zur Klangverbesserung (vergleiche Sonos Trueplay), 2.) Mikrofone und optionale Unterstützung eines digitalen Assistenten (z.B. Google Assistant, Amazon Alexa) und 3.) eine 3,5-mm-Klinkenbuchse, damit man ältere Geräte (z-B. CD-Player) anschließen kann. Auch dass man stark auf ein Handy/Tablet als Zuspieler angewiesen ist, fühlt sich einschränkend an. Bei manchen Modellen der Konkurrenz lassen sich Internetradiosender bequem per Knopfdruck auf der Box starten (z. B. Bose Home Speaker 500), bei der B&W Formation Flex habe ich mich hingegen mit der Kombi „iPhone + AirPlay 2“ abfinden müssen arrangiert. Wenigstens gibt es auch noch Bluetooth (inkl. aptX HD, AAC) als zusätzliche Möglichkeit, Sound an die britischen Edellautsprecher zu senden. Unterm Strich ist die Ausstattung mager und angesichts des Preises nur schwer zu vermitteln.

Praxis: Software und Staub

Die Einrichtung per App („Bowers & Wilkins Home“) machte mir keine Probleme. Das ist keine Selbstverständlichkeit: Die um ein Vielfaches teurere Kombi aus zwei B&W Formation Duo und dem Formation Bass wollte damals im GIGA-Studio erst nach mehreren Versuchen den Betrieb starten. So ist das ein Reminder, der für alle WLAN-Lautsprecher gilt: Vernetzte Boxen sind ein komplexes Produkt, das mit der dazugehörigen Software steht und fällt. Der Hersteller kann hier entweder riesigen Mist bauen oder einen Vorgang so gestalten, dass er auch Laien schnell und sicher zum Erfolg führt. An der von mir verwendeten Version 1.3 der App habe ich nichts auszusetzen, auch nach der Einrichtung bin ich nicht auf Bugs gestoßen. Daher mein Lob an Bowers & Wilkins – in der Hoffnung, dass das auch zukünftig auf dem Niveau bleibt.

Um den bestmöglichen Klang zu erhalten, muss man händisch ran. Da eine Raumeinmessung fehlt, ist der Nutzer in den ersten Minuten damit beschäftigt, verschiedene Positionen und Abstände auszuprobieren. Ich habe mit 2 Metern zwischen den Boxen und jeweils 35 Zentimetern zur Wand das gewünschte Ergebnis erzielt. Danach folgte erhabener Musikgenuss und der gelegentliche Griff zum Staubwedel, denn die schwarzen Touch-Oberflächen der Formation Flex ziehen Fussel magisch an. Aber diese kleine Unannehmlichkeit dürfte so manchen Bowers & Wilkins-Kunden kaum stören – man ist das vom Bösendorfer Flügel im Gästesalon bereits gewohnt.

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bewertete "B&W Formation Flex im Test: Die Luxus-Alternative zum Sonos One" mit 79 von 100 Punkten (07. Juni 2020 )

Stefan Bubeck
Stefan Bubeck, GIGA-Experte für Consumer Electronics, insbesondere Audio.

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