E-Bikes sind teuer, hässlich, schwer und kompliziert zu bedienen? Das mag gelegentlich zutreffen – aber sicherlich nicht beim Cowboy 3, das GIGA-Redakteur Stefan einige Tage im Großstadtdschungel Berlins begleitet hat.

 

Kaufberatung

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Cowboy 3 im Test: Top-Design und ordentliche Ausstattung

Berechtigte Frage: Wozu braucht man überhaupt ein E-Bike? Nun, als Argumente kommen unter anderem Stichworte wie Steigung, Beschleunigung, Gegenwind und Gepäck in Frage. Sogar im flachen Berlin kann ein Rad mit Elektromotor durchaus nützlich sein. Aber seht selbst, hier im Video:

E-Bikes und Pedelecs: Das kann das Cowboy 3
TSG Halbschalenhelm

TSG Halbschalenhelm

Das Cowboy 3 ist ein “smartes und vernetztes Design-Bike mit Elektroantrieb“ so die Beschreibung des belgischen Herstellers. In der Tat ist die Formgebung gelungen und wirkt rundum modern – wer auf einen sachlich-minimalistischen Look steht, könnte sich auf den ersten Blick in das Cowboy 3 verlieben. Auffälliges Merkmal: Das Sattelrohr ist besonders breit ausgeführt, da hier der wechselbare Akku seinen Platz findet.

Preislich liegt es mit 2.290 Euro im Mittelfeld. Dafür bekommt man einen Aluminium-Rahmen, eine Aluminium-Gabel, einen Kohlefaser-Riemen statt einer schnöden Fahrradkette, starke Hydraulik-Bremsen und schicke Felgen mit Metalllegierung. Auch die in Deutschland, Österreich und der Schweiz vorgeschriebene Fahrradbeleuchtung gehört zum Lieferumfang des Cowboy 3, muss aber zusätzlich angebracht werden. Die bereits integrierte Beleuchtung entspricht nämlich nicht den gesetzlichen Vorgaben in Deutschland.

Cowboy 3 im Onlineshop des Herstellers anschauen

Reflektoren vorne und hinten sind laut Straßenverkehrsordnung ebenso verpflichtend und auch diese werden vom Hersteller beigelegt. Schutzbleche sind vorhanden – aber am Ende fehlen uns am Cowboy 3 ein Gepäckträger und ein Fahrradständer. Insgesamt eine gute Ausstattung, aber stellenweise noch ausbaufähig.

Akku und Fahrverhalten

Der längliche Akku kann recht einfach herausgenommen werden (gesichert durch ein Schloss) und ist in rund 3,5 Stunden mit dem 100-Watt-Netzteil voll aufgeladen. Verschleiß ist natürlich auch hier ein Thema. Nach 500 Ladezyklen sollen laut Hersteller aber immerhin noch 70 Prozent des ursprünglichen Aktionsradius verbleiben. Ein Ersatzakku kostet aktuell 400 Euro und ist direkt beim Hersteller erhältlich. Zwei integrierte Drehmoment- und Drehzahlsensoren sammeln fleißig Fahrdaten. Diese dienen dazu, den 250-Watt-Hinterradnaben-Motor automatisch zu steuern. Das maximale Drehmoment liegt bei 30 Newtonmetern.

Bis zu 70 km Reichweite sind mit dem Cowboy 3 drin, bei den bei Pedelecs üblichen 25 km/h Assistenz-Geschwindigkeit. Die Sitzhaltung auf dem Cowboy 3 ist eher sportlich als gemütlich und entspricht einem Trekking-Rad oder MTB. Mir hat es gut gefallen – wer aber eher Hollandräder mit aufrechter Sitzposition bevorzugt, wird sich lieber ein anderes Modell anschauen.

Der Fahrkomfort auf Asphalt ist für den Alltag ausreichend. Eine Federgabel ist nicht verbaut, dafür fangen die mächtigen Reifen zumindest kleinere Unebenheiten ab. Berlins Radwege lassen stellenweise zu wünschen übrig – dieser Herausforderung ist das E-Bike aber meist gewachsen, erst auf Kopfsteinpflaster wird es ungemütlich. Meine Einschätzung: Das Cowboy 3 ist ideal für kurze bis mittlere Strecken in der Stadt. Für lange Touren im unwegsamen Gelände würde ich es aber nicht empfehlen.

Beim Fahren hat man verblüffend wenig zu tun: Schalthebel oder Bedienelemente für den Elektromotor sind keine zu finden – das Cowboy 3 steuert automatisch elektrische Energie bei, die beim Radeln unterstützt. Man muss nur in die Pedale treten und bremsen – wer gerne schaltet und waltet, muss sich daran vielleicht erstmal gewöhnen. Uns hat es beeindruckt, wie natürlich sich das Cowboy 3 fährt, egal ob am Hang oder beim Start an der Ampel – die Unterstützungskraft kommt stets zügig und wohldosiert an. Keine Ruckler oder plötzlichen Schübe – genau so muss eine solche Automatik funktionieren!

Das Cowboy 3 ist mit 16,9 Kilogramm vergleichsweise leicht. Einige E-Bikes bringen fast 25 Kilo auf die Waage – das macht im Alltag durchaus einen Unterschied.

Cowboy 3: Das wahre Potential zeigt erst die App

Entwickler: Cowboy SA
Preis: Kostenlos

Der ganze Funktionsumfang des Cowboy 3 zeigt sich erst auf dem Handy. Nachdem man sich eingearbeitet hat, kann man in der dazugehörigen App allerlei nützliche Features aufrufen: E-Bike entsperren, Licht ein- und ausschalten, Ladestand checken – und das sind nur die Basics. Darüberhinaus kann das Cowboy 3 per GPS getrackt werden, was Dieben die Freude verderben sollte.

Die Smartphone-App ist schick gestaltet, aber nicht besonders intuitiv zu bedienen. Vielleicht bringt uns da ein Update eines Tages stärkere Kontraste und mehr Übersicht. Apropos Updates: Auch das Rad selbst kann vom Hersteller per Software weiter optimiert werden, man denke da etwa an Feintuning der Motorsteuerung oder smarte Features wie automatische Sturzerkennung. Derzeit ist die Cowboy App nur auf Englisch verfügbar, das Team in Brüssel arbeitet aber gerade an einer Deutschen, Französischen und Niederländischen Version.

So ein vernetztes E-Bike wirft natürlich auch Fragen zum Schutz personenbezogener Daten auf. Der Hersteller hat dazu auf seiner Webseite eine Datenschutzrichtlinie veröffentlicht, die zur Aufklärung dient. Grundsätzlich gilt: Wer bei diesem Thema überempfindlich ist, sollte von der Nutzung des Cowboy 3 vielleicht absehen – viele der praktischen Features sind nunmal ohne Datenverarbeitung schlichtweg nicht umzusetzen.

Cowboy 3 im Test: Unser Fazit

Aus dem großen Angebot an E-Bikes kann das Cowboy 3 herausstechen. Wer es sorgenfrei, automatisch und digital mag, bekommt hier ein clever geschnürtes Gesamtpaket das zur Hälfte aus Fahrrad und zur Hälfte aus Software besteht. Das ist eine Route, die in naher Zukunft bestimmt noch mehr Anbieter einschlagen werden. Das Cowboy 3 fährt hier schon mal voraus und zeigt uns, was möglich ist.