Mit Diablo 2: Resurrected kehrt der Klassiker als Remaster zurück und ist dadurch erstmals auch auf Konsolen spielbar. Trotzdem steckt unter der neuen Grafik noch immer das 20 Jahre alte Original, mit all seinen Stärken und Schwächen.

 

Diablo 2: Resurrected

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Diablo 2: Resurrected

Was ist Diablo 2: Resurrected?

Auch nach mehr als 20 Jahren gilt Diablo 2 noch immer als Genre-Referenz für Action-Rollenspiele. Wer das Spiel seinerseits aber nicht gespielt hat, kennt das Game womöglich nur flüchtig. Zwar steht das Original auf der offiziellen Webseite noch immer als Download zum Verkauf, bei einer maximalen Auflösung von 800 mal 600 Bildpunkten besteht jedoch allein aus technischer Sicht bereits eine enorme Einstiegshürde. Wer nur eine Konsole besitzt, musste auf den Klassiker bisher zudem komplett verzichten.

Genau diese beiden Baustellen bilden die größten und wichtigsten Änderungen von Diablo 2: Resurrected. Zum einen wurde dem Spiel eine komplett überarbeitete Optik spendiert, die stilistisch jedoch perfekt an das pixelige Original anschließt. Endlich sind Auflösungen von bis zu 4K möglich, die Animationen sind flüssig, die dynamische Beleuchtung sieht fantastisch aus und statt zweidimensionaler Sprites setzt die Neuauflage auf zeitgemäße 3D-Modelle.

Zum anderen gibt es Diablo 2: Resurrected nicht mehr nur noch für den PC, stattdessen läuft der neu aufgelegte Klassiker auch auf allen gängigen Konsolen, also PlayStation 4, PlayStation 5, Xbox One, Xbox Series S | X sowie Nintendo Switch. Diablo 2 mit dem Controller zu spielen klingt geradezu unorthodox, funktioniert insbesondere in den Kämpfen aber durchaus gut. Möglich ist das durch ein neues User Interface, auf dem die Fähigkeiten wie in aktuellen Spielen üblich in einer Skill-Leiste angeordnet sind.

Diablo 2 Resurrected Grafik
Optisch fängt Diablo 2: Resurrected den Stil des Originals perfekt ein.

Wer mit Maus und Tastatur spielt, muss mit der klassischen Bedienung Vorlieb nehmen, denn abseits einiger minimaler Komfort-Features, etwa dem automatischen Aufheben von Gold, ist Diablo 2: Resurrected geradezu konservativ. Tatsächlich steckt unter dem neuen Deckmantel noch immer das Originalspiel. Per Tastendruck könnt ihr zwischen neuer und alter Optik umschalten und selbst eure 20 Jahren alten Speicherstände lassen sich mit wenig Aufwand importieren.

Das bedeutet also auch, dass Diablo 2: Resurrected die genau gleichen Inhalte bietet. Ihr erkundet fünf Akte in drei jeweils anspruchsvolleren Schwierigkeitsgraden, wählt dabei zwischen sieben Klassen aus und wiederholt auf der Jagd nach der perfekten Ausrüstung und Erfahrungspunkten die immer gleichen Gebiete und Bosse. Ein dediziertes Endgame-System, vergleichbar mit den Greater Rifts aus Diablo 3, braucht ihr hingegen nicht erwarten.

Mit unseren Tipps seid ihr auch als Einsteiger bestens auf Diablo 2: Resurrected vorbereitet:

Diablo 2: Resurrected – 9 Einsteigertipps

Test-Fazit zu Diablo 2: Resurrected

Es überrascht nicht, dass Diablo 2 seine Fans über 20 Jahre bei der Stange halten konnte. Die motivierende Spirale aus Loot und Erfahrungspunkten, zusammen mit dem komplexen und vielseitigen Charaktersystem gehören auch heute noch zum Besten, was das Genre zu bieten hat. Die zeitgemäße Optik und der Sprung auf die Konsolen macht das Spiel zudem so zugänglich wie noch nie zuvor.

Wer den Klassiker allerdings noch nie gespielt hat, wird sich mit allerhand veralteter Mechaniken anfreunden müssen. Trotz minimaler Detailverbesserungen spielt sich Diablo 2: Resurrected eben immer noch wie vor 20 Jahren, obwohl Action-Rollenspiele seitdem vor allem in Sachen Bedienbarkeit einen großen Sprung hingelegt haben. Es wirkt geradezu, als hätte Blizzard Angst vor zu starken Veränderungen. Womöglich um alteingesessene Fans nicht vor den Kopf zu stoßen.

Diablo 2 Resurrected Multiplayer
Über das Battle.net können bis zu acht Personen gemeinsam Diablo 2: Resurrected spielen.

Das führt in der Praxis zu seltsamen Ergebnissen, etwa dass auch PC-Spieler mit angeschlossenem Controller auf das verbesserte Interface mitsamt Skill-Leiste zugreifen können, es jedoch keine Option gibt, dieses wahlweise auch für Maus und Tastatur zu aktivieren. Auffällig ist, dass selbst minimale Änderungen wie das Aufheben von Gold oder die durchgängige Loot-Anzeige in den Optionen deaktiviert werden können.

Wer Diablo 2: Resurrected also mit den genau gleichen Einschränkungen und Besonderheiten erleben will wie in den frühen 2000ern, darf das Spiel auch genau so einstellen. Andersherum wirft das jedoch auch die Frage auf, warum nicht noch mehr optionale Modernisierungen und Features enthalten sind. Features, die nicht einmal zwingend einen Traditionsbruch darstellen, sondern schlicht den längst etablierten Konventionen des Genres entsprechen.

Diablo 2 Resurrected Interface
Wer Diablo 2: Resurrected mit dem Controller spielt bekommt ein verbessertes Interface.

Hinsichtlich des Spiel-Designs ist die Diskussion allerdings etwas komplizierter. So sind einige Systeme schlicht ein Kind ihrer Zeit, etwa die Immunitäten der Gegner. In den höheren Schwierigkeitsgraden haben allerhand Monster zufällige Widerstände und sind etwa gegen Frost und Feuer immun. Wer nun also eine hochstufige Frostzauberin spielt, kommt an diesen Gegnern trotz perfekter Ausrüstung nicht vorbei. Das fordert Geduld, Nerven und Frustresistenz.

Während derartige Schranken heutzutage nicht mehr zeitgemäß sind und beispielsweise in Diablo 3 auch gestrichen wurden, gehören sie aber nun mal zu Diablo 2 dazu. 20 Jahre lang haben Fans an Strategien, Charakteren und Umwegen getüftelt, um genau solcher Herausforderungen Herr zu werden. Wären sie entfernt oder überarbeitet worden, wäre Diablo 2: Resurrected nicht mehr dasselbe Spiel. Schließlich handelt es sich um ein Remaster und kein Remake. Dazu gehört es also auch, vermeintliche Schwächen und Eigenheiten nicht zu entfernen, da gerade diese maßgeblich die Identität des Originals mitgeprägt haben. Die Texttafeln eines Stummfilms werden in Neuveröffentlichungen schließlich auch nicht mit nachträglich synchronisierten Dialogen ersetzt, nur weil das den aktuellen Sehgewohnheiten entspricht.

Stärken und Schwächen von Diablo 2: Resurrected

Das sind die Stärken von Diablo 2: Resurrected:

  • Die neue Grafik fängt den optischen Stil des Originals perfekt ein
  • Erstmals auch auf Konsolen spielbar
  • Solide Controller-Steuerung mit verbessertem User Interface
  • Die altbekannte Loot-Spirale funktioniert und motiviert wie eh und je
  • Alte Speicherstände können importiert werden
  • Dezente Komfort-Verbesserungen ...

Das sind die Schwächen von Diablo 2: Resurrected:

  • ... die aber umfangreicher hätten ausfallen können
  • Umständliche Bedienung mit Maus und Tastatur
  • Keine vollwertigen Endgame-Mechaniken

Wertung

8/10
“Abseits der tollen Optik wurden die alten Systeme mit all ihren Stärken und Schwächen übernommen, was sowohl für Authentizität als auch vereinzelten Frust sorgt. Wer sich damit jedoch anfreunden kann, wird auch von Diablo 2: Resurrected wieder hunderte Stunden an den Bildschirm gefesselt werden.”