Große Muscheln, rockiger Sound, nützliches Noise Cancelling und ikonisches Design: Der Marshall Monitor 2 ANC ist eine Kampfansage an die Bestseller Bose Headphones 700 und Sony WH-1000XM3. GIGA-Audioexperte Stefan hat den Over-Ear-Hopfhörer mehrere Tage benutzt und teilt seine Erfahrungen.

Der Marshall Monitor 2 ANC ist ein kabelloser Kopfhörer mit aktiver Geräuschunterdrückung, erhältlich ab Ende März für 299 Euro (UVP). Die technischen Daten und einen ersten Eindruck habe ich bereits im Hands-On beschrieben.

Marshall Monitor 2 ANC: Unser Testurteil

Der Marshall Monitor 2 ANC hat die schwere Aufgabe, sich im Premium-Segment gegen Modelle von Bose, Sony, Sennheiser und Beyerdynamic zu behaupten. Das gelingt dem stylischen Over-Ear-Kopfhörer ausgesprochen gut: Er ist bequem und hält stattliche 30 Stunden mit einer Akkuladung durch (ANC aktiviert). Die Bedienung erfolgt über logisch positionierte Hardware-Buttons. Das rockige Design ist ikonisch, aber sicherlich auch Geschmackssache: Einerseits sticht der Monitor 2 ANC aus der Masse heraus, andererseits verträgt er sich vom Look eher mit Lederjacke und Chucks, als mit Business-Sakko und schicken Tretern. Das will kein Kopfhörer für jedermann sein.

Marshall Monitor 2 ANC vorgestellt (Herstellervideo)

Klanglich bekommt man das, was das Aussehen bereits andeutet: Eine warme Abstimmung, die Rock- und Pop-Songs eine passende Sound-Würze mitgibt. Das Noise Cancelling ist in seiner Wirkung nur durchschnittlich, da sind andere ANC-Kopfhörer noch effektiver.

Insgesamt aber eine starke Leistung, die das Marshall-Team der schwedischen Mutterfirma Zound Industries da abgeliefert hat. Wer auf der Suche nach einem Noise-Cancelling-Kopfhörer in Over-Ear-Bauweise ist, muss unbedingt den Marshall Monitor 2 ANC in die Auswahl einbeziehen – alles andere wäre eine verpasste Chance.

Vorteile:

  • Gelungenes Retro-Design (allerdings nur in Schwarz erhältlich), gute Verarbeitungsqualität, bequemer Sitz
  • Sehr gute Akkulaufzeit
  • Warmer Klang mit sattem Bass und sanften Höhen
  • Einfache Bedienung und hohe Praxistauglichkeit (faltbares Design)

Nachteile:

  • Noise Cancelling nur durchschnittlich für diese Preisklasse
  • Ein- und Ausschalten etwas umständlich (langer Tastendruck erforderlich)

Marshall Monitor 2 ANC: Testwertung

  • Klang: 85 Prozent
  • Tragekomfort: 80 Prozent
  • Hardware, Design & Funktionen: 90 Prozent
  • Akku: 90 Prozent

Gesamt: 86 Prozent 

Marshall Monitor II ANC Kopfhörer

Marshall Monitor II ANC Kopfhörer

Marshall Monitor 2 ANC: Ein getunter Klang, dem man vertrauen kann

Kelis‘ erster Charthit „Good Stuff“ beamt mich zurück ins Jahr 1999. Die simple und wirksame Bassline und die Neptunes-typischen Space-Sounds animieren mich zum Aufdrehen. Die warme Klangabstimmung des Marshall Monitor 2 ANC kommt ohne scharfe Höhen aus – trotzdem bleiben feine Details klar gezeichnet im Kopfkino erhalten. Der Bass ist kräftig, aber nicht zu dominant.

Diese bei so einigen Marshall-Produkten zu findende „Badewannen-Abstimmung“ (angehobener Bass, Mittensenke, leichter Push in den Höhen) ist auch hier wieder am Start. Die Art des Sound-Tunings ist wirksam und bewährt – aber nicht ohne Tücken. Übertreiben es die Ingenieure, klingen Gesangsstimmen zu schwach und der Bass übernimmt das Kommando. Beim Marshall Monitor 2 ANC passt jedoch alles: Dieser Kopfhörer verträgt sich gut mit vielen unterschiedlichen Songs – zumindest in dem gigantischen Bereich der populären Musikgattungen (Rock, Pop, Hip Hop, R&B, Techno, House und so weiter). Hörspaß ist hier wichtiger als eine analytisch-neutrale Darbietung.

So kommt es allenfalls dann zu Stirnrunzeln und Kopfschütteln, wenn der audiophile Nutzer studio-artige Nüchternheit erwartet und bei hochwertigen Klassik- oder Jazz-Aufnahmen jede Nuance abseits der Ideallinie als klangliche Verfärbung wahrnimmt. Dafür gibt es weit besser geeignete Modelle. Der Marshall Monitor 2 ANC ist ein guter Junge, aber er kann unserem Referenzkopfhörer Beyerdynamic Amiron Wireless bei anspruchsvollem Material nicht das Wasser reichen. Da fehlt ihm die letzte Schippe im Basskeller und eben die erforderliche eiserne Ehrlichkeit bei jeder Note und jedem Anschlag.

Der Monitor 2 ANC punktet beim Tragekomfort und beim Design

Schon beim ersten Aufsetzen spürbar: Der Monitor 2 ANC hängt seinen kleinen Bruder MID ANC (On-Ear-Modell) in Sachen Tragekomfort klar ab. Die Over-Ear-Bauweise des Monitor 2 ANC lässt den Ohren genug Platz, schließt aber trotzdem sauber ab. Diesen Kopfhörer kann man auch mal zwei Stunden am Stück auflassen, wenn es sein muss.

Marshall Monitor II ANC Kopfhörer

Marshall Monitor II ANC Kopfhörer

Das Marshall-Design wird viele Käufer gewinnen, denn gegen den Monitor 2 ANC wirken einige Konkurrenzmodelle charakterlos und langweilig. Marshall setzt konsequent auf Retro-Flair und Rocker-Look – das ist die Nische und die wird gekonnt bedient. Wer das nicht mag und eine „moderne“ Formsprache bevorzugt, kann sich bei den minimalistischen Kopfhörern der Schwestermarke Urbanears umschauen. Ganz genau: Die schwedische Mutterfirma Zound Industries hat ewige Rocker und urbane Hipster gleichermaßen auf dem Schirm und für jeden den passenden Begleiter im Portfolio.

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Durchschnittliches Noise Cancelling, cleverer Faltmechanismus

Eine wichtiges Verkaufsargument beim Monitor 2 ANC ist Noise Cancelling. Die Geräuschunterdrückung per Gegenschall soll für Ruhe sorgen, etwa wenn man im Flugzeug sitzt. Marshall hat das befriedigend umgesetzt, kommt aber nicht an die Effektivität von Sonys WH-1000XM3 oder Boses Headphones 700 heran. Vor allem tiefe Frequenzen werden herausgefiltert, die Stimmen im Großraumbüro dringen aber durch – erst wenn zugleich Musik über den Kopfhörer ertönt, hat man das Gefühl einer guten Abschirmung. Problem im Freien: Der Marshall Monitor 2 ist ziemlich anfällig für Windgeräusche – in der Hinsicht benutze ich am liebsten Apples In-Ear-Modell AirPods Pro.

Gut gelöst hat Marshall beim Monitor 2 ANC das Bedienkonzept. Die Steuerung per goldfarbenen „Joystick“-Button hat sich schon bei anderen Kopfhörermodellen bewährt und ist ein Segen für alle, die mit Touch-Bedienung an Kopfhörern nicht so viel anfangen können. Zum Ein- und Ausschalten des Kopfhörers muss man diesen allerdings ganz schön lange drücken und zur Sicherheit auch auf den Bestätigungssound warten. Da gefällt mir der schnelle und unkomplizierte Schiebeschalter am Bose QuietComfort 35 II immer noch besser. Der M-Button (rechtes Gehäuse) lässt sich per App frei belegen, etwa mit Equalizer-Presets oder Google Assistant / Siri.

Großes Lob für die Integration von Multipoint Bluetooth! Der Marshall Monitor 2 kann mit zwei Geräten (Handy, Tablet) gleichzeitig verbunden bleiben und gibt die Quelle wieder, bei der zuletzt auf Play gedrückt wurde. Der nervige Umweg über das Bluetooth-Menü (erneut koppeln) entfällt.

Der Monitor 2 ANC ist erstaunlich beweglich und lässt sich platzsparend zusammenlegen. Im Lieferumfang ist ein passender Stoffbeutel für den Transport enthalten. Eine Randnotiz zum Schluss: Beim Auspacken des Kopfhörers ist mir ein chemischer Geruch aufgefallen, der sich mehrere Tage gehalten hat. Abgesehen davon war ich aber rundum zufrieden mit Marshalls neuem Spitzenmodell, das vermutlich auf vielen Geburtstags- und Weihnachtswunschzetteln landen wird.

Stefan Bubeck
Stefan Bubeck, GIGA-Experte für Consumer Electronics, insbesondere Audio.

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