Kostenfalle LTE: Von ungewollten Datenverbindungen im In- und Ausland

Sven Kaulfuss 3

Die ach so tolle Mobilfunktechnik – immer schneller, immer höher, immer weiter! Dabei noch billiger und ohne jedweden Nachteil. Dachte ich auch, als ich kürzlich Bekanntschaft mit den Fallstricken des LTE-Netzes Bekanntschaft machen durfte. Lasst euch davon in meiner Kolumne erzählen.

Kostenfalle LTE: Von ungewollten Datenverbindungen im In- und Ausland
Bildquelle: lisafx / gettyimages.

Über Jahre nutzte ich mein iPhone 5 problemlos im Netz von o2 (nur im 3G-Netz). Ich besitze noch einen dieser älteren o2-o-Verträge – keine Grundgebühr, nebst Kosten-Airbag für Telefonie. Fürs mobile Internet wird minutengenau abgerechnet, eine Deckelung erfolgt hier über einen Tages-Airbag (maximal 3,50 Euro am Tag), fürs Ausland existiert unabhängig von der EU-Regulierung ein 1-GB-Volumenpaket. Für mich ideal, da ich derzeit meist im europäischen Ausland unterwegs und nicht immer in Deutschland vor Ort bin.

Meine Gedanken zum Wochenende: Die Kolumne möchte Denkanstöße liefern, zur Diskussion aufrufen und den „News-Schwall“ der Woche zum Ende hin reflektieren. Eine kleine Auswahl der bisherigen Artikel der Kolumne:

Ungewollte Datenverbindung mit dem neuen iPhone?

In der Praxis aktivierte ich die mobilen Daten immer nur dann, wenn ich das mobile Internet auch wirklich nutze. Über Jahre gab es damit keine bösen Überraschungen in der Mobilfunkrechnung. Bis, ja bis ich Ende 2017 mir ein iPhone 7 (LTE standardmäßig auch bei o2 aktiviert) zulegte. Bei meinem ersten Deutschlandbesuch staunte ich im Anschluss nicht schlecht, als ich die Abrechnung bekam. Denn in der Einzelverbindung fand sich eine viel längere Internet-Session als sonst üblich – der Tages-Airbag wurde so voll ausgenutzt und natürlich auch in Rechnung gestellt. Hatte ich etwa vergessen die mobilen Daten wieder zu deaktivieren? Auch der Blick in die o2-App bestätigte die unüblich lange Nutzungsdauer. Ich war mir unschlüssig und wollte dies beim nächsten Besuch in der teutonischen Heimat beobachten und ließ sicherheitshalber die mobilen Daten diesmal komplett deaktiviert.

Gelegenheit dazu gab es über die Weihnachtstage bei Muttern. Die mobilen Daten waren die ganze Zeit ausgeschaltet, doch schon am zweiten Tag staunte ich nicht schlecht beim Blick in die o2-App. Angeblich hatte ich 130 Minuten im mobilen Netz „versurft“ – was? Wie kann dies sein, die mobilen Daten waren deaktiviert. Um auf Nummer sicher zu gehen, und um nicht jeden Tag den Tages-Airbag von 3,50 Euro für nichts und wieder nichts zu zahlen, schaltete ich mein iPhone 7 in den Flugmodus. Wie schön, über die Feiertage war ich dann erst mal übers Mobiltelefon nicht erreichbar. Dafür hatte ich Zeit dem Problem auf den Grund zu gehen.

Wie nur konnte es sein, dass trotzt ausgeschalteter mobiler Daten ein Datenzugriff erfolgt, nebst der Abrechnung der von mir nicht initiierten Verbindung? Alles nur ein dummer Fehler, ein Einzelfall?

 

Fehlerhaftes LTE-Netz: Datensession trotz deaktivierter Mobilfunkdaten

Bei meiner Recherche stieß ich auf den Begriff „Geister-Roaming“. Schon 2016 berichteten Mobilfunknutzer über ungewollte Datenverbindungen im Ausland. Trotz deaktivierter Roaming-Option erfolgten Datenverbindungen – nur über wenige Kilobyte, dennoch oftmals genug, um kostenpflichtige Tages-Datenpakete auszulösen. Die Mobilfunkanbieter bestätigten dieses Problem, so gab beispielsweise die Telekom gegenüber teletarif.de bekannt: „Das beschriebene Phänomen „Geisterroaming“ ist uns bekannt. Einige wenige Kunden sind bei uns davon betroffen. Das Problem tritt bei allen Netzbetreibern auf, ist also kein Problem der Telekom oder des Telekom-Netzes. Es tritt nur bei der Nutzung von LTE mit LTE-fähigen Endgeräten auf. Mit Einführung von LTE müssen Endgeräte immer eine Datensession öffnen, weil über diese auch die „normale“ Signalisierung zwischen Netz und Endgerät läuft. Obwohl „Datennutzung aus“ oder „Datenroaming aus“ ausgewählt wurde, sendet das Endgerät geringe Datenmengen, z.B. beim Einschalten des Endgerätes, in das Internet.“

Aha! LTE baut also immer eine Datenverbindung auf, unabhängig davon, ob ich die Option am Smartphone ausschalte. Der Fehler: Dieser Signalverkehr wird dem Kunden in Rechnung gestellt. War ich der Lösung meines Problems mit dieser Erkenntnis ein Stück näher gekommen? Der nächste Besuch in der Heimat sollte dies klären. Nun deaktivierte ich LTE, danach die mobilen Daten bevor ich den Grenzübertritt antrat. In Deutschland angekommen aktivierte ich die mobilen Daten zeitweise und dokumentierte die exakte Nutzungsdauer. Der spätere Blick in die o2-App brachte die Erleichterung, denn nun stimmte die dort angegebene Nutzungsdauer mit meiner dokumentierten überein. Ergo: im 3G-Netz funktioniert die minutengenaue Abrechnung wieder wie gewohnt, der Schuldige (LTE) ward gefunden.

Ratschlag: Im Ausland und ohne Volumenvertrag, LTE lieber deaktivieren

Laut Vodafone und Telekom komme dort die Problematik wohl nicht mehr vor (siehe Bericht der Bild-Zeitung von August 2017), bei mir (und somit o2) läuft LTE dagegen wohl immer noch „Amok“. Relevant ist der Fehler im LTE-Netz vor allem für Auslandsreisende. Wer sich beispielsweise im nicht EU-regulierten Ausland befindet und somit nicht auf seinen Volumentarif vertrauen kann, der sieht sich etwaig damit konfrontiert bei aktivierter LTE-Verbindung ein kostenpflichtiges Tagespaket zu zahlen. Wenngleich man bei den Anbietern hier und da auf Kulanz und somit Rückerstattung hoffen kann, noch immer gilt besser:

  • LTE deaktivieren!
  • Roaming deaktivieren!
  • Mobile Daten deaktivieren!

Willkommen in der schönen neuen Welt, dort wo LTE fehlerhaft im Einsatz ist und man mancherorts dagegen schon plant, funktionierende 3G-Netze künftig abzuschalten. Irrsinn!

Apropos LTE und Co. Gehört ihr eigentlich zu denjenigen Zeitgenossen, die derartige Abkürzungen tatsächlich kennen und erklären können? Glaub ich nicht! Doch? Na dann beweist es in folgendem Quiz!

Im Dschungel der Abkürzungen: Was bedeutet eigentlich…?

LTE, GSM, MfG? Manchmal sind Abkürzungen ein Buch mit sieben Siegeln. Dennoch verwenden wir sie meist (unwissend) voller Selbstvertrauen. Doch kennst du dich im Dickicht der technischen Abkürzungen wirklich aus? Finde es jetzt in unserem kurzen Quizz heraus.


Anmerkung: Die in diesem Artikel ausgedrückten Ansichten und Meinungen sind die des Autors und stellen nicht zwingend den Standpunkt der GIGA-Redaktion dar.

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    Sven Kaulfuss 1
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