Postfaktisch: Was heißt das eigentlich? Leicht erklärt

Selim Baykara
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Postfaktisch heißt das Wort des Jahres 2016. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte vor einiger Zeit bekanntlich, dass wir in “postfaktischen Zeiten leben”. Was heißt das eigentlich genau? Und könnten die sozialen Medien damit etwas zu tun haben? Wir klären auf.

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Wie jedes Jahr hat die Gesellschaft für deutsche Sprache das Wort des Jahres gekürt. Die Jury, die sich aus dem Vorstand der Gesellschaft sowie den wissenschaftlichen Mitarbeitern zusammensetzt, wählte aus rund 2000 Vorschlägen die 10 Wörter, die laut Jury “den öffentlichen Diskurs des Jahres 2016 wesentlich geprägt und das politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Leben sprachlich in besonderer Weise begleitet haben.” Gewinner ist dieses Jahr der Begriff postfaktisch.

Postfaktisch Artikelbild

Postfaktisch: Wort des Jahres 2016 – Was heißt das?

Postfaktisch ist ein Kunstwort, das sich an dem englischen Begriff Post Truth orientiert. Auf Deutsch übersetzt heißt das ungefähr “Jenseits der Wahrheit”. Gemeint ist damit, dass die Fakten und Tatsachen in der öffentlichen Diskussion zunehmend unwichtiger würden. An die Stelle der objektiven Wahrheit träten Emotionen und das Aussprechen “gefühlter Wahrheiten”. Laut Pressemitteilung der Gesellschaft für deutsche Sprache seien “immer größere Bevölkerungsschichten in ihrem Widerwillen gegen »die da oben« bereit, Tatsachen zu ignorieren und sogar offensichtliche Lügen bereitwillig zu akzeptieren.”

Wort des Jahres Postfaktisch

Wort des Jahres 2016 ist Postfaktisch

Zu den weiteren Nominierungen zählten die Wörter Brexit, Silvesternacht oder Schmähkritik – also alles Begriffe aus den politischen Diskussionen dieses Jahres. Hier die vollständige Liste mit allen Kandidaten für das Wort des Jahres:

Platz 1 Postfaktisch
Platz 2 Brexit
Platz 3 Silvesternacht
Platz 4 Schmähkritik
Platz 5 Trump-Effekt
Platz 6 Social Bots
Platz 7 Schlechtes Blut
Platz 8 Gruselclown
Platz 9 Burkini-Verbot
Platz 10 Oh, wie schön ist Panama

2016 wurde das Wort des Jahres zum 41. Mal gekürt. Wie in der Vergangenheit wurde mit der Auszeichnung nicht der am häufigsten verwendete Ausdruck gewählt, sondern das Wort, welches das Jahr (nach Ansicht der Jury) besonders charakterisiert hat.

Postfaktisch: Fake-News auf Facebook, WhatsApp und Co. sind der neue Trend

Die Entscheidung der Jury ist für das Wort Postfaktisch bezieht sich wohl auch auf den neuen Trend, der seit geraumer Zeit in den sozialen Medien, allen voran dem Netzwerk Facebook, beobachten lässt. Experten kritisieren schon seit längerem, dass die neuen digitalen Technologien nicht zur Aufklärung beitragen, sondern die Wahrheit verfälschen. Ungeprüfte Behauptungen und gefälschte Nachrichten, sogenannte Fake-News, sind der neue Trend – die erfundenen Nachrichten verbreiten sich rasend schnell per Like und Share und erreichen gigantische Nutzerzahlen. Teilweise führt das dann auch zu ernsthaften Konsequenten in der Realität, wie die Episode mit den sogenannten Killer-Clowns kürzlich zeigte.

Lest bei uns auch, was das Wort des Jahres 2015 war. Außerdem erfahrt ihr, was das Jugendwort 2016 Fly sein genau bedeutet.

Bildquellen: Pathdoc, Gfs