Schaltet Apple etwa unliebsame Konkurrenz im App Store aus?

Holger Eilhard 1

Nachdem Apple aktuell schon aufgrund von Spotify bezüglich der Streaming-Angebote und dem App Store mit der EU-Kommission zu tun hat, droht nun möglicherweise weiterer Ärger. Diesmal geht es ums Thema Bildschirmzeit und Apples „Aufräumaktionen“, die ebenfalls im hauseigenen App Store stattfanden.

Schaltet Apple etwa unliebsame Konkurrenz im App Store aus?
Bildquelle: GIGA.

Diskussion um die Bildschirmzeit: Apple räumt im App Store auf

Ursprung der aktuellen Problematik ist ein Bericht der New York Times vom 27. April. Darin beschreibt die Zeitung eine Reihe von App-Entwicklern, die ihre Apps in Apples App Store aufgeben oder diese einschränken mussten. Die Einschnitte kamen mit der Vorstellung von Apples eigener Übersicht der Bildschirmzeit (im Englischen „Screen Time“), die der iPhone-Hersteller als Bestandteil von iOS 12 im vergangenen Jahr vorgestellt hatte.

In einigen Fällen verlangte Apple von den betroffenen Entwicklern, dass sie Features entfernen, die es etwa Eltern erlauben, die Geräte ihrer Kinder zu steuern oder den Zugriff auf bestimmte Inhalte zu limitieren. In anderen Fällen wurden die Apps wie erwähnt vollständig von Apple aus dem App Store entfernt. Der Bericht der New York Times legt dabei nahe, dass Apple dies nur gemacht hat, da das Unternehmen ein eigenes Feature für diese Möglichkeiten im Angebot hat.

Apples Bildschirmzeit ermöglicht aber längst nicht alle Features, die diese Dritthersteller anbieten. So erlauben einige Lösungen etwa die Steuerung über die Grenzen von iOS hinweg, zum Beispiel wenn die Kinder ein Android-Gerät benutzen.

Gegenüber den Entwicklern soll sich Apple dabei außerdem nur sehr zurückhaltend geäußert haben, wenn es um etwaige Anpassungen ihrer Apps ging. So versuchte ein Entwickler, nach der Bitte von Apple um eine Änderung an seiner App, mehrfach herauszufinden, um welche es denn genau ginge. Apple soll dabei keine konkreten Details genannt haben, sondern wies nur auf Punkt 2.5.1 in den App Store Review Guidelines hin. Mit Ablauf der Frist wurde die App, dessen Entwickler für mehr als 10 Jahre im App Store vertreten war, aus dem Store entfernt.

Bildschirmzeit war eine der Neuerungen in iOS 12. Hier sind die kommenden Features, die derzeit Teil von iOS 12.3 sind:

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iOS 12.3: Das sind die neuen Funktionen für iPhone & iPad.

Apple äußert sich zu Vorwürfen

Eine Apple-Sprecherin sagte gegenüber der New York Times, dass das Timing beim Entfernen der Apps nichts mit der Vorstellung des eigenen Screen-Time-Features zu tun habe. Infolge des Berichts veröffentlichte Apple daraufhin  eine E-Mail von Phil Schiller, Senior Vice President Worldwide Marketing, in der er auf einen Leserbrief antwortet (via MacRumors). Wenig später folgte dann eine offizielle Stellungnahme auf Apples Website.

Hierin beschreibt das Unternehmen, dass man die Apps aus dem Store entfernt hat, da sie die Privatsphäre und Sicherheit der Nutzer gefährden. Man sei im Laufe des vergangenen Jahres darauf aufmerksam geworden, dass „mehrere dieser Kindersicherungs-Apps eine stark eingreifende Technologie namens Mobile Device Management oder MDM verwenden“.

So könnte Apples Bildschirmzeit auf dem Mac aussehen:

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Bildschirmzeit für macOS: So könnte die Version für MacBook, iMac und Co. aussehen.

MDM ist dafür gemacht, um von Unternehmen verwendet zu werden. Diese können damit die Geräte ihrer Mitarbeiter im Auge behalten und so beispielsweise die darauf enthaltenen Daten absichern. Der Einsatz dieser Technologie stelle jedoch laut Apple ein großes Risiko dar, wenn ein privates Unternehmen die Kontrolle über das Gerät eines Kunden erlangen kann. Des Weiteren können MDM-Profile von Hackern dazu verwendet werden, „um sich für bösartige Zwecke Zugang zu verschaffen“.

Apple sagt weiter, dass es immer noch diverse Alternativen gibt, die Eltern die Möglichkeit geben, die Gerätenutzung ihrer Kinder zu verwalten. Als Beispiele nennt man „“ und „Verizon Smart Family“ - letztere ist im deutschen App Store jedoch nicht vorhanden.

Schon Anfang 2017 habe Apple begonnen Apps daraufhin zu untersuchen, inwiefern sie MDM verwenden. Laut Apple ermöglicht MDM „Drittanbietern die Kontrolle und den Zugriff auf ein Gerät und seine sensibelsten Informationen, einschließlich Nutzerstandort, App-Nutzung, E-Mail-Konten, Kamera­berechtigungen und Browserverlauf“. Das Unternehmen hat den betroffenen Entwicklern 30 Tage gegeben, um ihre Apps zu aktualisieren. Mehrere Anbieter haben entsprechende Updates veröffentlicht - „diejenigen, die es nicht getan haben, wurden aus dem App Store entfernt“.

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