Auto fahren und gleichzeitig am iPhone daddeln, das verträgt sich nicht. Unter dem Namen CarPlay hat Apple einen eigenen Standard parat, mit dem ihr euer iPhone auch als Autofahrer sicher nutzen könnt. Doch das klappt nur, wenn ihr ein kompatibles Auto habt. Wir zeigen euch die Features von CarPlay, wie ihr es nachrüsten könnt und welche Vor- und Nachteile ihr kennen solltet.

Wer am Steuer sitzt, sollte unbedingt die Finger vom Handy lassen, denn die Ablenkung ist die Ursache für viele Unfälle. Doch Smartphones bieten jede Menge nützliche Funktionen für Autofahrer. Die Lösung sind Standards wie Apple CarPlay. Das iPhone lässt sich so im Auto wesentlich sicherer nutzen.

Technisch gesehen ist CarPlay ein System von Apple, das aus zwei Komponenten besteht. Eine davon müssen Autohersteller ins Fahrzeug integrieren, den Hauptbestandteil bringt die iOS-Software auf dem iPhone mit. In einem mit Apple CarPlay ausgestatteten Fahrzeug könnt ihr dann euer iPhone ganz bequem über das Infotainmentsystem des Autos bedienen.

Ihr könnt mit Apple Maps oder auch Google Maps navigieren, per Freisprecheinrichtung telefonieren oder über Apple Music Musik hören.

iPhone als Beifahrer

Bild: Apple

Apple vermarktet CarPlay als Technik, um das iPhone im Auto zum perfekten Beifahrer zu machen. Damit das funktioniert, müsst ihr euer iPhone mit dem Infotainmentsystem des Autos verbinden. Das geht entweder per Kabel oder neuerdings auch „wireless“. Doch das und auch die CarPlay-Unterstützung überhaupt steht und fällt mit der Ausstattung des Fahrzeugs.

Erste Modelle mit verbautem Apple CarPlay gab es vereinzelt 2016, ab Baujahr 2017 könnt ihr euch realistischerweise Hoffnung auf die Unterstützung machen. Ältere Fahrzeuge haben definitiv kein CarPlay.

Apple CarPlay Kompatibilität Autos

Bild: Porsche

Die große Konkurrenz für Apple CarPlay nennt sich Android Auto und kommt, wenig überraschend, von Google. Die Idee ist gleich, mit Android Auto lassen sich entsprechend Android-Smartphones im Auto nutzen. Ein übergreifendes System, mit dem sich sowohl Android-Handys als auch iPhones anbinden lassen, gibt es nicht. Autohersteller müssen also beides einbauen, was viele auch tun.

Auf einer Status-Webseite von Apple seht ihr den aktuellen Stand der von CarPlay unterstützten Automodelle, darunter Audi, BMW, Mercedes und VW; aktuell sind es über 600 Modelle. Wichtig: Oftmals gehört CarPlay nicht zur Grundausstattung, sondern ist ein aufpreispflichtiges Extra. Prüft also genau, ob ein Fahrzeug auch wirklich CarPlay in der Ausstattungsliste aufführt.

Apple CarPlay Kompatibilität iPhones

Die meisten iPhone-Nutzer dürften auf der sicheren Seite sein, denn CarPlay gibt es schon ein paar Jahre und das Smartphone wechseln Nutzer meist öfter als das Auto. Ab dem iPhone 5, das 2015 iOS 7.1 erhalten hat, seid ihr mit grundlegendem CarPlay-Support dabei. Bei allen aktuell verkauften iPhones ist die Unterstützung selbstverständlich an Bord, schließlich hat sich auch iOS stark weiterentwickelt.

CarPlay einrichten

Bild: BMW

Apple CarPlay ist nicht nur interessant, wenn ihr Autobesitzer seid oder werden wollt. Auch in Mietwagen oder beim Car-Sharing ist es praktisch, denn dann könnt ihr CarPlay einfach und schnell nutzen. Eine explizite Einrichtung ist nicht nötig. Meist ist CarPlay in Autos nur per Kabelverbindung möglich. Ihr braucht also ein USB-Kabel mit Lightning-Stecker, um euer iPhone mit dem Auto zu verbinden. Am besten steckt ihr das Original Ladekabel ein, das dem iPhone beiliegt.

Macht das Infotainmentsystem im Auto an und verbindet das iPhone per USB-Kabel. Recht schnell sollte sich dann ein CarPlay-Screen zeigen. Damit sich CarPlay aber nutzen lässt, müsst ihr euer iPhone einmal explizit entsperren und der Nutzung zustimmen. CarPlay-Apps tauchen dann auf dem Touchscreen des Autos auf und ihr könnt loslegen.

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Apple CarPlay Apps und Features

Die Idee von Apple CarPlay ist überzeugend: Statt irgendwelche Infotainmentsysteme fest ins Auto einzubauen, die dann ohnehin schnell veraltet sind, baut man nur eine Schnittstelle zum iPhone ein. Ihr könnt dann also die Apps vom iPhone auf dem Touchscreen des Autos nutzen.

Doch hier gibt es eine wichtige Einschränkung: Die Nutzung im Auto klappt längst nicht für alle Apps, vielmehr müssen die Apps von ihren Entwicklern speziell für CarPlay fit gemacht werden und dazu muss Apple die Erlaubnis erteilen.

Und das Ok von Apple gibt es nur für ausgewählte Apps. Am Anfang hat Apple die erlaubten Apps für CarPlay noch sehr streng begrenzt, mittlerweile gibt es verschiedene Bereiche, aus denen CarPlay-Apps kommen können, etwa Audio-Apps, Messenger, Navis, Autohersteller-Apps oder Apps für spezielle Dienste wie Parkplätze finden oder Essen liefern.

Neben einigen Apps von Apple selbst, etwa Karten, Musik, Telefon oder Nachrichten werden mittlerweile auch Klassiker wie Amazon Music, Spotify, Google Maps, WhatsApp, Waze oder ntv unterstützt.

Kompatible Apps für CarPlay

Bild: GIGA


Welche von euren Apps kompatibel mit CarPlay sind, könnt ihr in den Einstellungen unter „CarPlay“ sehen. Wählt das Auto aus und danach „Anpassen“. In der Liste stehen alle Apps, die mit CarPlay funktionieren und ihr könnt sie durch Auswahl auf den Home-Bildschirm von CarPlay bringen.

Viele Details könnt ihr, wohl typisch für Apple, bei CarPlay nicht einstellen. Ein Schalter in den CarPlay-Einstellungen auf dem iPhone erlaubt die einmal eingerichtete Verbindung auch dann zu nutzen, wenn das iPhone gesperrt ist. Das ist praktisch, weil ihr dann das Smartphone nicht immer entsperren müsst. Es reicht dann, entweder das USB-Kabel einzustecken oder bei CarPlay Wireless mit einem eingerichteten iPhone in Reichweite zu kommen.

CarPlay nachrüsten: Kosten und Zubehör

Bild: JVC

Sich nur für Apple CarPlay ein neues Auto kaufen, so viel Begeisterung und Geld auf der hohen Kante dürften die wenigsten Menschen haben. Preiswerter kommt ihr mit Zubehör zum Nachrüsten an Apple CarPlay. Hersteller wie Alpine, Blaupunkt, JVC oder Pioneer haben passenden Autoradios im Angebot.

Ihr tauscht dazu einfach das Radio aus oder lasst das in einer Autowerkstatt machen. Was verbaut werden kann, ist abhängig vom Platz in der Konsole. Die meisten Nachrüstsysteme für Apple CarPlay erfordern einen Doppel-DIN-Schacht. Kompatible Geräte tragen das Logo „Works with CarPlay“ und sind ab rund 300 Euro zu haben.

CarPlay bedienen

Bild: Mercedes-Benz

Es gibt zwei Wege, um Apple CarPlay zu bedienen, manuell oder per Sprache. Die kompatiblen Apps vom iPhone tauchen zum Beispiel auf dem Touchscreens des Autos auf. Ihr könnt dort die Funktionen per Fingertipp steuern. Doch Vorsicht, das ist zwar nicht so gefährlich wie das iPhone in der Hand zu halten, aber auch das Tippen auf dem Touchscreen kann vom Verkehr ablenken.

Einige Hersteller verbauen deshalb eigene Controller oder Steuertasten für CarPlay am Lenkrad. Der zweite Weg ist für Autofahrer besonders interessant, die Steuerung von CarPlay via Siri. Ihr könnt dann mit einfachen Sprachbefehlen Navi und Musik steuern.

Apple CarPlay bei Audi, BMW, Mercedes und VW

Bild: Mercedes-Benz

Die deutschen Autohersteller haben nicht lange gezögert, um bei CarPlay einzusteigen. BMW war sogar schon bei einer Vorgängerprojekt mit Apple dabei, als man eine Lösung entwickelt hat, um den iPod besonders einfach in die Fahrzeuge zu integrieren. Mercedes war auch unter den ersten Partnern, als CarPlay im Jahr 2014 zum ersten Mal der Öffentlichkeit gezeigt wurde.

Die deutschen Hersteller sind alle seit 2016 mit ihren Modellen beim CarPlay-Support vertreten. Oft musste man den aber als Extra gegen Aufpreis bestellen. Mittlerweile führen immer mehr Modelle von Audi, BMW, Mercedes und VW CarPlay als Standardausstattung.

Apple CarPlay nicht im Tesla

Aktuell ist die Unterstützung für CarPlay schon recht gut. Die meisten Hersteller bieten es zumindest als Sonderausstattung an. Doch es gibt auch Ausnahmen. Was vielleicht auf den ersten Blick verwundert, Tesla bietet keinen Support für Apple CarPlay an. Der E-Auto-Pionier nutzt sein eigenes System und hält Drittanbieter draußen.

Apple CarPlay Wireless

Bild: Mercedes-Benz

Wireless ist beim iPhone ohnehin cooler, denkt nur an WLAN, Bluetooth, Apple Pay oder Aufladen per Induktion. Bei CarPlay ist das ähnlich, obwohl die meisten Fahrzeuge tatsächlich noch ein USB-Kabel für die Verbindung zum iPhone erfordern. Aber schon seit iOS 9 gibt es CarPlay Wireless, das erst per Bluetooth Kontakt aufnimmt und danach per WLAN funktioniert. Zur Konfiguration müsst ihr die Taste für Sprachsteuerung am Lenkrad gedrückt halten und das Pairing mit dem iPhone ausführen.

Wenn ihr Apple CarPlay nur mit Kabel im Auto habt, könnt ihr CarPlay Wireless per Adapter nachrüsten. Die werden zwar immer wieder bei Angeboten unter 100 Euro gesichtet, oft muss man aber happige 150 Euro für den Spaß hinblättern.

Apple CarPlay Android

Bild: Volkswagen

Apple CarPlay funktioniert nur zusammen mit iPhones. Wenn ihr ein Android-Gerät habt, bringt euch CarPlay nichts. Die gleiche Idee setzt Google aber mit Android Auto um und viele Autohersteller sind mittlerweile soweit, dass sie beide Systeme integrieren. Es macht also nichts, wenn ihr von einem iPhone zu Android wechselt oder umgekehrt, euer Smartphone könnt ihr trotzdem im Auto nutzen.

Apple CarPlay Vorteile

Das Auto muss zwar auf Apple CarPlay vorbereitet sein, damit ihr das iPhone ins Infotainment integriert kriegt, doch die Hauptlast trägt das Smartphone. Die häufigen Updates, die Apple und auch die App-Anbieter raushauen, gewährleisten ein stets aktuelles System. Gut ist auch, dass es mittlerweile viel Zubehör gibt, um CarPlay bei älteren Autos nachzurüsten. Auch die Unterstützung von CarPlay durch die Autohersteller ist recht gut.

Apple CarPlay Nachteile

Bild: Volkswagen

CarPlay gehört bei vielen Autoherstellern noch nicht zur Grundausstattung. Teilweise werden heftige Aufpreise verlangt und die CarPlay-Funktion an teure Infotainmentsysteme gebunden. Weiterer Nachteil: Zwar geht Apple bei den CarPlay-Apps nicht mehr ganz so restriktiv vor, das Angebot ist aber immer noch überschaubar.

Hier würde etwas mehr Vielfalt nicht schaden. Luft gibt es auch noch nach oben bei der Hardware-Unterstützung. Klassischerweise landet CarPlay auf dem Hauptbildschirm im Auto. Zweit- oder Head-Up-Displays bleiben außen vor. Vor allem bei Apple Karten nervt, dass Apple durchaus coole Features am Start hat, die aber gefühlt ewig nicht nach Deutschland bringt.

iPhone als Autoschlüssel

Bild: Apple

CarPlay ist nur der Anfang, das iPhone versucht sich auch in anderen Bereichen rund ums Auto zu positionieren, so auch als Autoschlüssel. Statt einen echten Schlüssel mit sich rumzutragen, wird der Autoschlüssel komplett digitalisiert und per App auf dem iPhone dargestellt.

Mit CarPlay hat das eigentlich nichts zu tun, aber viele CarPlay-Nutzer dürften nicht abgeneigt sein bei dem Gedanken, auch den Autoschlüssel künftig mit dem iPhone immer dabei zu haben. Als digitales Schlüsselbrett arbeitet die Wallet-App, in der sich Autoschlüssel hinterlegen lassen.