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„Girl Math“ bei TikTok: Darum ist der neue Trend gefährlich

Ein neuer Trend auf TikTok zeigt einen problematischen Umgang mit Geld. (© IMAGO / Panthermedia)

Auf TikTok macht der neue Trend „Girl Math“ die Runde. Die Kurzvideos wirken auf den ersten Blick witzig, doch sie vermitteln einen teilweise gefährlichen Umgang mit Geld.

TikTok lebt von seinen kurzen Videos (Reels), die die User schnell in ihren Bann ziehen. Diese Schnelllebigkeit gilt auch für jegliche TikTok-Trends: Kaum wurde ein neuer Trend geboren, ist er auch schon wieder out und ein neuer Hype macht die Runde. Das gilt auch für „Girl Math“. Wir erklären euch, warum dieser Trend problematisch ist.

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TikTok-Trend „Girl Math“: Das steckt dahinter

Kennt ihr das? Manchmal versucht man sich in seinem Kopf finanzielle Ausgaben schönzureden: „Ah, ich habe mir heute keinen Kaffee gekauft. Das heißt, morgen kann ich mir zwei gönnen!“ Oder: „Vor Kurzem hab ich endlich meine Steuerrückzahlung erhalten. Sie fiel sehr großzügig aus, investiere ich gleich mal in den neuen Fernseher.“ Oder auch: „Geil, das neue Shirt konnte ich mit meinem übrigen Bargeld bezahlen. Geht also nicht vom Konto ab, somit war es ja quasi umsonst.“ Diese verdrehten Rechtfertigungen und Beschönigungen rundum den Umgang mit Geld sind bei TikTok ein Trend geworden, der auf den Namen „Girl Math“ hört.

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Hier ein kleines Beispiel:

Es geht also darum, sich einzureden, dass man – anstatt Geld auszugeben – gespart, wenn nicht sogar einen Gewinn gemacht hat (wie im Fall der Steuerrückerstattung). Der TikTok-Kanal „Fvhzm“ hat diese Rechen-Methode (wenn man es so nennen kann) ins Leben gerufen und berät verschiedene Frauen, die eine große Ausgabe vor sich und anderen rechtfertigen wollen. So geht es zum Beispiel um eine Handtasche, die über 1.000 US-Dollar gekostet hat. Eine der Moderatorinnen erklärt, dass sie ebenfalls eine teure Tasche gekauft hat. Aber da sie sie bereits seit 5 Jahren besitzt, senkt das ja gewissermaßen den Preis. Geht man also davon aus, dass die 1.000-Dollar-Handtasche, sagen wir mal, 20 Jahre hält, hat die Person im Endeffekt nur 50 Dollar pro Jahr dafür bezahlt.

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Anderes Beispiel: Eine Frau möchte zu ihrer Hochzeit gern Extensions für ihre Haare haben, allerdings kommen dafür Kosten von 400 US-Dollar auf sie zu. Bricht man den Preis allerdings auf einen Zoll herunter, liegt der Preis gerade mal bei 1,40 Dollar (pro Zoll). Und ist das nicht wiederum günstig?

Diese Girl-Math-Rechnung könnt ihr euch hier noch einmal anschauen:

Girl Math: Problematisch oder clever?

So schön diese Rechnungen auch im ersten Moment klingen, sie entsprechen nicht der Realität. Das hebt auch der Psychologe und Finanzexperte Brad Klontz im Interview mit CNBC hervor: „Girl Math ist die aktuelle Methode, mit der wir versuchen, finanzielle Ausgaben zu rationalisieren, obwohl wir wissen, dass wir sie uns nicht leisten können.“ Und gerade weil wir uns die Produkte oder Dienstleistungen nicht leisten können, versuchen wir sie vor uns selbst zu rechtfertigen. Im YouTube-Video von „Brust raus“ wurde dieser Gedanke weitergeführt: So kann ein Grund sein, dass man sich viel zu teure Dinge gönnt, weil man dazugehören möchte. Doch ebenso spielt die Belohnungs-Kultur eine große Rolle: Mit der viel zu teuren Handtasche tue ich mir doch schließlich etwas Gutes – man gönnt sich ja sonst nichts!

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Ein weiteres Problem: Mit derartigen Rechnungen wird ein veraltetes und falsches Bild von Frauen und deren Umgang mit Geld vermittelt. So zum Beispiel, dass Frauen ja sowieso keine Ahnung von Geld haben und es deswegen für unnötigen Kram ausgeben. Von diesen Klischees und dem falschen Umgang mit Geld werden vor allem junge Menschen, die TikTok am meisten nutzen, beeinflussen lassen. Obwohl viele Creator klarmachen, dass diese Girl-Math-Videos mit einem Augenzwinkern angeschaut werden sollten, wird die Ironie dahinter nicht immer deutlich.

Eine Person sitzt vor einem Laptop und hat die Kreditkarte gezückt.
Der neue TikTok-Trend befeuert das Klischee, dass Frauen ihre Finanzen nicht im Griff haben (Bildquelle: Imago / Westend61)

Aber: Das Runterrechnen einer Ausgabe muss nicht zwangsläufig schlecht sein. An „Buy it for Life„-Produkten – also hochwertige Waren, die bestenfalls ein Leben lang halten – kann man das gut erklären: So kosten die G-Shock-Uhren von Casio etwas mehr als 100 Euro. Aber da sie wasser- und stoßfest und mit einem Solarmodul ausgestattet sind, begleiten sie euch eine lange Zeit. Ein derartiges Kosten-Nutzen-Prinzip ist bei solchen Investitionen also tatsächlich hilfreich und nachhaltig.

In unserem separaten Artikel zeigen wir euch verschiedene BIFL-Produkte:

Klarna: Warum „Buy now, pay later“ keine Lösung ist

Die Art und Weise, wie auf TikTok der Umgang mit Geld dargestellt wird, verharmlost nicht nur Themen wie Kaufsucht, sondern romantisiert diese. Das gilt ebenso für Schulden: Kauft man immer wieder Dinge, die man sich eigentlich nicht leisten kann, rutscht man sehr schnell ins Minus.

Der Dienstleister Klarna hat dafür ein – auf den ersten Blick – hilfreiches System entwickelt: Buy now, pay later. Bedeutet: Der Preis des neuen Sofas ist aktuell zu hoch? Dann kauf es jetzt und zahl in 30 Tagen, wenn der Lohn wieder eingetrudelt ist. Oder noch besser: Nutze doch einfach den Ratenkauf. Was verlockend klingt, könne aber zu schnell für zu hohe Schulden sorgen. Für das Bezahlmodell musste Klarna auch schon Kritik einstecken.

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Schluss mit Impulskäufen: So bekommt ihr eure Finanzen in den Griff

Okay, wir haben euch jetzt gezeigt, wie man nicht mit Geld umgeht. Zum Schluss wollen wir euch aber natürlich mit einigen Tipps versorgen, wie ihr ein besseres Gefühl für eure Ausgaben bekommt:

  • Wenn ihr euch unsicher seid, ob ein Produkt oder eine Dienstleistung zu teuer sein könnte, dann hört zuallererst auf dieses Bauchgefühl und seht – wenn möglich – vom Kauf ab.
  • Führt ein Haushaltsbuch! Das hilft, um die Finanzen im Blick zu behalten und hilft euch im Umgang mit Geld. Eine kostenlose Excel-Vorlage gibt's bei Madame Moneypenny oder zum Beispiel die kostenlose App von Finanzguru in eurem Appstore auf dem Smartphone.
  • Ihr wollt ein Produkt unbedingt kaufen? Dann schlaft trotzdem (mindestens) eine Nacht drüber, um einen eventuell unnötigen Impulskauf zu vermeiden.
  • Checkt doch mal, ob es euer Wunsch-Handy, ein Möbelstück oder das spezielle Oberteil vielleicht auch gebraucht gibt. So könnt ihr nicht nur Geld sparen, sondern tut zusätzlich noch etwas Gutes für die Umwelt.

In unserem Video zeigen wir euch, mit welchen Apps ihr etwas nachhaltiger leben könnt:

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