Der Microsoft Flight Simulator ist so realistisch, ihr könnt sogar euer eigenes Haus besuchen

Johannes Repp 1

Falls ihr schon immer mal eine Boing 747 im eigenen Vorgarten landen wolltet, Microsoft will euch diesen Wunsch erfüllen, und zwar jedem Menschen dieses Planeten.

Zugegeben, ihr müsstet einen ziemlich großen Vorgarten haben, aber die Straße vor der Haustür wäre auch möglich. Warum das in Microsofts Flight Simulator gehen soll? Die Entwickler versprechen, dass jeder Mensch auf der Erde sein eigenes Haus und seine Nachbarschaft im fertigen Spiel mit dem Flugzeug besuchen kann. Aus 4K-Satellitenbildern bastelt die KI der Azure-Cloud wortwörtlich die gesamte Erde. Irgendwo her müssen die 2.000 Terabyte der Spielgröße ja auch kommen.

Ob sie dieses Versprechen tatsächlich einhalten können, bleibt abzuwarten. Dem ambitionierten Plan könnten durchaus Länder im Weg stehen, die nicht so erfreut darüber sind, die Kartendaten des eigenen Landes preiszugeben.

Authentisch, akkurat und realistisch soll der Microsoft Flight Simulator werden. Auch auf Reddit wird schon heiß diskutiert, ob dieses Versprechen eingehalten werden kann und natürlich auch, ob der eigene PC dieser Simulation überhaupt gewachsen ist.

Originalmeldung vom 4. Oktober 2019:

Microsoft Flight Simulator: Woher kommt die Faszination?

Seit 1982 will Microsoft mit seiner Flugsimulatoren-Serie hoch hinaus – jetzt haben sie den Vogel abgeschossen.

Auf der E3 2019 hat Microsoft einen neuen Teil der Flight-Simulator-Reihe angekündigt. Dieser soll etwas ganz Besonderes sein und vom Entwickler bis zu zehn Jahre lang Support erhalten. Aber lohnt sich das überhaupt?

 

Der Trailer lässt auf eine beeindruckend realistische, detailreiche Grafik hoffen. Aber der Microsoft Flight Simulator ist vor allem eines: Groß. Sehr groß. Geradezu exorbitant riesig. Die enorme Spielwelt soll 2 Millionen Städte mit insgesamt über 40.000 Flughäfen simulieren. Und diese sollen nicht leer sein – Autos, Busse, Boote und andere Flugzeuge sollen ebenfalls über den Bildschirm wuseln und eure Grafikkarte zum Glühen bringen. 2020 soll das Spiel für Xbox One und Windows 10 erscheinen.

Microsoft Flight Simulator 2020: Ankündigungstrailer E3 2019.

Hat Microsoft sich übernommen?

Wir alle haben noch die Enttäuschung durch No Man’s Sky im Hinterkopf. Auch hier hat der Entwickler eine riesige, schier unendliche Spielwelt versprochen, in der kein angesteuerter Planet wie der andere ist. Das stimmte zwar, trotzdem waren die Welten recht repetitiv und vor allem leer. Die prozedural generierten Landschaft waren oft einsame, leere Gesteinswüsten. Hat Microsoft sich mit seinem Versprechen also zu weit aus dem Fenster gelehnt?

Eine KI schafft Abhilfe

Die Spielwelt im Microsoft Flight Simulator ist nicht prozedural generiert. Die komplette Erde wird mühselig und detailgetreu nachgebaut. Dass das nicht händisch passieren kann, ist klar. Mit der Entwicklung des Spiels wurde das französische Studio Asobo beauftragt, das für Titel wie A Plague Tale: Innocence verantwortlich ist. Sie verwenden für den Bau der Karten im Flugsimulator eine KI, die mit Hilfe mehrerer Microsoft-Dienste die virtuelle Welt nachbaut. Grundlage für die Map sind 4K-Satellitenbilder von Bing. Die KI der Azure-Cloud platziert die Gebäude, die Daten über deren Höhe stammen aus der freien Datenbank OpenStreetMap.

Microsoft setzt auf Always-Online

Da wichtige Prozesse, wie zum Beispiel die Gebäudeplatzierung, über die Cloud passieren sollen, setzt Microsoft auf das Always-Online-Prinzip. Soll heißen, dass arbeitsintensive Rechenprozesse werden auf einen externen Server ausgelagert, sodass ihr immer online sein müsst, um zu spielen. Durch die Größe der Map fallen auch riesige Datenmengen an, die euer Heim-PC niemals bewältigen könnte. Deshalb greift das Spiel auf die Streaming-Methode zurück.

Man kann auch offline spielen, aber mit Abstrichen. Die Gebäude sind dann nicht mehr zentimetergenau von einer Cloud-KI platziert, sondern prozedual generiert. Die Karten, die ihr überfliegen wollt, müsst ihr vorher erst im gewünschten Detailgrad herunterladen. Möglich soll eine Auflösung der Texturen von bis zu 4K möglich sein. Allerdings bräuchtet ihr dafür schnelles Internet. Hallo, Netzausbau Deutschland!

Wer die ganze Erde herunterladen will, braucht viiiieeeel Speicherplatz. Und eine stabile Leitung. Und Geduld. Denn das komplette Spiel ist 2 Petabyte groß. Das sind 2.000 Terrabyte. Oder 2.000.000 Gigabyte. Das ist über 30.000 mal größer, als GTA V!

10 Jahre Support?

Microsoft gibt sich sehr überzeugt von seinem Produkt. Die Entwickler haben einen bis zu 10 Jahre anhaltenden Support versprochen – dabei erscheint der neue Flight Simulator im voraussichtlich XBox Game Pass. Kontinuierliche Updates liefern dabei sollen immer neue Flugzeugtypen. Ebenfalls soll es eine Art Flugschule geben, in der man als Co-Pilot neben einem menschlichen Lehrer im Cockpit sitzen kann. Letzteres Feature wird allerdings zum Launch wohl noch nicht vorhanden sein. Wie sich der Service über eine so lange Zeit finanzieren will, steht noch offen. Sind das dort am Horizont etwa Mikrotransaktionen?

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Und dann sind da noch die Blechvögel

Die Flugzeuge sehen schon im Alpha-Material detailliert und realistisch aus. Auch das Flugverhalten wirkt recht realitätsnah. Luftlöcher, Regen und Stürme – welche Gefahren werden uns Couch-Piloten wohl erwarten? Vielleicht sogar in VR? Allerdings stellt sich wie bei jedem Simulator die Frage, wie viel Realismus den Spielspaß killt. Da Microsoft den Titel als Langzeitprojekt etablieren will, müssen sie sich zwangsweise auch eine treue und vor allem rentable Fan-Gemeinde erwirtschaften.

Meinung von Johannes Repp

 

Ist Microsoft zu abgehoben?

Alles in Allem wirkt das Projekt Flight Simulator recht vielversprechend. Spiele wie GTA V, Counter Strike oder World of Warcraft haben gezeigt, dass sich auch Jahre nach der Veröffentlichung immer noch schwarze Zahlen schreiben lassen – wenn die Community stimmt. Jeder genannte Titel hat sein eigenes Geschäftsmodell und eine andere Spielerschaft. Ich habe bewusst so verschiedene Spiele gewählt, um aufzuzeigen, dass es für jedes Genre eine treue Gemeinde geben kann. Simulatoren haben es allerdings schwierig, die breite Masse zu erreichen – wenn sie nicht totaler Humbug sind.

Der Flight Simulator hat es definitiv geschafft, unter den vielen Trash-Simulatoren herauszustechen. Nach diesem geglückten Start braucht Microsoft nur noch eine sichere Flugroute und genügend Treibstoff, um keine Bruchlandung hinzulegen.

Bitte klappen sie die Tische nach oben und bringen sie die Sitze in eine aufrechte Position. In Kürze erreichen wir 2020!

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