Praktisch die gesamte Automobilbranche setzt auf selbstfahrende Autos für die Zukunft. Mit zunehmendem technologischen Fortschritt sollen die ganz ohne menschliches Eingreifen auf unseren Straßen unterwegs sein. Ein Experte fürs autonome Fahren bezweifelt, dass es jemals dazu kommt.

Selbstfahrende Autos bloß teure Fiktion?

Geht es nach Ashley Nunes, Direktor des Bereichs Wettbewerbspolitik beim US-Thinktank R Street Institute, werden wir wohl nie Autos auf unseren Straßen sehen, die zum Fahren nicht mehr auf Menschen angewiesen sind. Nunes hält die Hoffnungen, welche die Automobilbranche in fahrerlose Autos setzt, für überzogen. „Es wird Zeit, dass wir den Traum vom autonomen Fahren als das erkennen, was er ist: ein Disneyland-Spektakel“, erklärt er in einem Artikel für das US-Magazin Business Insider.

Aber wie kommt Nunes zu dieser – für die Autoindustrie annähernd – desaströsen Einschätzung? Zwei Gründe spielen dabei eine entscheidende Rolle: Zum einen betrachtet Nunes den Status Quo: Zwar würden verschiedene Hersteller mit ihren Fortschritten in Sachen selbstfahrende Autos werben, tatsächlich sei das aber „mehr Fiktion als Fakt“.

Damit es zur Realität werde, bräuchte es Fahrzeuge, die Level 4 (ohne Notwendigkeit menschlicher Eingriffe) oder Level 5 (menschliche Eingriffe sind nicht möglich) schaffen, was bisher noch keinem Hersteller in der Breite gelungen ist. Für Nunes ist der vorgebliche Vorteil von Maschinen zudem keiner: Zwar brauchen Computer und Algorithmen keine Pause, aber „ähnlich wie bei Menschen kann man bei Maschinen nicht davon ausgehen, dass sie immer alles richtig machen.“ Egal, wie weit die Technik für autonomes Fahren fortschreitet, so Nunes, es brauche immer menschliche Kontrolle.

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Was bedeutet das Ende des autonomen Fahrens für die Autohersteller?

Zum anderen müssen Autohersteller und Software-Anbieter die noch neue und entsprechend teure Technik (weiter) entwickeln – die Automatisierung durch Software soll langfristig auch Kosten sparen. Gleichzeitig müssten sie nach Nunes auch Leute für die Überwachung und Wartung der Systeme anstellen und bezahlen. So würde autonomes Fahren langfristig nicht rentabel, für den Automatisierungsexperten Nunes ein Ausschlusskriterium.

Er geht davon aus, dass es, wenn überhaupt, sehr lange dauern werde, bis die nötige technische Perfektion erreicht werden könnte. Bis es soweit ist, müsste auf lange Sicht in ein unrentables Geschäft investiert werden. Dazu kommen mancherorts gesetzliche Hürden, die in Deutschland gerade zumindest teilweise aus dem Weg geräumt werden sollen.