Trotz Kritik: Huawei bekommt Rückendeckung aus Deutschland

Simon Stich 5

Deutschland soll beim Ausbau des 5G-Netzes nicht auf Technik von Huawei verzichten, fordert die Bundesregierung. Das Kanzleramt hat eine entsprechende Klausel in letzter Minute streichen lassen, heißt es. Datenschützer stellen unterdessen weitere Forderungen.

Deutsches 5G-Netz: Huawei wird nicht ausgeschlossen

Die Bundesnetzagentur wollte eigentlich auf Huawei verzichten, doch eine Intervention des Kanzleramts macht nun einen Strich durch die Rechnung: Der chinesische Netzwerkausrüster Huawei wird nicht explizit vom Ausbau des deutschen 5G-Netzes ausgeschlossen. Das hatte unter anderem die US-Regierung deutlich empfohlen, da sie mit chinesischen Spionagetätigkeiten rechnet. Eine „Abhängigkeit“ Deutschlands von Huawei würde schwere Folgen haben, warnte die US-Regierung.

Ursprünglich hatte die Bundesnetzagentur im aktuellen Entwurf für die Sicherheitsanforderungen der Telekommunikationsnetze Huawei mit einer Klausel vom deutschen 5G-Markt ausschließen wollen. Dazu wird es jetzt aber nicht kommen, berichtet unter anderem n-tv.de. Der endgültige Beschluss soll dann in den nächsten Tagen veröffentlicht werden.

Huawei steht schon länger in der Kritik, ihre Infrastrukturprojekte zur Spionage zu nutzen. Beweise gibt es dafür bis heute aber keine. Auch das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik kam nach einer Untersuchung zu dem Schluss, dass Huawei keine Gefahr darstellen würde. Der chinesische Konzern war auch beim Aufbau der bisherigen Mobilfunknetze in Deutschland beteiligt, es würde sich also nicht um einen erstmaligen Einstieg handeln.

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Huawei will Quellcode einsehen lasen

Huawei gibt sich weiter zuversichtlich. Der Konzern hatte über sein jüngst eröffnetes „Cybersicherheits-Transparenzzentrum“ angeboten, den Quellcode der eingesetzten Software Regierungen zu überlassen. Deutschland soll davon bereits Gebrauch gemacht haben.

Geht es nach dem Hamburger Datenschützer Johannes Caspar, dann sollten die Bedingungen für den Zugang zum 5G-Markt in Deutschland für Huawei verschärft werden. Gegenüber dem Portal golem.de sagte er: „Bei derartigen Projekten zu kritischen Infrastrukturen, die für das Funktionieren des Gemeinwesens eine besondere Bedeutung haben, sollte vertraglich vom Auftragnehmer höchstmögliche Transparenz gefordert werden.“

Huawei arbeitet bereits an 5G-Handys, wie die Bilderstrecke zeigt:

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Huawei Mate 20 X 5G in Bildern: Wie groß ist zu groß?

5G: Kaum EU-Alternativen zu finden

5G-Hardware aus dem EU-Raum zu bekommen, sei dagegen schwer, erklärt Johannes Caspar weiter: „Europäische Lösungen sind hier wohl eher schwierig, da kaum vorhanden.“ Auch Lösungen aus den USA wären zumindest bedenklich, da auch hier Spionage-Vorwürfe im Raum stehen. Eine Untersuchung von heise Security im Jahr 2014 ergab, dass in Routern von verschiedenen amerikanischen Anbietern – unter anderem Cisco und Netgear – Hintertüren eingebaut waren. Beschwerden über womöglich offene Ports bestehen im Support-Forum von Cisco bereits seit 2010. Die von Herstellern im Jahr 2014 bereitgestellte Lösung sei nach Einschätzung des Backdoor-Entdeckers Eloi Vanderbeken aber nicht ausreichend gewesen.

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