Libratone Track Air+ im Test: Mit Noise Cancelling, aber ganz ohne Kabel

Stefan Bubeck 2

Für verlockende 199 Euro (UVP) bieten die Libratone Track Air+ eine Funktion, die den Apple AirPods und den Samsung Galaxy Buds fehlt: Aktives Noise Cancelling zur Dämpfung störender Lärmquellen. GIGA-Audioexperte Stefan hat den True-Wireless-Kopfhörer mehrere Wochen genutzt und dabei gute, aber auch gemischte Erfahrungen gemacht.

Libratone Track Air+ im Test: Mit Noise Cancelling, aber ganz ohne Kabel
Bildquelle: GIGA.

Wie sehen die Libratone Track Air+ aus?

Libratone hat es geschafft, die Track Air+ durch geschicktes Design ausgesprochen kompakt wirken zu lassen. Beide Gehäuse sind rundlich (dieser Teil liegt im Ohr), daran befindet sich jeweils ein länglicher, dreieckiger Fortsatz (liegt außerhalb des Ohrs und zeigt nach unten) – ein clevere Mischung aus dem „Zahnbürstenkopf-Design“, wie es Apples AirPods vormachen und der ansonsten bei True-Wireless-Kopfhörern recht verbreiteten Pfropfen-Form. Auf jeden Fall ein gelungener eigenständiger Entwurf, keine freche Kopie eines anderen Herstellers (Grüße an der Stelle an Huawei mit den Freebuds 3).

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Die Verarbeitungsqualität der Libratone Track Air+ ist hervorragend und muss sich nicht vor anderen Modellen der Preisklasse verstecken. Das Ladecase (Wireless-Charging-fähig) überzeugt durch eine kompakte Bauform und einfache Handhabung – allerdings ist der Kunststoff innerhalb von Stunden leicht verkratzt, nach einigen Tagen sieht man dem Etui die Nutzung auf den ersten Blick an. Zumindest unsere Version in mattem Schwarz erwies sich in der Hinsicht als optimierungsbedürftig.

Wie ist der Tragekomfort der Libratone Track Air+?

Die Silikonaufsätze der Libratone Track Air+ sind nicht streng zylinderförmig, sondern ein wenig abgeflacht. Das führt zu einem eher lockeren Tragegefühl im Ohrkanal – andere In-Ears fühlen sich dagegen fast schon an wie zwei kleine Korken. Etwas heikler wird aber dadurch auch die Sache mit der Isolation: Man muss unbedingt die richtige Größe wählen und den perfekten Sitz im Ohr ermitteln, denn wenn die Passstücke nicht rundum abdichten, dann sind Klangqualität und Geräuschdämmung schnell dahin.

Bis auf diese besondere Sorgfaltspflicht gibt’s nichts zu beachten: Aus dem Case nehmen, richtig einsetzen, stundenlang tragen. Da drückt und zwickt nichts, das ist einer der bequemsten True-Wireless-Kopfhörer, der mir je untergekommen ist. Allenfalls die Apple AirPods fühlen sich noch einen Hauch luftiger an – aber dafür schirmen diese eben auch vergleichsweise schlecht Außengeräusche ab.

Wie klingen die Libratone Track Air+?

Das dänische Unternehmen Libratone hat sich mit seinen Lautsprechern der Zipp-Reihe schon einen Namen in der Audio-Branche gemacht. Auch die Libratone Track Air+ zeigen, dass ein hohes Verständnis für Klangqualität vorliegt und ins Produkt eingeflossen ist. Das Ergebnis ist ein geschmeidiger, neutraler Klang – da macht jede Musikrichtung Laune, bis hin zu sehr hohen Lautstärkepegeln. Ich bevorzuge in der Libratone-App (für Android und iOS) die Einstellung „Extra Bass“, das gibt einigen Songs eine Prise zusätzlichen Dampf. Insgesamt ist der Sound also gut bis sehr gut, nur für die allerhöchsten Sphären reicht es letzten Endes nicht. Die zum Vergleich herangezogenen Sennheiser Momentum True Wireless spielen detailreicher und bieten mehr von dem, was sich unter Audiophilen „Tiefenstaffelung“ nennt. Die Libratone Track Air+ können aber meiner Einschätzung nach die AirPods (1. Gen.) und die Samsung Galaxy Buds in vielen Fällen klanglich hinter sich lassen.

Welche Vorteile bieten die Libratone Track Air+?

Aktives Noise Cancelling! Meine Hoffnungen waren groß, denn aktive Unterdrückung von Umgebungslärm ist bisher nicht so oft bei True-Wireless-Kopfhörern zu finden. Die Track Air+ besitzen so einen handfesten Vorteil gegenüber einem Großteil der Konkurrenz, die nun nachlegen muss.

Einen ersten „Dämpfer“ gab es dann aber beim Ausprobieren und vor allem beim Vergleich mit dem Over-Ear-Modell Bose NC 700 HP – das ANC der Libratone Track+ ist zwar eindeutig wirksam, aber bei weitem nicht so wirkungsvoll wie bei den Over-Ears. Es ist vergleichbar mit einer dünnwandigen Türe, die einen Raum ein klein wenig vor außen stattfindendem Krach abschottet. Vor allem tiefen Frequenzen (Rumpeln der U-Bahn) wird die Durchschlagskraft genommen, aber ein schreiendes Baby kommt problemlos durch. So gesehen ist es erstaunlich, dass die Libratone-App das ANC in sage und schreibe 30 Stufen regeln lässt und sogar einen automatischen Modus anbietet – da hätte auch einfach „Ein“ und „Aus“ gereicht, die Stufen dazwischen sind unnötig. Kurz: Das Noise Cancelling funktioniert, ist aber nicht stark. Während Musik läuft, hilft es dem Hörer, sich etwas mehr Privatsphäre zu erlangen.

Gut zu wissen: Wenn man sich beide Gehäuse aus den Ohren nimmt, dann stoppen die Track Air+ automatisch die Wiedergabe auf dem Smartphone.

Was fehlt den Libratone Track Air+?

Kein Multipoint-Bluetooth: Ein „fliegender Wechsel“ zwischen mehreren Abspielgeräten ist nicht möglich. Man muss jedesmal manuell im Bluetooth-Menü verbinden, etwa wenn man vom Smartphone aufs Tablet wechselt. Wer nur einen einzigen Zuspieler nutzt, dem wird diese Schwäche wahrscheinlich nicht auffallen. Trotzdem ist das ein Feature, das zunehmend wichtiger wird, denn Kontinuität steht längst auch bei Betriebssystemen im Fokus.

Eingeschränkte Touch-Bedienung: An den Gehäusen kann man per Doppeltipp Steuerbefehle abgeben, etwa „nächster Song“ oder „Play/Pause“. Was mir ein wenig fehlt, ist eine Lautstärkeregelung, damit ich das Handy auch mal stecken lassen kann.

Libratone Track Air+: Was muss ich sonst noch wissen?

Ich konnte (ultrakurze) Verbindungsaussetzer provozieren, wenn das Smartphone in einer bestimmten Jackentasche verfrachtet war. Andere Kopfhörer verhielten sich in der selben Situation unauffällig – für mich ist das zumindest ein Hinweis darauf, dass die Bluetooth-Verbindungsstärke der Track Air+ nicht im Spitzenfeld anzusiedeln ist. Einen Grund für eine Abwertung sehe ich hier nicht, es soll aber eben nicht unerwähnt bleiben.

Die Akkulaufzeit der Earbuds entspricht ungefähr den Herstellerangaben (bis zu 6 Stunden, insg. 24 Stunden mit Ladecase). Im mobilen Alltag sind sie auf jeden Fall den Anforderungen gewachsen und haben mich nicht im Stich gelassen.

Libratone Track Air+: Soll ich mir den Kopfhörer kaufen?

Die Libratone Track Air+ sind ein großer Wurf und haben mich nach einigen Wochen der täglichen Nutzung (auch auf einer Flugreise) überzeugen können. Nervig fand ich das Neu-Koppeln beim Wechsel zwischen iPhone und iPad, auch die App mit Login-Zwang hinterlässt einen faden Beigeschmack. Ansonsten einer der besten True-Wireless-Kopfhörer für einen – Libratone wird einige potentielle AirPods- und Galaxy-Buds-Interessenten umschwenken lassen und das mit sehr guten Argumenten: Leicht, kompakt, ausdauernd und mit (mildem) Noise Cancelling. Ich gebe daher eine Kaufempfehlung.

Libratone Track Air+ im Test: Bewertung

  • Klang: 85 Prozent
  • Tragekomfort: 90 Prozent
  • Hardware, Design & Funktionen: 80 Prozent
  • Akku: 80 Prozent

Gesamt: 84 Prozent

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