Sniper Ghost Warrior Contracts im Test: Im Fadenkreuz der Mittelmäßigkeit

Daniel Hartmann 1

Im nun vierten Teil der Sniper Ghost Warrior-Reihe verschlägt es den Spieler ins eisige Sibirien, wo er mit einer Vielzahl an Waffen und Gadgets seine Aufträge erfüllt. Herausgekommen ist ein solider Stealth-Shooter mit gutem Sniper-Gameplay.

Entwickler CI Games verabschiedet sich in Sniper Ghost Warrior Contracts wieder von der Open World des dritten Teils. Stattdessen dürft ihr jetzt in größeren Sandbox-Leveln euren eigenen Weg zur Erfüllung des Auftrags wählen.

Auf den fünf Karten erwarten euch je fünf Aufträge mit einem Hauptziel sowie diverse Herausforderungen, deren Erfüllung das Honorar erhöhen. Das Geld kann dann in neue Waffen, Ausrüstung und Upgrades investiert werden. Rivalisierende Attentäter versuchen euch dabei das Leben schwerzumachen.

Hinweis: Dieser Test behandelt ausschließlich den Singleplayer-Part des Spiels. Der Multiplayer ist zum Launch nicht verfügbar und soll im Dezember 2019 mit einem kostenlosen Update folgen.
Sniper Ghost Warrior Contracts - Teaser Trailer.

Im Osten nichts Neues

Das sibirische Volk schart sich von Russland ausgebeutet um einen vermeintlichen Erlöser. Dieser führt sie zwar in die Unabhängigkeit, stellt sich aber als Despot heraus, der seine Familie überall in die wichtigen Positionen bringt, um das Volk erneut zu unterdrücken. Das ist bis hier historisch gesehen keine Seltenheit und vielleicht gerade deswegen auch wenig originell.

Die Folge dieser sibirischen Unabhängigkeit unter einem Tyrannen ist ein weiterer Bürgerkrieg, in den ihr unter der Anleitung eines mysteriösen Auftraggebers einsteigt und die Rebellion unterstützt. Vom Auftraggeber bekommt ihr eine Hi-Tech-Maske, die euch durch die Level leitet und auch euer wichtigstes Gadget ist. Der eigene Charakter hat nicht wirklich viel Persönlichkeit, er ist einfach nur ein Attentäter, der seine Aufträge erfüllt.

Markieren, schießen, wiederholen…

Wie in den meisten Stealth-Games wird in jedem Gebiet erst mal die Lage sondiert. Die Übersichtskarte zeigt an, wo sich ungefähr die Auftragsziele befinden, die genaue Position müsst ihr aber selbst ausfindig machen. Dafür können Soldaten verhört werden, diese geben dann Informationen über Gegnerstandorte heraus, Offiziere verraten euch missions-relevante Informationen.

Ein Ziel kann entweder eine Kugel im Kopf eines hochrangigen Feindes sein, Dateien von einem Computer zu beschaffen oder die Beweise für eine biologische Waffe zu stehlen. Im Zielgebiet angekommen, werden mit Hilfe des Fernglasmodus der Maske die Gegner markiert. Ab hier stehen euch viele Möglichkeiten offen. Ihr könnt euch zum Beispiel ein gutes Scharschützennest suchen und die Feinde mit dem schallgedämpften Gewehr ausschalten. Sich durch die Reihen schleichen und die Gegner im lautlosen Nahkampf erledigen, ist auch eine Option. Da auch ein Sturmgewehr zu Ausrüstung des Snipers gehört, ist es im Grunde auch möglich sich wild ballernd durch die Gegner zu kämpfen – der richtige Kopf wird schon dabei sein. Allerdings ist dieser Spielstil sehr kontraintuitiv zu den meisten Spielmechaniken und auch zum Titel selbst.

Feindliche Söldner versuchen ebenfalls ihre Ziele zu erfüllen und in der Regel seid dieses Ziel ihr. Es kann also gut vorkommen, dass sie euch dazwischen funken und ihr erst das Duell mit dem gegnerischen Attentäter für euch entscheiden müsst.

Ein Spiel mit dem Wort Sniper im Namen sollte natürlich in Bezug darauf besonders gut abliefern. Die Ziele zu markieren ist extrem wichtig, da das Scharfschützengewehr auf die entsprechende Entfernung eingestellt werden muss. Das dynamische Fadenkreuzsystem des Zielfernrohrs hilft Wetterbedingungen auszugleichen und einen guten Schuss zu landen. Dieser kann dann auch die typische „Bullet-Cam“ auslösen. Die Kamera löst sich von euch und verfolgt die Kugel bis zum Einschlag und zeigt sehr explizit, was ihr eigentlich getroffen habt. Im neuen Teil können jetzt auch Gliedmaßen vom Körper getrennt werden. Das Spiel hat natürlich ein USK 18-Siegel

Dazu kommen noch diverse Munitionsarten. Es gibt zum Beispiel panzerbrechende Munition für Gegner hinter Wänden, EMP-Munition, um elektronische Geräte zu stören oder Köder-Munition, die Gegner die getroffene Stelle untersuchen lässt. Das Spiel bietet hier tatsächlich sehr viele taktische Möglichkeiten, wie ihr euer Scharfschützengewehr einsetzten könnt, um an euer Ziel zu kommen.

Ausverkauf im Waffenladen

Neben Geld verdient ihr auch unterschiedliche Token durch das Abschließen von Aufträgen oder Herausforderungen. Beides ist nötig, um neue Waffen, Ausrüstung und Upgrade zu kaufen. Die Primärwaffe ist natürlich das Scharfschützengewehr, hier kann eine Vielzahl an Waffen erworben werden, die alle mit unterschiedlichen Aufsätzen ausgestattet werden können. Gleiches gilt für Sekundärwaffe und Handfeuerwaffe.

Ebenfalls groß ist die Auswahl bei der Ausrüstung. Hier gibt es Granaten, Minen, Wurfmesser, Drohnen, Selbstschussanlagen und noch einiges mehr. Vieles davon, sowie die Maske und der eigene Kampfanzug können verbessert werden. Euer Fernglas erhält einen höheren Zoomfaktor, eure Maske einen Gasfilter, mehr Taschenplätze für Munition und Ausrüstung oder eine Kevlar-Weste – und das ist nur ein Bruchteil der Upgrades.

Die vielen Auswahlmöglichkeiten erschlagen euch am Anfang ein wenig. Die Tagebucheinträge (Glossar) helfen zwar gut bei grundlegenden Informationen, doch am Ende hilft einfach nur Ausprobieren.

Mein Fazit zu Sniper Ghost Warrior Contracts

Das wichtigste des Spiels, das Snipern, wurde gut umgesetzt und hat die richtige taktische Tiefe, um Spaß zu machen. Das trägt aber kein Spiel allein und die Aufträge in den fünf Gebieten ähneln sich immer sehr. Da ist es auch egal, ob ich in sibirischen Bergen oder sibirischen Wäldern auf Leute schieße, inhaltlich ist es das Gleiche. Die vielen Waffen, Gadgets und Verbesserungen bringen zwar etwas Abwechslung rein und ermöglichen neue Herangehensweisen, einige davon sind aber auch einfach überflüssig. Mir widerstrebt es in einem Spiel mit dem Namen Sniper Ghost Warrior mit einer aufgemotzten AK und Splittergranaten auf Russen zu schießen. Da kann ich auch Call of Duty spielen. Wo wir gerade bei Russen sind: Wenn ihr euch nicht zu sehr mit der Story beschäftigt, stört sie den soliden Stealth-Shooter nicht sehr.

Das Ausspionieren und Ausschalten der Auftragsziele macht durchaus Spaß und hier und da kommt sogar etwas Atmosphäre auf. Jedes Gebiet hat zusätzliche Herausforderungen, die für ein bisschen Abwechslung sorgen. Die langweiligen Open World-Gebiete des dritten Teils zu streichen, hat dem Spiel auf jeden Fall gutgetan. Die großen offenen Missionen erinnern hier eher an Hitman.

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Das Spiel besitzt keine Möglichkeit manuell zu speichern, das läuft über Checkpoints. Auch sind mehrere Spielstände nicht möglich. Das gefällt mir persönlich nicht so, ich würde gerne selbst entscheiden, wann ich mein Spiel für den Moment beende.

Sniper Ghost Warrior Contracts macht vieles schlichtweg okay und das Sniper-Gameplay sogar gut und da das Spiel nicht einmal ein Vollpreis-Titel ist, können Fans der Serie sich den Titel gerne genauer ansehen.

Wird euch gefallen, wenn ihr Stealth- und Sniper-Spiele mögt oder sowieso Fan der Reihe seid.

Wird euch nicht gefallen, wenn ihr abwechslungsreiches Missionsdesign sucht und eine Story, die zumindest ein bisschen mitreißend ist.

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